Euro fällt auf Rekordtief zum Schweizer Franken
Schweizer Franken wird wieder Fluchtwährung

Die unsichere politische Lage mit einem möglichen Militärschlag der USA und wachsende Rezessionssorgen in Europa haben am Freitag an den Devisenmärkten eine Flucht in den sicheren Hafen Schweiz ausgelöst.

Reuters ZÜRICH. Im Zuge der ersten grossen Bewegung aus dem Euro seit dessen Bestehen fiel die Einheitswährung zum Schweizer Franken auf ein neues Rekordtief von weniger als 1,45 sfr. Dies zwang die Schweizerische Nationalbank (SNB), der angesichts der schwächer werdenden Schweizer Konjunktur nichts an einer starken Aufwertung des Franken gelegen sein kann, zum Handeln. Der Dollar erreichte mit 1,5680 sfr vorübergehend den tiefsten Stand seit etwa 20 Monaten.

"Die SNB ist besorgt über den sehr rapiden Anstieg des Schweizer Franken gegen den Euro, wie er in den vergangenen Tagen stattgefunden hat," erklärte ein SNB-Sprecher am Freitag. Die Notenbank senkte ihren Reposatz demonstrativ deutlich um 20 Basispunkte auf 2,43 % für Übernacht- wie für einwöchige Geschäfte.

Am Vorabend stand der Euro noch bei 1,4749/53 sfr nach 1,4782/90 sfr am Mittwochabend. Experten bei UBS Warburg wollten einen weiteren Rückgang bis auf 1,40 sfr nicht ausschliessen. Ein solche abnormale Währungskonstellation werde aber vermutlich nicht sehr lange anhalten, hiess es in einer Notiz der Investmentbank.

Leitzinssenkung zu Wochenbeginn ohne Wirkung

Erst zu Beginn der Woche hatte die SNB einige Tage früher als erwartet ihren Leitzins um 50 Basispunkte gesenkt - ohne in dem unsicheren Umfeld damit kurzfristig viel zu erreichen. "Vor dem Wochenende will man Sicherheit - koste es, was es wolle," sagte ein Händler. Die einbrechenden Aktienkurse mit Verlusten von fünf Prozent und mehr trugen auch nicht dazu bei, die Gemüter zu beruhigen.

Der schwache Euro trifft vor allem den exportorientieren Schweizer Maschinenbau, der nach Angaben des Branchenverbandes Probleme bekommt, wenn der Euro für länger Zeit unter die Marke von 1,50 sfr fällt.

Ob die SNB viel tun kann, bleibt nach Ansicht von Marktteilnehmern abzuwarten. Zwar sank der Tagesgeldsatz bei den Banken um etwa 30 Basispunkte auf 2,30/2,40 %. Doch, so ein Händler, es wäre besser gewesen, die SNB hätte nichts getan. Schliesslich habe die Notenbank immer wieder betont, sie habe kein Wechselkursziel. "Und nun kommen sie mit einer Aussage wie eben," so der Händler.

Alle drängen in den sicheren Hafen

"Es ist Freitag, man rechnet mit einem Militärschlag der USA, da drängen alle in den sicheren Hafen, dagegen kann auch eine Notenbank nicht viel ausrichten," hieß es im Markt weiter. Gegen die psychologischen Kräfte lasse sich nicht viel ausrichten, sagte der Händler. Die Anleger suchten Schutz in der Schweiz, weil die Schweiz weniger involviert sein werde als die EU, falls es zu einem Krieg komme.

Von der Unsicherheit profitierte auch Gold . Die Goldnotierungen stiegen am Freitagvormittag um rund drei $ auf 291 $.

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