Euro gerät unter Druck
Le Pens Erfolg entsetzt Europäer

Das starke Abschneiden des Rechtsradikalen Jean-Marie Le Pen in der ersten Runde der Präsidentenwahlen in Frankreich hat Politiker quer durch das politische Spektrum in Europa entsetzt und den Euro belastet. Die Gemeinschaftswährung fiel um knapp einen halben US-Cent unter 0,89 $. Le Pens Einzug in die Stichwahl sei am Markt negativ aufgenommen worden, sagten Händler. Denn der Erfolg des scharfen Europa-Kritikers lasse Sorgen über eine EU-Skepsis in Frankreich aufkommen.

HB PARIS. In Frankreich bildete sich für die Stichwahl am 5. Mai eine breite Allianz gegen Le Pen. Sozialisten, Grüne und Kommunisten riefen dazu auf, bei der Stichwahl um die Präsidentschaft am 5. Mai für den konservativen Amtsinhaber Jacques Chirac zu stimmen. In mehreren französischen Städten demonstrierten Zehntausende gegen Le Pen.

Nach Auszählung von 97,75 % der Stimmen lag Chirac mit 19,67 % an erster Stelle, ihm folgen Le Pen mit 17,02 % und Jospin mit 16,07 %. Allgemein war erwartet worden, dass Jospin den zweiten Platz belegen würde. Jospin kündigte seinen völligen Rückzug aus der Politik nach dem 5. Mai an.

Europäische Politiker reagierten besorgt auf Le Pens Abschneiden. Bundeskanzler Schröder sagte, jetzt müssten alle Demokraten in Frankreich und Europa ein Interesse daran haben, zu verhindern, "dass Le Pen irgendeine Chance bekommt". Unions-Kanzlerkandidat Edmund Stoiber wies auf die Zersplitterung der bürgerlichen Parteien in Frankreich hin. CDU und CSU ließen in Deutschland rechts von sich keine demokratisch legitimierte Partei heranwachsen, sagte Stoiber.

Der belgische Außenminister Louis Michel rief zur Wachsamkeit auf: "Wir müssen damit aufhören, diese fremdenfeindlichen und rassistischen Tendenzen kleinzureden. Wir dürfen nicht länger glauben, dass unsere Demokratien gegen diese Gefahren gefeit sind." Der polnische Ministerpräsident Leszek Miller sieht durch den Rechtsruck sogar den Beitritt seines Landes zur EU in Gefahr. Le Pen stehe für "Frankreich und die Franzosen zuerst". Er sei ein Fremdenhasser und lehne ein offenes, tolerantes Europa ab, sagte der Sozialdemokrat Miller.

Zustimmung erhielt Le Pen von prominenten Nationalisten wie dem Russen Wladimir Schirinowski und dem Flamen Filip Dewinter.

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