Euro würde ebenfalls profitieren
Investoren hoffen auf weitere Zins-Senkung

Wie geht es weiter mit den Eurozinsen? Weiter nach unten, glaubt so mancher Aktienstratege und setzt weiter auf Branchen wie Chemie oder Maschinenbau, die von weiter fallenden Sätzen profitieren würden. Positive Auswirkungen hätte eine weitere Senkung auch auf den Euro und Unternehmensanleihen.

FRANKFURT. Für den Geldmarkt ist die Sache klar: Die Zinssenkung durch die Europäische Zentralbank (EZB) vergangenen Donnerstag war die letzte im derzeitigen Konjunkturzyklus. In den Sätzen der Banken im Handel mit kurzfristiger Liquididät ist keine Erwartung mehr für eine weitere Senkung enthalten. Einige Analysten und viele Investoren an den Renten- und Devisenmärkten sehen das allerdings anders. Sie hoffen auf weitere EZB-Zinsschnitte und treffen bereits entsprechende Anlageentscheidungen.

Der Grundsatz ist bekannt: "Buy on the rumor, sell on the news". Diesem Schema sind die Investoren auch bei der jüngsten Zinssenkung gefolgt. Das Gerücht (rumor) bzw. die Erwartung fallender Zinsen hatte die Aktienmärkte und den Euro noch beflügelt. Als aber die Nachricht (news) am Donnerstag bekannt gegeben wurde, legten die Aktienmärkte weltweit den Rückwärtsgang ein und der Euro gab etwas nach.

Doch das sollte sich bald wieder ändern, sagt Rolf Elgeti, Chefstratege der Commerzbank für Europa. "Wir setzen weiter auf zyklische Branchen, die bei fallenden Zinsen am meisten profitieren werden", sagt Elgeti. Er weist darauf hin, dass Zykliker - also Aktien von Chemiekonzernen, Industriefirmen und Basismaterialien - in der Woche vor der Zinsentscheidung zu den Börsengewinnern zählten. Auch für die nahe Zukunft sieht Elgeti hier die größten Gewinnchancen.

Die EZB-Entscheidung beeinflusst jedoch nicht nur die Aktienmärkte. Äußerst positiv sei die gelockerte Geldpolitik für Unternehmensanleihen, betont Julian Callow, Chefvolkswirt der Investmentbank Credit Suisse First Boston. "Die EZB hat verstanden, dass die Investitionsschiene der wichtigste Wirkungsmechanismus der Geldpolitik ist und dass es darauf ankommt, die langfristigen Kreditzinsen herunter zu bringen, um eine Konjunkturerholung einzuleiten", argumentiert Callow.

Damit die Unternehmen sich günstiger am Kapitalmarkt finanzieren können, müssen die Renditen von Unternehmensanleihen sinken - was im Gegenzug steigende Kurse bedeutet. Auch wenn Callow keine weitere Zinssenkung erwartet, geht er dennoch davon aus, dass sich das Umfeld für Unternehmensanleihen sich im Zuge des Durchwirkens der jüngsten Zinssenkung verbessert.

An den Devisenmärkten rechnen nach Einschätzung von Martin Wiedmann, Managing Director Währungen bei UBS Warburg in London, viele Akteure noch mit weiteren Zinssenkungen in Europa, nicht aber in den USA. Wiedmann gehört dazu. Er rechnet sogar noch mit zwei weiteren Zinssenkungen im ersten Halbjahr 2003. "Die positive Wirkung auf das Wachstum dürfte stärker auf den Devisenmarkt durchschlagen, als die sinkende Zinsdifferenz", meint Wiedmann. Der Euro werde daher weiter zulegen. "Umgekehrt wird der stärkere Euro der EZB weitere Zinssenkung erleichtern", sagt der Währungsexperte.

Dieter Wermuth von der japanischen UFJ weist zudem darauf hin, dass es nach der Zinssenkung keinen Ausverkauf bei lang laufenden Anleihen gegeben habe. Im Gegenteil: die Renditen gaben sogar weiter nach, die Kurse legten zu. Ein solcher sei Ausverkauf aber typisch, wenn der Bondmarkt in einem Zinsschritt den letzten des Zyklus auszumachen glaubt. Daraus folgert Wermuth, dass die Investoren am Anleihemarkt mit weiteren Schritten rechnen. Wermuth schließt sich dieser Erwartung an. Die konjunkturellen Perspektiven stellen sich seiner Ansicht nach derzeit viel zu ungünstig dar, um eine weitere Zinssenkung sicher ausschließen zu können.

Daraus schließt Wermuth aber auch, dass der europäische Aktienmarkt nicht vor einer Hausse steht. Diese gebe es normalerweise erst nach der letzten Zinssenkung im Konjunkturzyklus.

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