Euro und Yen geben weiter nach
US-Dollar bleibt von schlechten Nachrichten unbeeindruckt

Hoffnungen, dass die amerikanische Börse endlich einen Boden findet, haben zum Wochenbeginn den US-Dollar gestützt. Der Euro blieb klar unter der Parität. Er hielt sich lange Zeit über 0,98 $, fiel aber im Tagesverlauf unter diese Marke.

HB DÜSSELDORF. Unbeeindruckt ließ den Dollar auch die Nachricht, dass der US-Telekom-Konzern Qwest seine Bilanzen für die Jahre 2000 und 2001 berichtigen muss. Der Konzern hat zugegeben in den Jahren 1999 bis 2001 seien insgesamt 1,16 Mrd. $ (1,17 Mrd. Euro) an Erlösen aus dem Geschäft mit optischen Netzwerken falsch bilanziert zu haben.

Laut Volker Nitsch, Volkswirt bei der Bankgesellschaft Berlin, waren ähnliche Ankündigungen von US-Unternehmen absehbar. Denn wegen der Serie von Buchführungsskandalen müssen mehr als 900 der größten US-Konzerne der amerikanische Wertpapier- und Börsenkommission SEC bis zum 14. August eine eidesstattliche Richtigkeitserklärung für die Geschäftsabschlüsse vorlegen. Nitsch sagt: "Es ist klar, das dort wohl bis zu diesem Termin noch einiges ans Licht kommt".

Schweizer Zinssenkung stützt Dollar

Nitsch wertet den festeren Dollar noch nicht als "Beginn eines neuen Trends". Die Bewegung vom Freitag habe sich fortgesetzt. Ausgelöst wurde der seiner Meinung nach nur kurzfristige Anstieg der US-Devise durch die relativ guten US-Konjunkturdaten am Freitag. Zudem habe die Zinssenkung in der Schweiz den Dollarkurs gestützt. Auch in den nächsten Tagen werde der Euro zum Dollar voraussichtlich um die Parität schwanken. Auf Sicht von drei Monaten sieht die Bankgesellschaft den Euro bei 1,05 $. Bis zum Jahresende soll die Gemeinschaftswährung bis auf 1,10 $ steigen.

Auch Ulrich Beckmann sieht noch "keine Trendwende zu Gunsten des Dollars". Der Leiter des Research Büros der Deutschen Bank in Frankfurt führt den stärkeren Dollar zum einen auf Gewinnmitnahmen zurück, zum anderen sei sie "aus Asien getrieben". Der Yen notierte gestern deutlich über 119 zum Dollar. Dies war der niedrigste Stand seit drei Wochen. Beckmann zufolge hat der Yen damit "etwas von seiner Überbewertung verloren". Henrich Maaß von der Westdeutschen Landesbank weist zudem darauf hin, dass die Interventionen der Notenbanken noch nachwirken könnten. Auch sei die Industrieproduktion Japans im Juni stärker als erwartet gefallen, allerdings nach guten Vormonatszahlen.

Britisches Pfund legt zu

Gelassen sieht Maaß den bröckelnden Euro. Die Erholung sei so zügig abgelaufen, dass ein Rückgang ganz normal sei. In dieser Woche warten die Marktteilnehmer auf die Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den USA am Mittwoch. Der eine oder andere hoffe hier auf eine "positive Meldung", sagt Maaß. Zumindest aber werden die Zahlen Gewissheit für das zweite Quartal bringen.

In den Mittelpunkt könnte in den nächsten Tagen auch das Pfund Sterling rücken. Gestern legte es zum Euro zu. Ausschlaggebend für den Kurs des Pfundes sind laut Maaß zum einen die jüngsten guten BIP-Zahlen für das zweite Quartal. Zum anderen ist der Blick auf die britische Notenbank gerichtet. Diese werde wohl als erste der großen Zentralbanken die Zügel straffen. Maaß rechnet damit allerdings erst für die September-Sitzung und noch nicht in dieser Woche. Mittelfristig spiele auch der Beitritt zur Euro-Zone immer wieder eine Rolle. Dabei sei das Pfund zum Euro "nach wie vor stark bewertet". Besser wären Kurse um 0,68 zum Euro gegenüber aktuell 0,627.

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%