"Euro wird natürlichen Kurs finden"
Euro löst sich von Rekordtief

Reuters FRANKFURT. Der Euro hat sich am Dienstag nach Äußerungen von EU-Währungskommissar Pedro Solbes deutlich von seinen neuerlichen Rekordtiefständen lösen können. Gegen 11.45 Uhr notierte die Gemeinschaftswährung im europäischen Handel bei 0,8613/18 $.

Solbes sagte vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europaparlaments, niemand in der Euro- Zone habe ein Interesse an einem schwachen Euro. Der Euro werde wieder zu einem "natürlichen Kurs" finden. Händler bewerteten die Kurserholung aber nur als Verschnaufpause auf dem Weg zu neuen Tiefständen. Der Markt wolle wissen, wann die Europäische Zentralbank (EZB) zu Stützungskäufen bereit sei. EZB-Chef Wim Duisenberg wollte sich am Nachmittag vor dem EU-Ausschuss äußern. EU-Kommissionspräsident Romano Prodi nannte unterdessen gemeinsame Interventionen der EZB und der Notenbanken der USA und Japans als im US-Interesse liegend.

Der Euro hatte am Morgen (MESZ) im Handel in Fernost historische Tiefs von 0,8560 $ und 90,79 Yen erreicht. Händler erklärten, von der Rede Duisenbergs werde Aufschluss über die Bereitschaft der EZB zur Verteidigung des Euros erwartet. Leicht belastend hätten sich die unter den Erwartungen gebliebenen deutschen Handelsbilanzdaten ausgewirkt.

Solbes bekräftigte vor dem Währungsausschuss des Europaparlaments in Brüssel, es könne nicht gleichzeitig einen starken $ und einen starken Euro geben. Dies müsse bedacht werden, wenn über einen starken Euro gesprochen werde. Mit der Erwartung eines stärkerem Euros rede er aber nicht einem "starker Euro, schwacher $ Szenario" das Wort. Trotz der hohen Ölpreise, gehe die Euro-Zone einer Phase des robusten und langfristigen Wachstums entgegen, sagte Solbes. "Niemand will einen schwachen Euro. Darüber hinaus gibt es kein Argument, dass einen schwachen Euro rechtfertigen könnte", sagte Solbes.

Prodi sagte in einem am Dienstag vorab veröffentlichten Interview mit dem Magazin "Stern", gemeinsame Interventionen von Notenbanken seien nie einfach, "erst recht nicht kurz vor US-Wahlen". "Obwohl wir jetzt an einem Punkt sind, wo es im amerikanischen Interesse wäre." Niemand könne ewig mit einem solch hohen Leistungsbilanzdefitzit leben, sagte Prodi dem Interviewtext zufolge. Auf die Frage, ob er noch mit weiter sinkenden Kursen des Euro rechne, sagte Prodi, er habe sich auch den gegenwärtigen Kurs nicht vorstellen können. Prodi verwies auf die guten Fundamentaldaten in der Euro-Zone. Den Außenwert des Euro bezeichnete er als "enttäuschend" niedrig, obwohl die EZB gut funktioniere. Eine Ursache liege in der fehlenden gemeinsamen europäischen Wirtschaftspolitik. "Das hat ganz sicher Einfluss aus den Euro-Kurs." Nötig wäre eine "institutionalisierte gemeinsame Wirtschaftspolitik, die die EZB stützt". "Ich bin glücklich, dass die Bank unabhängig ist - aber ihr fehlt der politische Partner für den Dialog", sagte Prodi.

Händler bezeichneten die Aussichten für den Euro am Dienstag als negativ. Niemand am Markt rechne derzeit mit einer spürbaren Korrektur des Kurses nach oben. Dies könnte lediglich durch entschiedenes Handeln der EZB geschehen, indem diese ihre Bereitschaft zur Verteidigung der Gemeinschaftswährung unter Beweis stelle. Mit Spannung sehe der Markt deshalb der Rede Duisenbergs um 15.00 Uhr MESZ. Volkswirte der HypoVereinsbank sagten dazu in einem Marktkommentar, niemand erwarte von Duisenberg die Ankündigung bevorstehender Interventionen. Andererseits dürfe er aber nicht das kleinste Anzeichen, das als Gleichgültigkeit in Bezug auf den Euro ausgelegt werden könnte, erwecken, um nicht wieder den Weg nach unten freizumachen. Bleibe insgesamt die verbale Unterstützung aus der Euro-Zone stark und kämen Interventionen hinzu, dann könnten bald wieder Kurse um 0,90 $ erreicht werden. Bröckele jedoch die Front und blieben Interventionen aus, heiße das nächste Kursziel 0,80 $, sagten Analysten.

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