Euro-Kurs nach Ifo-Einschätzung kein Problem
Nerb: Rezessiongefahr gesunken

Die Wahrscheinlichkeit einer Rezession in Deutschland ist nach den Worten von Ifo-Volkswirt Gernot Nerb deutlich gesunken. Auch der gestiegene Euro sollte eine langsame Erholung in der zweiten Jahreshälfte nicht vereiteln.

Reuters BERLIN. "Nach den heutigen Ergebnissen der Ifo-Umfrage ist das Risiko einer Rezession in Deutschland deutlich geringer einzuschätzen", sagte Nerb der Nachrichtenagentur Reuters am Montag. Unabhängig vom Anstieg des Ifo-Index sehe er nicht die Gefahr einer Deflation in Deutschland. Auch das Risiko des gestiegenen Euro für die Konjunktur schätzte Nerb nicht sehr hoch ein: "Ein Großteil der Firmen kann wohl mit dem jetzigen Euro-Kurs fertig werden. Der Euro wird auf diesem Niveau den Aufschwung nicht vereiteln", sagte Nerb.

Der an den Finanzmärkten viel beachtete Geschäftsklimaindex des Münchner Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo) für Westdeutschland stieg im Mai überraschend deutlich auf 87,6 Zähler nach 86,6 Zählern im April.

Ende des Irak-Krieges lässt hoffen

Vor allem das Ende des Irak-Kriegs und der Rückgang der Ölpreise sollten die Hoffnungen der Firmen auf eine konjunkturelle Wende nach Einschätzung Nerbs gestärkt haben. "Bisher ist es zwar nur ein Hoffnungswert, aber die Firmen haben Indizien für eine Erholung", sagte Nerb. "Wir können in den nächsten sechs Monaten mit einer Verbesserung der Lage rechnen." Im zweiten Quartal werde die Wirtschaft jedoch voraussichtlich kaum über eine Stagnation herauskommen, nachdem sie im ersten Quartal geschrumpft war. Während die Erwartungen der Firmen in der jüngsten Ifo-Umfrage deutlich optimistischer ausfielen, schätzten sie ihre gegenwärtige Lage erneut etwas schlechter ein.

Viele Firmen basieren ihre gestiegenen Hoffnungen offenbar trotz des starken Euro vor allem auf das Exportgeschäft: "Die Chancen für eine Erholung der Weltkonjunktur werden besser eingeschätzt", erläuterte Nerb. Der gestiegene Euro mache dabei den meisten Firmen offenbar keine allzu großen Sorgen. "Sicher macht der Euro-Kurs das Exportgeschäft schwieriger, aber Firmen sehen das ganze nicht schlechter als vor einem Monat", sagte Nerb.

Verbraucher haben mehr Geld in der Tasche

Die belebende Wirkung des billigeren Öls macht sich nach Worten Nerbs bereits in der Binnenwirtschaft bemerkbar. "Die Verbraucher haben wegen der gesunkenen Energiepreisen mehr Geld in der Tasche", sagte Nerb. Dies habe die Stimmung bei den gebeutelten Einzelhändlern deutlich aufgehellt.

Trotz der deutlichen Preissenkungen beim Öl und dem starken Euro macht sich Nerb kaum Sorgen über eine Deflation in Deutschland. "Im Moment sinken vor allem die Energiepreise - das ist nur eine Produktgruppe und nicht ein Preisrückgang auf breiter Front", sagte Nerb.

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