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Euro steigt in Fernost auf Fünf-Monats-Hoch über 0,93 Dollar

Der Euro profitiere nach wie vor von den Bedenken über eine starke Abkühlung der amerikanischen Wirtschaft und die damit verbundenen Spekulationen über eine baldige Senkung der US-Leitzinsen.

Reuters FRANKFURT/TOKIO. Der Euro ist am Dienstag an den asiatischen Märkten mit Kursen über 0,93 $ auf den höchsten Stand seit Ende Juli dieses Jahres gestiegen. Händler sagten, viele Marktteilnehmer nützten die feiertagsbedingten dünnen Umsätze, um neue Widerstandsmarken zu testen. Dabei profitiere die europäische Gemeinschaftswährung nach wie vor von den Bedenken über eine starke Abkühlung der amerikanischen Wirtschaft und die damit verbundenen Spekulationen über eine baldige Senkung der US-Leitzinsen. Gegenüber dem Yen stieg der Euro am Dienstag nach der Veröffentlichung japanischer Konjunkturdaten und verstärkter Zweifel an der wirtschaftlichen Erholung des Landes auf ein Zehn-Monatshoch über 105 Yen. Gegen 12.00 Uhr notierte die Gemeinschaftswährung mit 0,9296/01 $ deutlich über ihrem am Freitag erreichten New Yorker Schlusswert von 0,9262/67 $. Kurz zuvor war der Euro mit 0,9305 $ auf ein Fünf-Monats-Hoch gestiegen. Zum Yen notierte die Gemeinschaftswährung mit 105,35/38 Yen, nachdem sie im Handelsverlauf zum ersten Mal seit Anfang März die Marke von 105 Yen durchbrochen hatte. Die Märkte in Europa bleiben am Dienstag geschlossen, aber in den USA wird am Nachmittag (MEZ) der Handel aufgenommen.

Unter den Erwartungen ausgefallene Konjunkturdaten in den USA hatten in der vergangenen Woche erneut auf eine deutliche Abkühlung des US-Wirtschaftswachstums hingewiesen und den $ belastet. Das Brutto-Inlandsprodukt (BIP) im dritten Quartal 2000 war nach Angaben des US-Handelsministeriums wegen schwächerer Exporte mit 2,2 % noch langsamer als bislang angenommen gestiegen und daher zum zweiten Mal von anfänglich 2,7 % nach unten revidiert worden. Im zweiten Quartal war das Wachstum mit 5,6 % noch mehr als doppelt so hoch ausgefallen. Vor diesem Hintergrund rechnen einige Investoren nach Händlerangaben damit, dass die US-Notenbank Fed die Leitzinsen möglicherweise bereits vor ihrem nächsten Treffen am 30. Januar senken könnte. An den Märkten bestehe eine fünfzig-prozentige Chance für eine Zinssenkung vor diesem Termin.

In Japan setzten am Dienstag neue Konjunkturdaten den Yen Händlern zufolge erneut unter Druck. "Zusätzliche Zeichen für eine schwache japanische Wirtschaft waren heute deutliche Gründe für Yen-Verkäufe und die dünnen Umsätze haben den allgemeinen Abwärtstrend verstärkt", sagte Takashi Toyahara von Nomura Trust and Banking in Tokio. Die Arbeitslosenquote stieg nach Angaben der Regierung im November auf 4,8 % von 4,7 % im Oktober und lag damit nur knapp unter dem im März erreichten Rekordwert von 4,9 %. Die Verbraucherausgaben fielen gleichzeitig um 2,3 %. Die Einzelhandelsausgaben gingen im November nach Angaben des japanischen Handelsministeriums um 0,7 % zum Vorjahresmonat zurück.

Gesunkene Verbraucherpreise in Japan wiesen zudem am Dienstag auf die Gefahr einer Deflation hin, was Händlern zufolge den Druck auf die japanische Notenbank zu einer Rückkehr zu ihrer im August beendeten Null-Zinspolitik erneut verstärkte. Die Verbraucherpreise im Großraum Tokio fielen nach Regierungsangaben im Dezember um 0,6 % zum Vorjahr und waren im Vergleich zum Vormonat unverändert. Im Gesamtjahr 2000 sanken die Preise um ein Prozent zum Vorjahr und verzeichneten somit den stärksten Rückgang seit 1971. Landesweit lagen die Preise im Dezember um 0,5 % zum Vorjahr niedriger und fielen zum Vormonat um 0,2 %. Wirtschaftsminister Fukushiro Nukaga sagte im Anschluss an die Daten, die Regierung müsse die Entwicklung der Verbraucherpreise wachsam beobachten.

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