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Euro vor G20-Treffen in engen Kursspannen

Der Euro hat sich am Dienstag vor dem Treffen der G-20-Finanzminister und Notenbankchefs in Montreal angesichts anhaltender Spekulationen über erneute Interventionen in engen Kursspannen unterhalb der Marke von 0,84 $ behauptet.

rtr FRANKFURT. Der Euro hat sich am Dienstag vor dem Treffen der G-20-Finanzminister und Notenbankchefs in Montreal angesichts anhaltender Spekulationen über erneute Interventionen in engen Kursspannen unterhalb der Marke von 0,84 $ behauptet. Äußerungen des französischen Nationalbankpräsidenten Jean-Claude Trichet, seines britischen Amtskollegen Eddie George und von US-Finanzminister Lawrence Summers ignorierten die Marktteilnehmer nach Angaben von Händlern. Auch die im Tagesverlauf veröffentlichten Preisdaten aus Deutschland und das Herbstgutachten der Institute wirkten sich nicht auf die Kursentwicklung aus.

Gegen 18.10 Uhr MESZ notierte der Euro mit 0,8362/68 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte am Mittag in Frankfurt den Referenzkurs mit 0,8386 $ ermittelt. Die US-Valuta wurde mit 108,09/14 nach einem Schlusskurs am Vorabend von 108,20/30 Yen gehandelt.

Spekulationen über Zentralbank-Intervention

Händlern zufolge sorgt das G20-Treffen für anhaltende Spekulationen über neue Zentralbank-Interventionen zur Stützung des Euro. Dadurch würden zugleich, zumindest vorerst, massive Euro-Verkäufe verhindert. Viele Experten hielten es jedoch für unwahrscheinlich, dass sich die Finanzminister und Notenbanker in Montreal konkret zur Euro-Schwäche und möglichen Interventionen äußern werden. Am Montag hatte der deutsche Finanzstaatssekretär Caio Koch-Weser gesagt, es werde keine Erklärung der G20 zu Interventionen geben. Dennoch warteten die Akteure auf Hinweise zur Interventionspolitik der Notenbanken. Händler warnten jedoch, sollte es keine Signale für ein Eingreifen der Zentralbanken zur Stützung der Gemeinschaftswährung geben, könnte der Euro schon bald bis auf 0,80 $ absacken.

Vom Rückgang der deutschen Verbraucherpreise im Oktober konnte der Euro am Nachmittag Händlern zufolge nicht profitieren. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte fiel die die gesamtdeutsche Inflation nach vorläufigen Berechnungen im Oktober um 0,3 % gegenüber dem Vormonat nach plus 0,5 Prozent im September. Die Jahresteuerung verlangsamte sich den Angaben zufolge auf 2,3 % von 2,5 % im Vormonat.

Auch Äußerungen von Trichet, George und Summers lösten Händlern zufolge am Markt keine Reaktion aus. Trichet hatte nach einem Essen mit George in Paris gesagt, die EZB sei nicht uninteressiert am Außenwert des Euro. Die Notenbank verfüge über eine Strategie für einen soliden und stabilen Euro. Darüber hinaus zeigte sich Trichet überzeugt, dass ein Beitritt Großbritanniens zum Euro die europäischen Konjunkturzyklen stärker angleichen würde.

George hatte gesagt, die anhaltende Euro-Schwäche sei ein Rätsel. Wenn man die mittelfristigen wirtschaftlichen Fundamentaldaten betrachte, sei der Euro unterbewertet, das Pfund Sterling dagegen überbewertet. Die Euro-Zone und Großbritannien könnten nur versuchen, ihre wirtschaftliche Entwicklung in Einklang zu halten und zu hoffen, dass sich der Euro erholt. "Ich erwarte weiter, dass er das tun wird", sagte George.

Summers hatte vor der Presse in Washington bekräftigt, die US-Regierung befürworte weiterhin einen niedrigeren Ölpreis und einen starken Dollar. Moderatere Ölpreise seien im Interesse der Verbraucher- aber auch der Produzentenländer. Summers bekräftigte zudem die Position der USA, dass ein starker Dollar im Interesse der USA sei. In einem Interview des Fernsehsenders CNBC hatte er es zuvor angelehnt, den Erfolg der Intervention der G-7-Notenbanken zu Gunsten des Euro am 22. September zu kommentieren. Er sagte lediglich, Devisenmarkt-Interventionen seien ein Instrument wie viele andere in der Wirtschaftspolitik.

Euro-Schwäche nicht allein ein europäisches Problem

Analysten sagten dazu, die Schwäche des Euro habe mittlerweile weit reichende globale Auswirkungen und sei nicht allein ein europäisches Problem. Andrew Delano, Devisenexperte beim Haus Idea-Global, vertrat dazu die Auffassung, das US-Finanzministerium habe gezeigt, dass es ein Interesse an der Entwicklung des Euro habe. "Während sie (das US-Finanzministerium) sicher nicht bereit sind, von ihrem Standpunkt des starken Dollar abzuweichen, sind sie bereit Besorgnis über die globale Entwicklung zu äußern". Das halte den Markt in der Balance und habe offensichtlich den Euro leicht gestärkt, fügte Delano hinzu.

Der Verband der europäischen Arbeitgeber, Unice, machte unterdessen einen "alarmierenden" Mangel an politischer Führung verantwortlich für die Schwäche des Euro. Im Oktober-Bericht der Organisation schrieb deren Generalsekretär Dirk Hudig, Europa leide unter einem Mangel an essenziellen wirtschaftlichen und strukturellen Reformen. Ohne eine Änderung riskiere der Euro, längerfristig unterbewertet zu bleiben.

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