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Euro-Minister vermeiden Forderung nach Intervention

Die Finanzminister der Eurogruppe haben nach ihrem Treffen in Luxemburg offene Rufe nach einer Intervention der Europäischen Zentralbank (EZB) zu Gunsten des Euro vermieden.

rtr LUXEMBURG. Der Vorsitzende der Eurogruppe, der belgische Finanzminister Didier Reynders, sagte in Luxemburg nur, Interventionen seien ein Instrument, das zur Verfügung stehe. Reynders äußerte sich zudem weniger positiv als in der Vergangenheit über die Wachstumsaussichten der Euro-Zone. Diese seien wegen der deutlichen Abschwächung der Konjunktur in den USA und Japan weniger robust als angenommen. Kritik wurde bei dem Treffen an EZB-Chef Wim Duisenberg laut.

Reynders, der in der Vergangenheit immer wieder geäußert hatte, seine Wachstumserwartungen seien von "realistischem Optimismus" geprägt, sagte am Dienstag, er habe nunmehr "realistisches Vertrauen". Die Minister seien auch besorgt über die Entwicklung der Ölpreise und wollten im Dialog mit den Produzenten ein Preisniveau zwischen 22 und 28 Dollar pro Barrel Öl durchsetzen. Die Wachstumsentwicklung könne kurzfristig weniger robust als angenommen ausfallen. Mittelfristig gebe es aber "gute Wachstumsmöglichkeiten" in den zwölf Euro-Staaten. Besondere Sorge innerhalb der Euro-Zone bereite die Entwicklung in Deutschland, fügte er in einem Gespräch mit Reuters TV hinzu. Er wollte die Ergebnisse des Treffens der Eurogruppe in einer Pressekonferenz am Vormittag zusammenfassen.

Die EU-Kommission hatte ihre Wachstumsprognose für die Euro-Zone im vergangenen April gekürzt. In ihrer Frühjahrsprognose ging die EU-Kommission für die zwölf Euro- Länder nur noch von einem durchschnittlichen Wachstum von 2,8 % in diesem und 2,9 % im kommenden Jahr aus. Im Herbst hatte sie für 2001 noch 3,2 % vorausgesagt. Für die deutsche Wirtschaft erwartet die Kommission mit 2,2 (Herbst: 2,8) Prozent das schwächste Wachstum in der Euro-Zone. Zum Euro-Kurs sagte Reynders, für die Finanzminister der Eurogruppe stehe der Binnenwert der gemeinsamen Währung im Vordergrund. Der österreichische Finanzminister Karl-Heinz Grasser hatte am Montagabend erklärt, er sehe keine aktuelle Veranlassung für eine Intervention. Der Euro habe Aufwertungspotenzial.

Die Minister der zwölf Euro-Länder berieten bei dem Treffen auch über die wirtschaftliche Lage in der Eurozone. Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) nahm nicht an dem Treffen teil. Eichel sei durch die Haushaltsdebatte in Berlin aufgehalten worden, hieß es in EU-Kreisen. Kritik wurde bei dem Treffen auch an der Abwesenheit von EZB-Chef Wim Duisenberg laut, der sich durch seinen Vize Christian Noyer vertreten ließ. Reynders sagte, es sei nicht das erste Mal, dass Duisenberg bei Treffen der Eurogruppe fehle. Er bedauere dies.

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