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Euro-Höhenflug ungebrochen - Trichet wird Trend nicht umkehren

Der Höhenflug des Euro wird sich nach Einschätzung der Deutschen Bank trotz der verbalen Intervention des EZB-Präsidenten Jean-Claude Trichet fortsetzten.

dpa-afx FRANKFURT. Der Höhenflug des Euro wird sich nach Einschätzung der Deutschen Bank trotz der verbalen Intervention des EZB-Präsidenten Jean-Claude Trichet fortsetzten. Auf Sicht von zwölf Monaten sei eine weitere Aufwertung von derzeit 1,29 auf 1,40 Dollar zu erwarten, sagte Thomas Mayer, Europa-Chefvolkswirt der Deutschen Bank am Dienstag in Frankfurt. Selbst das auf DM-Basis erreichte Niveau von umgerechnet 1,42 Dollar je Euro in den 80er-Jahren dürfte übertroffen werden.

"Trichet will scharfe Wechselkursbewegungen vermeiden, nicht aber den Trend umkehren", sagte Mayer. Nach überraschend gelassenen Aussagen der Währungshüter in der Eurozone zu den Wechselkursen am vergangenen Donnerstag bei der Leitzinsentscheidung bezeichnete Trichet am Montag den Euro-Höhenflug als "unwillkommen" und "brutal". Mit den Aussagen dämpfte Trichet wie bereits im Februar den Höhenflug.

Ziel Verlängerung DES Anpassungsprozesses

Ziel der so genannten verbalen Intervention ist nach Einschätzung von Mayer nur eine Verlängerung des Anpassungsprozesses. Interventionen der EZB seien angesichts des bestehenden Inflationsdrucks und des kräftigen Geldmengenwachstums in der Eurozone nicht zu erwarten. Generell seien Interventionen gegen einen Markttrend mit "erheblichen Risiken" behaftet. Derzeit gebe es auch keine Anzeichen für ein abgestimmtes Vorgehen der Notenbanken der führenden Industrienationen. Dies wäre aber für ein wirksames Einschreiten notwendig.

Der Euroanstieg dämpft der Deutschen Bank zufolge die ohnehin nachlassende Wirtschaftsdynamik in der Eurozone. "Eine zehnprozentige Aufwertung wirkt wie eine Leitzinserhöhung um 0,80 Prozentpunkte", sagte Mayer. Die Unternehmen stünden bei einer allmählichen Euro-Aufwertung aber nicht vor unlösbaren Problemen. Nur abrupte Bewegungen könnten den anstehenden Wechsel der Schubkräfte für das Wachstum in der Eurozone vom Export hin zur Binnenwirtschaft vereiteln. Diese hätten eine deutlichere Abschwächung des Wachstums in der Eurozone 2005 zur Folge als bisher mit 1,6 Prozent (2004: 1,8)unterstellt.

Wechselkurse Tragen Grossteil DER Anpassungslast

Angesichts eines rekordhohen Leistungsbilanzdefizits in den USA führt aber mittelfristig kein Weg an einer weiteren Abwertung des Dollar vorbei, ergänzte Peter Hoope, US-Chefvolkswirt der Deutschen Bank. Die Wechselkurse trügen beim mittelfristigen Abbau der Ungleichgewichte einen Großteil der Anpassungslast.

Rein rechnerisch sei für eine Senkung des US-Leistungsbilanzdefizits von derzeit rund sechs Prozent des Bruttoinlandsprodukts auf zwei Prozent eine Abwertung des Dollar um 30 Prozent notwendig. "Der Euro allein kann die volle Anpassungslast nicht tragen", sagte Hoope. Auch bei den asiatischen Währungen sei eine substantielle Aufwertung erforderlich. Diese haben sich bisher allerdings hartnäckig mit Interventionen gegen eine Aufwertung gestemmt.

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