Euro-Münzen werden rund um die Uhr produziert
In der Staatlichen Münze entsteht neue Währung

Der Euro macht Lärm. In der Staatlichen Münze Baden-Württemberg in Stuttgart prasselt und klimpert die neue Währung, schwere Münzpressen stampfen rhythmisch im Takt. Rund acht Mill. Euro-Münzen produzieren die 120 Mitarbeiter jeden Tag in drei Schichten rund um die Uhr.

dpa STUTTGART. Mit einem Anteil von 24 % ist Stuttgart vor Hamburg, München, Berlin und Karlsruhe die größte deutsche Prägestätte für den Euro. Die Rohlinge kommen von überall her, sogar aus Kanada - verpackt in Holzkisten, die je eine halbe Tonne wiegen. Auf grünen Lastwagen der Landeszentralbanken verlässt die blitzblanke neue Währung dann die Staatliche Münze wieder.

"Am Anfang dachte ich, ich wäre in einer Geschichte von Dagobert Duck gelandet", erinnert sich Karin Seifert-Brinkmann, eine ehemalige Kindergärtnerin. Die 45-Jährige hatte sich auf eine Stellenanzeige in der Zeitung beworben und arbeitet seit zwei Jahren mit einem Zeitvertrag in der Prägestätte. Als angelernte Prägerin kontrolliert sie den rötlich, silbern oder golden schimmernden Auswurf der Münzpressen und beseitigt kleinere Störungen. Gegen den Krach helfen Ohrenschützer. Durch den Euro hat sich die Mitarbeiterzahl des staatlichen Produktionsbetriebs mehr als verdoppelt. Der größte Teil der Arbeit soll bis Ende November erledigt sein; ab 2003 werden dann nur noch Ersatzmünzen für Cents und Euros geliefert.

Für Münzleiter Alfred Nürbauer ist die Produktion bereits Routine. Der gelernte Kunststofftechnik-Ingenieur mit bayerischem Akzent hat mit Ausnahme von Finnland und Portugal alle Prägestätten im Euroland besucht - und sich dabei über das ständige Geldwechseln auf seinen Reisen geärgert. "Die Qualitätsstandards sind inzwischen überall gleich", berichtet der 58-Jährige. In Stuttgart werden die Münzen unter anderem auf Gewicht, Dicke des Rands, Oberflächenstruktur und farbliche Veränderungen getestet. Ein Prägestempel - von den hauseigenen Werkzeugmachern hergestellt nach einem "Urstück" mit dem Muster der jeweiligen Euro-Münze - kann 400 000 bis 800 000 Mal pressen und muss danach ausgetauscht werden.

Obwohl Diebe an einer Kiste mit Cents und Euros schwer zu schleppen hätten, steht Sicherheit in der Staatlichen Münze hoch im Kurs. Alle Mitarbeiter werden beim Verlassen des Gebäudes durchsucht. Noch ist der Euro offiziell Falschgeld, und wer Münzen mit nach Hause nimmt, begeht Diebstahl. Einer der Angestellten musste sogar gekündigt werden, berichtet Nürbauer. Auf eine anonyme Anzeige hin hatte die Polizei bei einer Hausdurchsuchung Dutzende von Euros entdeckt. Diese Münzen - erkenntlich an dem Buchstaben "F" für die Stuttgarter Prägestätte - sind inzwischen wieder sichergestellt, genauso wie ein paar "Ausreißer", die sich in einem Süßigkeiten- Automaten unweit des Herstellungsortes fanden. "Der hat den Euro bereits akzeptiert", erklärt Nürbauer und schmunzelt dabei.



Die Euro-Prägung ist zweifellos ein besonderes Ereignis in der mehr als 600-jährigen Geschichte der Stuttgarter Münze. Eine neue Herausforderung im Vergleich zur D-Mark, die dort noch bis 1996 hergestellt wurde, sind zum Beispiel die Ein- und Zwei-Euro-Münzen: Sie werden aus Ring und Kern mit jeweils unterschiedlichen Metalllegierungen zusammengesetzt. In den vergangenen drei Jahren wurden rund 15 Mill. DM (7,7 Mio Euro) in neue Maschinen und Ausrüstung investiert. Durch die hohe Auslastung hat der Betrieb aber dennoch Gewinne in die Landeskasse gespült. Zu dem genauen Betrag will sich Nürbauer nicht äußern. "Aber der wurde noch in D-Mark bezahlt", fügt er hinzu.

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