Euro
Nostalgie und Hoffnung

Auch vier Jahre nach der Einführung des Euro-Buchgeldes und ein Jahr nach der Einführung des Euro-Bargeldes löst die Gemeinschaftswährung bei den meisten Deutschen kein Glücksgefühl aus. Dies zeigen Umfragen im Auftrag der EU-Kommission und der Forschungsgruppe Wahlen.

Die deutschen Meinungsforscher ermittelten eine wieder gestiegene Distanz zum Euro. 57 Prozent der Deutschen fanden im Dezember 2002 die Euro-Einführung nicht gut. Im Januar hatten sich lediglich 27 Prozent der Deutschen so negativ geäußert.

Die Deutschen machen aus ihrer D-Mark-Nostalgie kein Hehl. 59 Prozent denken mit Wehmut an das alte Geld. Mit der D-Mark ist ein Stück nationaler Identität verloren gegangen. Die Euro-Noten und Euro-Münzen haben bisher aber noch nicht zur Herausbildung einer europäischen Identität geführt. Die Diskussion um den Teuro hat erheblich dazu beigetragen, dass der Euro bei den Bundesbürgern nicht hoch im Kurs steht. Zwar hat nach Berechnungen des Statistischen Amtes der Europäischen Union die Euro-Bargeldeinführung den harmonisierten Index der Verbraucherpreise in der ersten Jahreshälfte 2002 nur zwischen null und 0,2 Prozentpunkte erhöht, aber kräftig gestiegene Preise im Gaststättengewerbe und in anderen Dienstleistungsbereichen haben den Eindruck vermittelt, die Euro-Bargeldeinführung habe einen Teuerungsschub ausgelöst. Der Kachelmann-Effekt - die gefühlte Teuerung ist wesentlich stärker als die statistisch gemessene - ist jedoch noch nicht abgeklungen.

Für die Deutschen war die D-Mark zum Symbol des Wiederaufbaus und des Wirtschaftswunders geworden. Ein Euro-Wunder gibt es nicht. Seine interne Stabilität bleibt gefährdet, die Inflationsraten laufen weit auseinander. Seit drei Jahren ist es auch nicht gelungen, die durchschnittliche Inflationsrate in der Euro-Zone unter der Zweiprozentmarke zu halten. Damit ist das Ziel der Preisstabilität leicht verfehlt worden.

Das geringe Wirtschaftswachstum und die hohe Arbeitslosigkeit werten den Euro ab. Von einem Wachstumsschub auf Grund des Wegfalls des Wechselkursrisikos ist nichts zu spüren. Gerade Deutschland mit seinen Strukturproblemen trägt erheblich dazu bei, dass die Wachstumsdynamik der Euro-Zone deutlich hinter der der Vereinigten Staaten von Amerika zurückbleibt.

Die hohen deutschen Haushaltsdefizite und die immer wieder aufflammende Debatte über eine Flexibilisierung des Europäischen Stabilitäts- und Wachstumspaktes schwächen das Vertrauen in die neue Währung.

Stolz sein können die Bürger auch nur auf eine starke Währung. Das war der Euro aber in den Jahren 2000 und 2001 mit Tiefstständen von unter 83 Cent gegenüber dem Dollar nicht. Erst im Laufe des Jahres 2002 hat er die Parität zum Dollar geschafft und überschritten. Als Reservewährung liegt der Euro abgeschlagen hinter dem Dollar auf dem zweiten Platz.

Aber den Stab gebrochen haben die Deutschen über die neue Währung nicht. Der Euro hat für sie das Potenzial zu einer Erfolgsgeschichte. Zwei von drei Deutschen haben am langfristigen Erfolg der Gemeinschaftswährung keine Zweifel. Dieser Erfolg wird sich umso schneller einstellen, wenn Deutschland den Reformstau auflöst und eine neue Dynamik entwickelt.

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