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Euro-Renten nach Ifo-Index unter Druck

Ein unerwarteter Anstieg des Ifo-Geschäftsklimaindex hat am Mittwoch die Kurse der europäischen Zinsfutures gedrückt. Die Investoren gingen offenbar davon aus, dass mit dem Anstieg des Index eine baldige Zinssenkung in der Euro-Zone unwahrscheinlicher geworden sei, sagten Händler.

rtr FRANKFURT. Analysten sehen allerdings noch keine Trendwende bei der Konjunkturentwicklung und rechnen auch angesichts aktueller Preisdaten aus den deutschen Bundesländern damit, dass die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen am 30. August um 25 Basispunkte senken wird.

Der Index für Westdeutschland stieg im Juli unerwartet auf 89,8 von einen Fünf-Jahrestief 89,5 Punkten im Juni. Händler interpretierten die Zahlen dahingehend, dass die EZB mit ihrer bisherigen Einschätzung der Konjunkturentwicklung richtig gelegen habe. Damit bestehe möglicherweise auch weiter kein unmittelbarer Handlungsbedarf der Währungshüter. Kein spürbaren Auswirkungen auf die Kursentwicklung der festverzinslichen Wertpapiere hatte den Angaben zufolge die Abschwächung der Teuerung in Hessen und Baden-Württemberg, obwohl die Zahlen nach den Worten von Analysten

Der Bund-Future notierte gegen 14.00 Uhr MESZ mit 23 Ticks im Minus bei 108,72 Punkten. Der Bobl-Future verlor 16 Stellen auf 106,95 Zähler. Am kurzen Ende gab der Schatz-Future fünf Ticks auf 103,39 Punkte ab. Die zehnjährige Bundesanleihe Juli 2011 notierte zur Kasse mit 101,14 nach 101,670 % am Vortag. Gegen 14.00 Uhr MESZ wurde das Papier bei 101,090 % gehandelt und rentierte mit 4,853 %.

Der Ifo-Geschäftsklimaindex für Westdeutschlandan, dem die Finanzmärkte hohes Gewicht beimessen, stieg im Juli unerwartet auf 89,8 von einen Fünf-Jahrestief 89,5 Punkten im Juni. Analysten hatten einen Rückgang prognostiziert. Der Index Geschäftserwartungen für die alten Bundesländer stieg deutlich auf 95,0 von 93,5 Punkten im Vormonat. Allerdings setzt sich die Konjunkturabkühlung in Deutschland nach Ansicht von Ifo-Volkswirt Gernot Nerb derzeit noch fort. "Der Anstieg des Ifo-Erwartungsindexes ist ein positives Signal, aber es ist noch zu früh, um zu sagen, dass es sich um eine Wende handelt", sagte Nerb in einem Reuters-Interview. Erst ein Anstieg des Erwartungsindexes über drei bis vier Monate in Folge sei ein deutlicher Beleg für eine konjunkturelle Wende. Die Wirtschaftslage sei derzeit noch von Unsicherheit geprägt und erfordere weitere Unterstützung durch die Wirtschafts- und Geldpolitik.

Für eine Zinssenkung spricht nach Angaben von Analysten auch die verlangsamte Teuereung in Hessen und Baden-Württemberg. "Den Höhepunkt beim Preisanstieg haben wir überschritten", sagte Stefan Mütze von der Helaba in Frankfurt. "Die Konjunktur in Europa ist nach wie vor schwach. Daher nimmt der Druck auf die EZB weiter zu, ungeachtet des positiven Ifo-Index, der noch keine trendwende darstellt." Mütze erwartet eine Zinssenkung um 25 Basispunkte am 30. August oder beim darauf folgenden Zinstreffen der EZB.

Leitzinssenkung wird unwahrscheinlicher

Rentenhändlern zufolge hat die Erwartung einer Leitzinssenkung bereits in der nächsten Woche jedoch durch die Ifo-Zahlen jedoch einen Dämpfer erhalten. "Vielleicht sehen wir hier einen Hoffnungsschimmer dafür, dass der Boden erreicht ist. Das ist ein Hinweis, dass die sich die von der EZB vorausgesagte Erholung als korrekt erweisen könnte," sagte Glenn Davies vom Credit Lyonnais in London.

Bislang waren Analysten noch davon ausgegangen, dass die EZB, wie am Vorabend die US-Notenbank (Fed) ihre geldpolitischen Zügel lockern werde, um die sich abkühlende Konjunktur in der Euro-Zone wieder anzuregen. Die Fed hatte am Dienstagabend angesichts der weiter schwachen US-Konjunktur die Leitzinsen erwartungsgemäß zum siebten Mal in diesem Jahr gesenkt. Der entscheidende Zielsatz für Tagesgeld werde um 25 Basispunkte auf 3,5 % zurückgenommen, hatte die Notenbank erklärt.

Auch das zusätzliche Angebot an Papieren im fünfjährigen Laufzeitbereich habe die Rentenkurse gedrückt, hieß es. Der Bund teilte am Mittwochvormitag beim Tender für die Bundesobligationen (Bobl) Serie 138 (WKN: 114138) insgesamt 5,062 Mrd. ? ab 100,87 % zu. Wie die Bundesbank in Frankfurt mitteilte, betrug die Durchschnittsrendite 4,28 %. Für die Marktpflege behielt der Bund den Angaben zufolge 955,69 Mill. ?. In den freihändigen Verkauf gingen 982,06 Mill. ?. Das Emissionsvolumen beläuft sich auf sieben Mrd. ?.

Die börsennotierten Bundesanleihen tendierten am Mittwoch im Kassa-Vergleich erneut leichter. Nur eines der gehandelten Papiere festigte sich um 0,007 %punkte, während 80 Papiere bis zu 0,830 %punkte verloren. Die Bundesbank kaufte in Frankfurt zum Marktausgleich Anleihen im Volumen von 329,3 (Vortageskäufe 143,2) Mill. ?. Die Umlaufrendite öffentlicher Anleihen stieg auf 4,70 (4,65) Prozent. Der Rex-Rentenindex verlor 0,21 % auf 113,2673 Zähler.

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