Euro fällt nach starken US-Daten unter 90 US-Cents
US-Wirtschaft ist stärker als erwartet

Der unerwartet starke Anstieg des Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den USA im ersten Quartal hat Analysten zufolge die Hoffnungen auf eine weitere kräftige Zinssenkung der US-Notenbank Fed gedämpft. Die Wirtschaftsleistung sei ersten Schätzungen zufolge vor allem wegen höherer Konsumausgaben um 2,0 Prozent nach einer Jahresrate von 1,0 Prozent im Schlussquartal 2000 gewachsen, teilte das US-Handelsministerium am Freitag in Washington mit. Analysten hatten nur mit plus 1,1 Prozent gerechnet.

rtr WASHINGTON. Die Daten zeigen nach ihrer Ansicht den Beginn einer Konjunkturerholung. Euro und Staatsanleihen in den USA und Europa reagierten mit Kursverlusten. Die deutschen Aktien drehten ins Plus, US-Aktien legten zu Handelsbeginn zu.

Der überraschend starke BIP-Anstieg wird die Fed nach Einschätzung von Analysten zunächst von weiteren kräftigen Zinssenkungen abhalten. "Die Hoffnungen auf eine Senkung um 50 Basispunkte am 15. Mai dürften vom Tisch sein", sagte Joseph Barthel, Chef-Investmentstratege bei Fahnestock & Co in Great Neck. Nun sei allenfalls ein Schritt von 25 Basispunkten zu erwarten. Der geldpolitische Ausschuss der US-Notenbank berät am 15. Mai das nächste Mal über die Zinspolitik. Die Fed hat in diesem Jahr in vier Schritten den Leitzins um insgesamt 200 Basispunkte auf 4,50 Prozent gesenkt, um dem Konjunktureinbruch in den USA zu begegnen. Im ersten Quartal 2000 war die US-Wirtschaft noch um 4,8 Prozent gewachsen, im Gesamtjahr um 5,0 Prozent.

"Der größte Beitrag zum BIP-Anstieg kam von dem Plus bei den Konsumausgaben", teilte das US-Handelsministerium mit. Die Ausgaben der Verbraucher kletterten den Angaben zufolge um 3,1 Prozent nach einem Plus von 2,8 Prozent im letzten Vierteljahr 2000. Rund zwei Drittel der US-Wirtschaftsleistung werden von dem privaten Konsum getragen.

US-Finanzminister Paul O'Neill bezeichnete die US-Wachstumszahlen als "ausnehmend gute Nachrichten". Die Daten zeigten, wie widerstandsfähig die US-Wirtschaft sei, sagte O'Neill am Freitag Journalisten in Washington. Am Wochenende treffen sich die Finanzminister und Notenbankchefs der sieben größten Industrienationen (G7), um über die Lage der Weltwirtschaft zu beraten.

Auch nach Einschätzung vieler Analysten signalisieren die Daten, dass die US-Konjunktur sich auf dem Weg der Erholung befindet. "Entgegen der Wahrnehmung vieler Nicht-Amerikaner steht das Land nicht an der sprichwörtlichen konjunkturellen Klippe", sagte Greg Anderson, Volkswirt bei Fleet Global Markets in Boston. Einige Experten sehen allerdings weiter Wachstumsrisiken. Vor allem das sinkende Verbrauchervertrauen und die angespannte Lage am Arbeitsmarkt könnten den BIP-Anstieg im nächsten Quartal wieder etwas bremsen, sagte Carl Tannenbaum, Chefvolkswirt bei der Lasalle Bank in Chicago. Der als Inflationsindikator geltende Preis-Deflator signalisierte außerdem weiteren Preisdruck. Der Deflator stieg auf 3,2 Prozent nach 2,0 Prozent im Vorquartal.

Wie die Universität Michigan unterdessen berichtete, verringerte sich der Index des Verbrauchervertrauens im April endgültig auf 88,4 Punkte von 91,5 Punkten im März.

Der Dollar konnte nach den BIP-Daten deutlich zulegen. Der Euro gab zur US-Währung mehr als einen US-Cent ab und rutschte im Handelsverlauf vorübergehend knapp unter 0,89 Dollar. Bis 18.00 Uhr MESZ erholte sich die Gemeinschaftswährung wieder etwas auf 0,8919/22 Dollar. Auch die US-Kreditmärkte und in deren Gefolge der europäischen Rentenmarkt gaben nach. Der Bund-Future weitete seine Verluste um mehr als 30 Ticks aus und gab bis zu 62 Stellen ab auf 107,20 Zähler.

Die richtungweisende 30-jährige Staatsanleihe wurde mit 94-20/32 Zählern und damit um 20/32 niedriger genannt (Rendite: 5,75 Prozent). Die deutschen Aktienmärkte drehten nach den Daten dagegen ins Plus. Der Dax lag zuletzt knapp 0,8 Prozent fester bei 6167 Punkten. Der Dow-Jones-Index legte um 0,7 Prozent auf 10.766 Zähler zu.

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