Euro profitiert von Dollar-Schwäche
Euro pendelt sich nach M3-Daten unter 0,88 $ ein

Der Euro hat sich am Donnerstag nach einem unerwartet stark beschleunigten Wachstum der Geldmenge M3 in der Euro-Zone unter 0,88 $ eingependelt. Der Zuwachs von 6,1 % im Jahresvergleich habe Spekulationen über eine rasche konjunkturbelebende Leitzinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) gedämpft, die nach den jüngsten deutschen Preisdaten aufgekeimt seien, sagten Händler.

Reuters FRANKFURT. Kurzfristig habe die Gemeinschaftswährung am Donnerstagnachmittag von der Stellungnahme des US-Präsidialamtes profitiert, wonach Finanzminister Paul O'Neill für die Währungspolitik zuständig ist, Präsident George W. Bush sich aber jederzeit dazu äußern kann. Grundsätzlich bleibt der Markt Händlern zufolge euro-freundlich.

Am späten Nachmittag notierte die Gemeinschaftswährung mit 0,8773/78 $ und damit rund einen halben US-Cent unter seinem am Vormittag markierten Zwei-Monats-Hoch. Die EZB gab den Referenzkurs des Euro am Mittag in Frankfurt mit 0,8764 $ nach 0,8793 $ am Mittwoch an. Damit verteuerte sich die US-Währung auf 2,2317 (2,2243) DM. Zur japanischen Währung wurde der Euro mit 108,58 (108,90) Yen festgelegt.

Starker Zuwachs der Geldmenge M3

Der unerwartet starke Zuwachs der Geldmenge M3 in der Euro-Zone im Juni belastete Händlern zufolge den Euro-Kurs den Tag über. Der Markt habe die Zahlen offenbar so interpretiert, als ob Zinssenkungen in der Euro-Zone zunächst in weite Ferne gerückt seien, sagten Händler. "Doch bei genauerem Hinschauen wird deutlich, dass sie einer schnellen Zinssenkung eigentlich nicht im Weg stehen", sagte Ulrich Wortberg, Devisenanalyst bei der DG Bank. Denn die Geldmenge sei weiter aus statistischen Gründen deutlich nach oben verzerrt.

Die für die EZB-Zinspolitik wichtige Geldmenge M3 ist nach Angaben der Notenbank im Juni im Jahresvergleich bereinigt um 6,1 % nach revidiert 5,1 (5,4) Prozent im Vormonat gewachsen. Analysten hatten im Schnitt eine Jahresrate von 5,7 % prognostiziert. Das stärkere Wachstum sei zum Teil auf einen statistischen Basiseffekt zurückzuführen, teilte die EZB mit. Zudem seien die Daten schätzungsweise um 0,75 %punkten nach oben verzerrt.

Die Gemeinschaftswährung legte am Donnerstagnachmittag kurzfristig wieder knapp einen halben US-Cent zu, nachdem das US-Präsidialamt mitteilte, Finanzminister O'Neill sei für Währungspolitik zuständig, Präsident Bush werde sich aber zum $ äußern, wenn er es für richtig halte. "Es stimmt, wenn der Minister sagt, dass die Zuständigkeit für die Dollar-Politik beim Finanzministerium liegt", sagte Ari Fleischer, Sprecher des US-Präsidialamtes. "Aber offensichtlich spricht der Minister nicht für den Präsidenten, wenn er sagt, es gebe nur einen Sprecher."

Aufwärtstrend ungebrochen

In den vergangenen Tagen hatte O'Neill immer wieder die Fortführung der Politik des starken $ betont. Äußerungen von Präsident Bush, ein starker $ habe auch Nachteile für die US-Wirtschaft und der Kurs bilde sich im Markt, hatten zuvor für Irritationen über die Währungspolitik der USA gesorgt. Generell ist der Aufwärtstrend der Gemeinschaftswährung nach Händlerangaben ungebrochen. Der Euro habe sich deutlich von seinen Tiefstständen vom Frühjahr abgesetzt, was für die weitere Entwicklung der Währung positiv stimme, sagte Wortberg. "Der Euro profitiert gegenwärtig von einer ausgeprägten Dollar-Schwäche", sagte Wortberg. Die Investoren korrigierten ihren bisherigen Konjunkturoptimismus für die USA. Dies führe auch zu einer Korrektur der jüngsten Dollar-Stärke auf breiter Front.

Weitere Aufschlüsse über den Zustand der US-Wirtschaft versprechen sich Anleger von den US-Wachstumszahlen für das zweite Quartal am Freitag. Analysten erwarten im Schnitt eine annualiserte Wachstumsrate von 0,9 % nach 1,2 % im Vorquartal. "Schwache BIP-Zahlen aus den USA dürften den Euro weiter nach oben treiben", sagte Wortberg. Bis zum Ende der Woche sei daher die Widerstandsmarke von 0,8880 $ durchaus erreichbar und könne möglicherweise auch übersprungen werden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%