Euro fehlt Kraft sich zu befestigen
Euro steigt nach schwachen US-Daten über 0,86 Dollar

Unerwartet schwache Daten zur US-Industrieproduktion haben den Euro am Dienstag bei umsatzschwachem Geschäft über 0,86 $ klettern lassen.

Reuters FRANKFURT. Doch Marktteilnehmer sprachen im Vorfeld der Anhörung des US-Notenbank-Chefs Alan Greenspan von einem ungewöhnlich dünnen Handel, der die Kursausschläge verstärkt habe. "Neben dem sowieso vorherrschenden Sommerloch hat sich vor der Rede Greenspans eine abwartende Haltung am Markt breit gemacht", sagte Ulrich Wortberg, Analyst von der DG Bank. Händler erwarten von den Aussagen Greenspans Aufschluss darüber, ob die US-Notenbank nach ihren diesjährigen sechs Zinssenkungen noch einmal die Geldpolitik lockern wird, um die schwache US-Konjunktur zu stützen. Die positiven Sondereinflüsse der Finanzkrise in Argentinien auf den Euro-Kurs hätten inzwischen nachgelassen.

Gegen 19.45 Uhr MESZ lag der Euro auf einem vorläufigen Tageshoch bei 0,8604/09 $. Die Europäische Zentralbank gab den Referenzkurs des Euro am Mittag in Frankfurt mit 0,8516 (0,8583) $ an. Damit verteuerte sich die US-Währung auf 2,2967 (2,2787) DM.

US-Wirtschaft zeigt keine Zeichen der Besserung

Die überraschend schwachen US-Zahlen zur Industrieproduktion habe der Markt rund eine Stunde nach deren Veröffentlichung als euro-freundliche Nachricht interpretiert, sagten Händler. "Die US-Wirtschaft zeigt noch immer keine Zeichen der Besserung, sondern es gibt eher Anzeichen für eine mögliche weitere Eintrübung", sagte Joe Francomano, Händler bei Erste Bank. Die Gesamterzeugung schrumpfte im Juni im Vergleich zum Vormonat nach Fed-Angaben um 0,7 % nach revidiert minus 0,5 % im Mai. Volkswirte hatten nur einen Rückgang um 0,5 % prognostiziert. Damit sank die Produktion zum ersten Mal seit 1982 neun Monate in Folge.

Vor der Rede Greenspans am Mittwoch um 16.00 Uhr MESZ vor dem Finanzausschuss des US-Repräsentantenhauses bleibe der Markt vorsichtig mit Einschätzungen über die weitere Zinspolitik der US-Notenbank, sagten Händler. Es sei nicht sicher, ob man nach den sechs Zinssenkungen in diesem Jahr eine weitere geldpolitische Lockerung erwarten könne. Deshalb achte man besonders aufmerksam auf die Äußerungen des Notenbank-Chefs.

Keine positiven Einflüsse durch Krise in Argentinien

Von der Krise in Argentinien gehen nach Einschätzung von Devisenstrategen keine positiven Einflüsse mehr auf den Eurokurs aus. "Die Krise in Argentinien war in der vergangenen Woche ein Sondereinfluss, der den Euro gestützt hat", sagte Wortberg. Er sprach von einer Stabilisierung der Lage in der drittgrößten Volkswirtschaft Lateinamerikas. Die peronistische Opposition erklärte sich bereit, den Sparkurs von Präsident Fernando de la Rua zu unterstützen. Die Regierung will die Neuverschuldung in diesem Jahr auf Null reduzieren, um das Vertrauen der Anleger in die Zahlungsfähigkeit des Staates wiederzugewinnen. In der vergangenen Woche war es zu Verlusten an den Finanzmärkten vor allem von Schwellenländern gekommen, nachdem Argentinien bei der Aufnahme neuer Staatsschulden die höchsten Zinsen seit 1996 zahlen musste.

Für die kommenden Wochen sei es von Bedeutung, ob die Gemeinschaftswährung wirklich ihren Abwärtstrend durchbrochen habe, fügte Wortberg hinzu. "Aus technischer Sicht kann man die Lage noch nicht so positiv betrachten." Auch die Analysten von HSBC Trinkaus & Burkhardt äußerten sich in einem Marktkommentar eher skeptisch über die weitere Entwicklung des Euro: "Dem Euro fehlt momentan die Kraft, sich weiter gegenüber dem $ zu befestigen." Seit Jahresbeginn hat die Gemeinschaftswährung rund ein Zehntel ihres Wertes zum $ eingebüßt.

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