Euro hat seinen Boden gefunden
Euro fällt nach Welteke-Äußerungen unter 0,87 Dollar

Reuters FRANKFURT. Äußerungen von Bundesbankpräsident Ernst Welteke haben die europäische Gemeinschaftswährung am Dienstag belastet. Welteke hatte erklärt, der Euro habe durch die Notenbank-Intervention seinen Boden gefunden. Bis zum Abend fiel der Euro wieder unter 0,87 $. Händlern zufolge hatte die Gemeinschaftswährung im Tagesverlauf von der Schwäche des $ profitiert und kurzzeitig ein Tageshoch von 0,8744 $ markiert. Die Dollar-Schwäche sei durch Kursverluste an den US-Aktienmärkten und den Zusammenbruch des japanischen Versichungskonzerns Chiyota Mutual Life Insurance ausgelöst worden. Zudem hätten sich weiterhin Spekulationen gehalten, die G-7-Notenbanken könnten erneut mit Euro-Käufen in den Markt eingreifen.

Die Prognose des IW, wonach sich das Wachstum in Deutschland 2001 minimal abschwächen werde, habe sich dagegen kaum auf die Kursentwicklung ausgewirkt. Gegen 19.45 Uhr MESZ notierte der Euro mit 0,8691/94 nach einer letzten Notiz am Vorabend in New York von 0,8674/84 $. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte am Mittag in Frankfurt den Referenzkurs mit 0,8721 $ ermittelt. Der Dollar fiel auf 107,82/87 (108,95/00) Yen zurück. Nach Angaben von Händlern leidet der Dollar unter wachsender Besorgnis über die Entwicklung der US-Unternehmensgewinne und der Schwäche der New Yorker Aktienbörse während der letzten Tage.

Welteke hatte in Frankfurt mit Blick auf die Preisentwicklung in Deutschland gesagt, es sei schlecht vorhersagbar, ob die Preise ihren Höhepunkt im September erreicht hätten. "Die EZB hat durch die vorausschauend beschlossenen Zinsschritte auf zu erwartenden Preissteigerungen reagiert", sagte er. Die EZB hoffe, dass sich am langen Ende des Kapitalmarktes und in den Lohnrunden keine Inflationserwartungen aufgebaut hätten. Auf die Frage nach möglichen Zweitrundeneffekten, sagte der Bundesbankpräsident, die Lohnrunden in Deutschland seien bislang moderat verlaufen.

Die Inflation in Deutschland war im September nach Angaben des Statistischen Bundesamtes mit einer Jahresrate von 2,5 % so stark gestiegen wie seit Dezember 1994 nicht mehr.

Experten befürchten, dass die Schwäche der US-Aktienmärkte angesichts enttäuschender Unternehmenszahlen vorerst anhalten werde. "Die Leute sind immer besorgter um die Bilanzen. Wenn die so schlecht bleiben, könnte das auch schlecht für den $ sein", sagte Jeremy Hawkins von der Bank of America in London. Nach mehreren Verlusttagen büßte der Dow-Jones-Index 30 führender Industriewerte am Dienstag bis gegen 19.45 Uhr MESZ 0,07 % auf 10 559,54 Zähler ein. Der technologielastige Nasdaq-Composite-Index verlor 1,89 % auf 3292,16 Punkte.

Keine nennenswerte Reaktion zeigte der Euro nach Angaben von Händlern auf die Wachstumsprognose des Instituts der Wirtschaft (IW). Dieses rechnet für das laufende Jahr mit einem dreiprozentigen Wirtschaftswachstum in Deutschland, das sich im nächsten Jahr auf 2,9 % leicht abschwächen sollte. Damit werde sich das hohe Wachstumstempo von 3,3 % im ersten Halbjahr 2000 nicht ganz halten lassen, erklärte das arbeitgebernahe Institut am Dienstag. Ein Grund dafür sei, dass der private Verbrauch durch die hohen Ölpreise und zusätzlich die Ökosteuer doppelt gedrückt werde. Die Ausfuhren blieben eine Konjunkturstütze.

Eine Belastung für den Dollar war Händlern zufolge auch der Konkurs von Chiyoda. Der fünftgrößte japanische Versicherer hatte am Montag mitgeteilt, er habe gerichtlichen Gläubigerschutz beantragt, da er mit 2,94 Mrd. Yen (31 Mrd. Euro) verschuldet sei. Devisenexperten sagten, dadurch werde der Yen gestützt, da Chiyoada und andere Versicherungskonzerne zum Verkauf von überwiegend in $ und Euro gehaltenen und Währungsreserven zwinge.

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