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Euro überspringt zeitweise die Marke von 0,90 Dollar

Bis zum Abend gab die Gemeinschaftswährung dann jedoch ihre Tagegewinne nach technisch motivierten Verkäufen wieder ab. Händler sagten, das am Dienstag bevorstehende zinspolitischen Treffen der US-Notenbank bremse die Märkte in ihrer Euro-Nachfrage.

Reuters FRANKFURT. Sorgen wegen der Abkühlung der US-Konjunktur und der offenbar doch langsameren Erholung der japanischen Wirtschaft haben dem Euro am Montag zeitweise zum Sprung über die Marke von 0,90 $ und auf ein 4-1/2-Monatshoch zum Yen verholfen. Bis zum Abend gab die Gemeinschaftswährung dann jedoch ihre Tagegewinne nach technisch motivierten Verkäufen wieder ab. Händler sagten, das am Dienstag bevorstehende zinspolitischen Treffen der US-Notenbank bremse die Märkte in ihrer Euro-Nachfrage. Niemand wolle vor dem Treffen noch offene Positionen eingehen. Gegen 20.30 Uhr MEZ lag die Gemeinschaftswährung bei 0,8935/40 $ nach 0,8950/54 $ zum US-Handelsschluss am Freitag.

Im Referenzkursverfahren Öffentlicher Banken wurde der Euro mit 0,8962 nach 0,8973 $ am Freitag ermittelt. Damit kostete ein $ 2,1824 nach 2,1797 DM. Zur japanischen Währung wurde der Kurs des Euro mit 100,85 (100,88) Yen festgesetzt. Der Euro kletterte zum Yen auf ein 4-1/2-Monatshoch über 101 Yen.

Die jüngsten Wirtschaftsdaten aus den USA signalisieren Händlern zufolge eine raschere konjunkturelle Abkühlung als erwartet. Zudem hätten die teilweise massiven Kursverluste der US-Aktienbörsen in den letzten Woche die Stimmung gegen den $ umschlagen lassen. Mit Spannung warteten die Marktteilnehmer deshalb auf das Treffen des für die Zinspolitik verantwortlichen Offenmarktausschusses der Fed (FOMC) am Dienstag. Nach Einschätzung von Analysten wird die Fed dabei den Weg für niedrigere Zinsen in den USA ebnen. Allerdings werde sie wohl trotz einer drastischen Verlangsamung der Aktivitäten der US-Wirtschaft nicht sofort die Kosten für die Geldbeschaffung verbilligen. Eine erste Zinssenkung halten einige Experten aber bereits am 31. Januar 2001 für möglich.

Der für die Geldpolitik der Fed verantwortliche Offenmarktausschuss (FOMC) kommt am Dienstagnachmittag (MEZ) zu seinem letzten Treffen in diesem Jahr zusammen. Seine Beschlüsse und die Stellungnahme der Fed werden üblicherweise gegen 20.15 Uhr MEZ veröffentlicht. Bis dahin würden die Devisenmärkte abwarten und sich ruhig verhalten, hieß es im Handel. "Morgen haben wir das FOMC-Treffen, bis dahin wollen sich die Leute das Pulver trocken halten", sagte ein Analyst.

Keine erkennbaren Auswirkungen auf den Devisenmarkt hatte Händlern zufolge ein erstes Treffen Greenspans mit dem künftigen US-Präsidenten George W. Bush. Einzelheiten über das Treffen wurden nicht bekannt. Bush lobte den US-Notenbankpräsidenten nach dem Gespräch und sagte, er habe Vertrauen in seine Fähigkeiten. Experten waren davon ausgegangen, dass Bush Greenspan seine Pläne für Steuersenkungen im Volumen von 1,3 Billionen $ zur Belebung der Wirtschaft vorstellen will. Greenspan hatte allerdings schon zuvor erkennen lassen, dass er die aus den US-Haushaltsüberschüssen frei werdenden Mittel lieber zur Schuldentigung als zur Finanzierung von Steuersenkungen einsetzen würde.

Die Besorgnis der Anleger hinsichtlich der Entwicklung der japanischen Wirtschaft habe mit dem neuen Monatsbericht der Bank von Japan (BoJ) weiter zugenommen und den Kurs des Yen gegenüber wichtigen Währungen gedrückt, sagten Händler. Die japanischen Währungshüter hatten sich darin erstmals seit Juli 1998 skeptisch über den Fortgang der der konjunkturellen Erholung in Japan geäußert. Eine Verlangsamung des Exportwachstums werde auch das Tempo der Erholung insgesamt bremsen, heißt es in dem am Montag veröffentlichten Dezember-Bericht der BoJ. Ein Regierungsvertreter ergänzte, die japanische Wirtschaft werde im laufenden Fiskaljahr (bis 31. März 2001) voraussichtlich um 1,2 % wachsen, und nicht wie zuvor angenommen um 1,5 %. Der Euro kletterte daraufhin zum Yen auf ein Viereinhalb-Monatshoch über 101 Yen.

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