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Euro-Referendum: Dänen erstmals für den Beitritt

Die Befürworter der Euro-Einführung erlangen erstmals die Oberhand. Die Kurse dänischer Staatsanleihen könnten erheblich steigen.

Reuters KOPENHAGEN. In Dänemark hat mit dem ersten größeren politischen Schlagabtausch die heiße Phase vor der Volksabstimmung am 28. September über den Beitritt des Landes zur Euro-Zone begonnen. In Meinungsumfragen gewannen die Befürworter der Euro-Einführung erstmals die Oberhand über die Gegner. Ihre Mehrheit ist aber immer noch hauchdünn. So ergab die neueste Gallup-Umfrage vom Montag, dass unter gut 1000 Befragten 44 % "Ja" zum Beitritt Dänemarks zur Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion (EWWU) sagen würden, während 43 % bei "Nein" blieben.

Vor Kurzem waren die Argumente für und gegen einen EWWU-Beitritt in einer öffentlichen Diskussion aufeinandergeprallt. Dänemark habe durch einen Beitritt größeren Einfluss in Europa, sei besser gegen Währungsspekulationen geschützt und die Wirtschaft profitiere davon, sagte der Vorsitzende der Liberalen Partei, Anders Fogh Rasmussen. Wirtschaftsministerin Marianne Jelved von der Radikalliberalen Partei wies außerdem darauf hin, Dänemark sei dann wieder bei wichtigen Gremien der Euro-Zone vertreten.

Die Parteien vom linken wie rechten Meinungsspektrum, die nicht an der Mitte-Links-Regierung beteiligt sind, argumentierten dagegen, Dänemark gebe seine Selbstbestimmung durch einen Beitritt zur Euro-Zone preis. Sowohl Pia Kjaersgaard von der rechten Dänischen Volkspartei als auch Holger Nielsen von der linken Sozialistischen Volkspartei wandten gegen ein "Ja" im Referendum ein, dies sei ein unumkehrbarer Schritt hin zu einem hoch zentralisierten Verbund der "Vereinigten Staaten von Europa". Über Dänemark sollten die fünf Mill. Dänen entscheiden und keine 400 Mill. Europäer, forderte Kjaersgaard.

Die jüngste Gallup-Umfrage war bereits die fünfte in diesem Monat, die einen Schwenk der Dänen hin zur Zustimmung beim Euro-Referendum am 28. September andeutete. Seit Bekanntgabe des Referendum-Termins im März waren zuvor stets die Euro-Gegner in der Mehrheit gewesen. Politikwissenschaftler halten die Ergebnisse jedoch für nicht sonderlich aussagefähig. Erst ganz kurz vor dem Referendum könnten sie verlässliche Vorhersagen über die Entscheidung der Dänen ermöglichen.

Wie unklar der Ausgang des Volksentscheids ist, zeigen auch die Einschätzungen von Volkswirten. Die 38 von Reuters befragten Wirtschaftsexperten beziffern die Wahrscheinlichkeit eines positiven Votums zum Euro-Beitritt mit 51 %.

"Ja" der Dänen erhöht Druck auf Schweden und Briten

Mit Interesse wird das Referendeum in Europa auch deshalb erwartet, da ein "Ja" der Dänen den Druck auf Schweden und Großbritannien, die ebenfalls noch nicht der Euro-Zone angehören, zu einem Beitritt erhöhen würde. Eine Ablehnung würde die dortigen Euro-Gegner dagegen stärken. Die Investment-Bank Merrill Lynch hält es sogar für möglich, dass die geplante Osterweiterung der Europäischen Union ins Stocken geraten könnte, falls sich die Dänen dafür entscheiden, der Euro-Zone fern zu bleiben.

Mit Blick auf die jüngsten Meinungsumfragen schätzt Schroeder Salomon Smith Barney, die Kurse dänischer Staatsanleihen könnten erheblich steigen, falls sich in den kommenden Wochen eine Zustimmung zu einem EWWU-Beitritt des Landes abzeichnen sollte. Entsprechend würden die Renditen der Staatspapiere sinken. Bei einem "Ja" würde der Zinsaufschlag dänischer Bonds gegenüber der richtungweisenden zehnjährigen deutschen Staatsanleihe auf das Niveau niederländischer Papiere von derzeit 17 Punkten abschmelzen. Im Falle der Ablehnung könnte die Risikoprämie auf die Bundesanleihe auf 0,8 bis 0,85 %punkte oder 80 bis 85 Basispunkte steigen.

Nach einer Weile dürfte sich dieser Abstand jedoch wieder verringern. Denn die Volkswirte erwarten, dass die dänische Krone keine größeren Kursausschläge zum Euro sehen wird. Die dänische Währung darf derzeit in einem engen Band von plus/minus 2,25 %punkten zu ihrem Euro-Leitkurs schwanken.

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