Eurobonds im Wert von 50 Milliarden Dollar gefährdet
Argentiniens Bankrott trifft Privatanleger

Besitzer von Euroanleihen bekommen die Folgen der Finanzkrise in Argentinien zu spüren. Es steht der größte Zahlungsausfall in der Geschichte bevor.

ang/cü/HB BUENOS AIRES/FRANKFURT. In D-Mark und Euro ausgegebene Anleihen sind nach Einschätzung von Experten mit über 20 Mrd. Euro betroffen. "Insgesamt hat Argentinien Eurobonds in verschiedenen Währungen über etwa 45 Mrd. bis 50 Mrd. Dollar ausstehen", sagt Nikolas Schlotthauer, Rentenexperte der DGZ-Deka-Bank. Offiziell geriet das Land am Freitag in Zahlungsverzug, als es die Zinsen über 28 Mill. Dollar auf eine in italienische Lira ausgegebene Anleihe nicht zahlte. Verluste werden vor allem Privatanleger verbuchen. Institutionelle Investoren hatten sich schon vor einiger Zeit von einem Großteil ihrer Argentinien-Anleihen getrennt. Die Ratingagentur Standard & Poor?s hatte schon im Oktober angekündigt, das Land als teilweisen Ausfall einzustufen. Argentinien hatte Ende Dezember offiziell erklärt, dass es seine Auslandsverbindlichkeiten vorerst nicht mehr bedienen werde.

Nach dem einmaligen Zahlungsausfall können jetzt alle Besitzer von argentinischen Eurobonds verlangen, dass sie ihre Anleihen zum Nennwert zurückgezahlt bekommen. Dies sei jedoch nur ein theoretisches Konstrukt, sagt Mauro Toldo von der DZ Bank. Wegen der Zahlungsunfähigkeit hätten solche Klagen wenig Aussicht auf Erfolg. Stattdessen wird jetzt ein Umschuldungsangebot der Regierung erwartet. Bis dieses konkret werde, könne es jedoch noch Monate dauern.

Bereits im November hatte die argentinische Regierung für inländische Gläubiger Anleihen im Wert von 55 Mrd. Dollar umgeschuldet. Dabei wurden die Zinsscheine gekürzt und die Laufzeiten verlängert. Die Besitzer von Eurobonds werden schlechter gestellt. Sie müssen laut Experten auch eine Reduzierung des Nennwerts ihrer Bonds hinnehmen. Toldo rechnet mit einem Abschlag von 30 %, Schlotthauer hält eine Reduzierung von 50 % "für fast schon zu optimistisch". Die Anleihenmärkte reagierten nicht auf den offiziellen Zahlungsverzug Argentiniens. Die richtungweisende Dollar-Anleihe legte sogar leicht zu und notierte bei etwa 30 % des Nennwertes.

Der argentinische Kongress billigte in der Nacht zum Samstag ein Gesetzespaket, das dem Präsidenten Eduardo Duhalde umfassende Sondervollmachten zur Sanierung der Wirtschaft und des Währungssystems zubilligt. Damit machte das Abgeordnetenhaus den Weg frei für eine Abwertung des überbewerteten Pesos.

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