Euro-Gastgeber
Dä Fuessball chunt hei

Die heimischen Ligen sind international unbedeutend, die letzten Erfolge der Nationalmannschaften liegen lange zurück: Mit dem fußballerischen Niveau der Euro-Gastgeber steht es nicht zum Besten. Dabei kann der alpenländische Fußball auf eine glorreiche Tradition zurückblicken. Eine Hommage an die beiden Gastgeber Österreich und Schweiz.

BERLIN. Eine Fußball-EM in seinem Land, sagt der österreichische Kabarettist Hans Dorfer, sei wie Skispringen in Namibia. Dieses Urteil wird quer durch den Kontinent geteilt, wo man sich seit Monaten über kleine Stadien und das fußballerische Niveau der Ausrichterländer Schweiz und Österreich lustig macht. Dabei gibt es genügend Gründe, warum die Euro völlig zu Recht in den beiden Alpenländern stattfindet. Ob Historie, Partystimmung oder Kommerz - ab dem 7. Juli "chunt dä Fuessball hei".

Mehr noch als die fußballerische Gegenwart spricht die glorreiche Geschichte des alpenländischen Fußballs dafür, dass hier und nirgendwo anders die EM stattfindet: In der Schweiz wurde als erstem kontinentaleuropäischen Land "tschuttet", nachdem englische Internatssschüler das Spiel um 1860 in die Berge exportierten. Von hier zogen eidgenössische Spieler und Trainer dann weiter nach Frankreich, Italien oder Spanien, um Aufbauhilfe zu leisten. Joan Gamper, Gründer, Spieler und Präsident des FC Barcelona - ein Schweizer.

Und es gab auch große Turniererfolge: Mit dem Finaleinzug bei den Olympischen Spielen 1924 in Paris schrieb sich die Schweiz in die Annalen der Europameister ein. Denn auch wenn das Team im Endspiel Paraguay unterlag (0:3), so galt die Abmachung, dass die erfolgreichste europäische Elf Europameister sein sollte.

Nur wenig später konnte Österreich mit einem vergleichbaren Erfolg aufwarten: 1932 gewann das legendäre "Wunderteam" den kurz zuvor ins Leben gerufenen Europapokal der Nationalmannschaften, den direkten EM-Vorläufer. In diesem Titel spiegelte sich die Überlegenheit des "Scheiblespiels", jenes Offensivfußballs, der im "Donau-Fußball" der zwanziger Jahre einen Gegenentwurf zum "Kick and Rush" britischer Klubs findet. Und auch die erste Defensivlehre des Kontinents hat ein Alpenländler entworfen. Der Wiener Karl Rappan, Trainer der Schweizer "Nati", ersann in den dreißiger Jahren den "Schweizer Riegel" als Vorläufer des "Catenaccio".

Wer nun einwendet, all dies sei ferne Vergangenheit, der sei daran erinnert, dass die Uefa ihren Sitz in der Schweiz hat. Zumindest im institutionellen Sinne gilt unbestreitbar: Der Fußball kommt heim!

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