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Euro-Umstellung: Verlage wollen keine "krummen" Preise

Der Leser in Deutschland kann nach der Umstellung auf den Euro bei Zeitungen und Zeitschriften runde Preise erwarten. Ob er künftig mehr oder weniger bezahlen muss, hängt vom jeweiligen Titel ab. Zur Vermeidung "krummer" Beträge wollen zahlreiche Verlage laut Umfrage eher ab- als aufrunden.

dpa HAMBURG. Viele Großverlage auf dem in Deutschland besonders hart umkämpften Zeitschriftenmarkt wollten jedoch ihre künftige Preispolitik noch nicht offenbaren. Die Verlegerverbände gehen davon aus, dass eventuelle Preisanhebungen bei den Print-Medien bereits im Vorfeld kommen könnten. Kein Verlag werde sich dem Vorwurf aussetzen, die Umstellung zu verdeckten Preiserhöhungen zu nutzen.

"Preispolitische Anpassungen kommen im wesentlichen eher früher als zum Jahreswechsel», sagte Holger Busch, Marketing- Geschäftsführer beim Verband der Zeitschriftenverleger (VDZ). Dafür sei jedoch dann nicht der Euro verantwortlich, sondern zum Beispiel die gestiegenen Papierpreise. "Die Verlage erhöhen oder erhöhen nicht, unabhängig von der Euroumstellung", sagte auch Jörg Laskowski, für Verlagswirtschaft zuständig beim Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV).

FAZ will generell abrunden

Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" will nach den Worten von Geschäftsführer Jochen Becker generell abrunden - "trotz steigender Papierpreise". Nach bisheriger Planung soll die FAZ-Ausgabe an Wochentagen, deren Einzelverkaufspreis erst jüngst zum 1. Juli von 2,00 auf 2,30 DM erhöht worden war, 1,15 oder 1,10 Euro kosten. Streng gerechnet sind 2,30 DM eigentlich 1,18 Euro. Das Deutschland- Abo (53 DM) soll 27 Euro (statt 27,10 Euro) kosten. Angesichts 287 703 Abonnenten geht die FAZ laut Vertriebschef Fischer von Mindereinnahmen auf Grund der Abrundungen in Höhe von rund 200 000 Euro (391 166 DM) aus.

Die Leser der "Süddeutschen Zeitung" in München, die mit der FAZ Auflagenführer unter den überregionalen Tageszeitungen ist, müssen nach Angaben eines Sprechers nicht mit Preiserhöhungen durch die Euro-Umstellung rechnen. Nach der vor wenigen Tagen erfolgten Erhöhung der Preise sei zum Jahreswechsel kein weiterer Anstieg geplant. Der Abo-Preis bei der SZ wurde zum 1. Juli auf monatlich 25 Euro festgelegt - eine Anhebung von 45,60 auf 48,90 DM für Bezieher außerhalb Bayerns.

Die WAZ, größte Zeitung in Nordrhein-Westfalen, rundet künftig ihren werktäglichen Preis von 1,30 DM (66 Cent) auf 65 Cent ab. Am Wochenende passt das Blatt den Preis von derzeit 1,60 DM (82 Cent) auf 80 Cent an. "Wir nutzen die Euro-Umstellung nicht zu Preis- Erhöhungen", sagte Dirk Schütter von der Vertriebsverwaltung der WAZ Gruppe - in Essen.

Die "Leipziger Volkszeitung" (LVZ), die den Verlagen Madsack und Axel Springer gehört, will nach den Worten des geschäftsführenden Redakteurs Michael Schneider die Umstellung in jedem Fall nutzen, um das bisherige Preissystem zu vereinfachen. Gegenwärtig gibt es je nach Ausgabe, Bezugsart und-ort mehr als 100 verschiedene Preise. Welche Euro-Preise unter dieser Maßgabe dann ab 1. Januar 2002 genommen werden, sei noch offen.

Die großen Hamburger Verlage wollten keine konkreten Preise für ihre vielen Objekte - vom Massenblatt "Bild" bis zum Spezialmagazin - nennen. Europas größter Zeitungskonzern, der Axel Springer Verlag (Berlin/Hamburg), hat nach den Worten einer Sprecherin "keine für alle Titel gültige Preispolitik". Jeder Verlagsbereich entscheide je nach Marktsegment und Wettbewerbssituation, welchen Euro-Preis er ansetzt. Auch zu Spekulationen, dass die auflagenstärkste Zeitung "Bild" ihren Preis von 80 Pfennig in Westdeutschland auf glatte 40 Cent abrundet, wollte sie sich nicht äußern.

Gruner+Jahr, Europas führender Zeitschriftenkonzern ("Stern") mit Sitz in Hamburg, gibt sich ebenfalls bedeckt. "Die Käufer werden zum Umstellungszeitpunkt keinen monetären Nachteile haben", sagte Unternehmenssprecher Kurt Otto. Bei der Verlagsgruppe Bauer («TV Movie») wurde eine Arbeitsgruppe eingesetzt. "Derzeit gibt es jedoch aus unserem Haus noch keine Stellungnahme zu dem Thema", hieß es. Der "Spiegel"-Verlag will den Preis für sein Nachrichtenmagazin von 5 DM datumsgerecht zum 1. Januar 2000 umstellen. "Dies würde gegebenenfalls eine leichte Abrundung auf 2,55 Euro bedeuten", teilte das Unternehmen mit.

Bei der Verlagsgruppe Handelsblatt in Düsseldorf ("Handelsblatt", "Wirtschaftswoche") hieß es, man könne derzeit noch keine Auskunft über die Euro-Preise geben. Auch bei Burda ("Focus") in München ist nach Angaben eines Sprechers noch nicht entschieden, ob bei der Euro- Umstellung auf- oder abgerundet werde. Sicher sei nur, dass es keine einheitliche Linie geben werde. "Wir gehen von beiden Fällen aus. Einige Objekte werden sich leicht verteuern, andere verbilligen."

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