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Euro vor G-20-Treffen weiter unter 84 US-Cents

Händler rechnen nicht damit, dass sich die Finanzminister und Notenbanker in Montreal konkret zur Euro-Schwäche und möglichen Interventionen äußern würden. In diesem Fall könne der Euro auf neue Tiefstkurse unter 83,23 US-Cents fallen.

rtr FRANKFURT. Vor dem Treffen der G-20-Finanzminister und Notenbanker in Montreal hat der Euro am Dienstag in einer engen Spanne unter 84 Cents notiert. Händler sagten, der Markt sei vor dem Treffen sehr nervös. Es sei aber eher unwahrscheinlich, dass sich die Finanzminister und Notenbanker in Montreal konkret zur Euro-Schwäche und möglichen Interventionen zur Stützung der Gemeinschaftswährung äußern würden. In diesem Fall könnte der Euro auf neue Tiefstkurse unter 83,23 US-Cents fallen. Händler schließen einen Rückgang bis auf 80 Cents nicht aus. Die am Morgen veröffentlichten Preisdaten aus Deutschland haben sich unterdessen Händlern zufolge kaum auf den Euro-Kurs ausgewirkt.

Gegen 11.10 Uhr MESZ notierte der Euro mit 0,8384/89 $, mehr als einen halben Cent über seinem Allzeittief vom 18. Oktober von 0,8323 $. Gegenüber dem Yen notierte der Euro bei 90,62 Yen.

Die Akteure warteten mit Spannung auf das G-20-Treffen. Dabei achteten viele auf neue Hinweise auf mögliche Interventionen von den Notenbanken. Die Hoffnungen darauf seien jedoch nach Äußerungen des deutschen Finanz-Staatssekretärs Cajo Koch-Weser vom Montag geschwunden. Koch-Weser hatte am Montagabend gesagt, es werde keine Stellungnahme zu Interventionen zum Euro in Montreal geben, sondern eher etwas über die "Verwundbarkeit" der globalen Wirtschaft.

Andere Beobachter gingen derweil schon gar nicht mehr davon aus, dass eine Stellungnahme zum Euro der Währung Auftrieb verleihen könne. "Es sieht so aus, als sei es egal was passiert", sagte Steve Barrow von Bear Stearns in London. Nach der vergangenen Intervention und der jüngsten Schwäche es Euro sei es vielen Marktteilnehmern mittlerweile gleich, ob die Notenbanken erneut intervenieren. Denn mit einer langfristigen Erholung sei auch durch Stützungsmaßnahmen nicht zu rechnen. "Es ist sehr schwer, den Kurs des Euro jetzt umzudrehen. Dazu fehlt einfach das Vertrauen in den Euro und die Europäische Zentralbank", sagte Lindsay Gordon von IDEAglobal.com in Singapur.

Die Experten waren sich jedoch einig, dass der Abwärtstrend der europäischen Gemeinschaftswährung verstärkt werde, wenn es nicht zu konkreten Aussagen auf dem G-20-Treffen oder gar zu erneuten Notenbank-Interventionen kommen sollte. In einem solchen Fall könne der Euro bis auf 0,80 $ fallen, sagten einige Händler. "Wir müssen uns die Regierungsvertreter aus Europa und den USA anhören und sehen, wie stark ihre Sorgen über den angeschlagenen Euro sind", sagte ein japanischer Händler.

Auf die deutschen Länderpreise und Erzeugerpreise reagierte der Euro am Morgen nach Händlerangaben nicht. Die Verbraucherpreise sind in Hessen, Baden-Württemberg und Sachsen nach Angaben der jeweiligen Statistischen Landesämter im Oktober zurückgegangen. Die Erzeugerpreise erreichten im September dagegen mit einer Jahresrate von 4,3 (August 3,5) % den höchsten Stand seit achtzehn Jahren (Oktober 1982 4,6 %), teilte das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden mit. Im Monatsabstand verteuerten sich die gewerblichen Produkte um 0,9 Prozent nach 0,3 % im August. Von Reuters befragte Analysten hatten im Durchschnitt nur mit einer Jahresrate von 3,9 % und einem Monatsanstieg von 0,5 % gerechnet.

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