Euro-Einführung
Bargeldbesitzer sollten früh umtauschen

Unklar ist bisher, welchen Umfang die Umtauschaktion haben wird. „Die Institute“, so Tanja Bella vom Bundesverband Deutscher Banken, „können noch nicht genau abschätzen, was auf sie zukommt.“

22.03.2001. FRANKFURT/M. Lange Schlangen vor den Banken sind zur Einführung des Euro-Bargelds nicht zu erwarten, glaubt Gerassimos Thomas, Sprecher von EU-Währungskommissar Pedro Solbes Mira. "Der Großteil der Menschen wird die D-Mark, die sie noch im Portemonnaie haben, normal ausgeben." Und aus dem Geldautomaten kämen ab dem 1.1.2002 nur noch Euro, so Thomas.

Möglicherweise ist diese Prognose etwas optimistisch, denn Deutschland ist das Land des Bargelds. Während Bürger anderer EU-Länder bevorzugt mit Karte zahlen, schwört der Deutsche auf Cash: Nach Angaben des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) werden über 70 % aller Alltagstransaktionen in bar abgewickelt. Ein Drittel des Bargeldbestandes in der Eurozone kommt aus Deutschland. Von den insgesamt 260 Mrd. DM, die in Umlauf sind, werden lediglich 60 Mrd. in der Bundesrepublik verwendet. Weitere 100 Mrd. befinden sich im Ausland. Es fehlen folglich 100 Mrd. - wo genau die sich befinden, weiß niemand. Das im Bankerjargon als "Hortungsbestände" bezeichnete Bargeld werden die Bürger vermutlich ab Anfang 2002 unter der Matratze hervorkramen und in Euro umtauschen. Unklar ist bisher, welchen Umfang die Umtauschaktion haben wird. "Die Institute", so Tanja Bella vom Bundesverband Deutscher Banken, "können noch nicht genau abschätzen, was auf sie zukommt."

Dies dürfte auch der Grund dafür sein, dass viele Banken bisher noch noch keine genauen Umtauschkonditionen festgelegt haben. Während einige Institute die D-Mark-Bestände ihrer Kunden unbegrenzt in Euro-Cash umtauschen wollen, garantieren andere den Gratisumtausch nur für "haushaltsübliche Mengen". Damit folgen sie zwar einer Empfehlung der EU-Kommission. Rainer Metz von der Verbraucherschutzzentrale Nordrhein- Westfalen hält den Begriff dennoch für merkwürdig. "Was heißt denn schon haushaltsüblich, das ist eine sehr pauschale Festlegung." Während einige Banken versprochen haben, den Begriff noch zu konkretisieren, stellen andere wie die Hypo-Vereinsbank es den einzelnen Filialen frei zu entscheiden, wann die haushaltsübliche Menge überschritten ist. "Wovor die Banken Angst haben", so Metz, "sind große Münzbeträge". Deshalb ließen die Institute sich ein Hintertürchen offen.

Wer das Bargeld lediglich auf sein Konto gutschreiben lassen will, braucht sich allerdings keine Sorgen zu machen. Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs müssen Gutschriften im Rahmen des Umtausches kostenfrei sein. Nur wer Cash will, muss unter Umständen dafür zahlen. Auf jeden Fall mit Umtauschgebühren rechnen müssen jene Verbraucher, die nach dem 28.02.2002 noch D-Mark loswerden wollen. Dann nämlich endet die Phase des Parallelumlaufs, während der sowohl mit Euro als auch mit D-Mark bezahlt werden kann. Reinhold Rickes vom Sparkassenverband rät deshalb, Bargeld möglichst früh umzutauschen. "Denn ab 01.03.2002 gelten nicht mehr die günstigen Konditionen der Parallelphase."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%