Europa-Chairman und der europäische Aktienchef gehen
CSFB will Online-Handel abstoßen

In mageren Zeiten hat bei Credit Suisse First Boston die Rückbesinnung auf das Kerngeschäft begonnen. Als erstes steigt die Investmentbank offenbar aus dem Online-Geschäft aus.

NEW YORK. Wenige Tage, nachdem der Europachef John Nelson seinen Rücktritt angekündigt hat, verlässt nun auch der Leiter des europäischen Aktiengeschäfts, Martin Newson, die Investmentbank Credit Suisse First Boston (CSFB). In CSFB-Kreisen ist zu hören, die beiden Topmanager seien mit dem Umstrukturierungskonzept des neuen Vorstandschefs John Mack nicht einverstanden. Mack, ehemals Morgan-Stanley-Präsident, gesteht seinem Führungsteam offenbar weniger Freiheiten zu als sein Vorgänger Alan Wheat, den er im Sommer abgelöst hatte.

Das überrascht nicht: Mack hat die klare Aufgabe, die Ausgaben zurückzufahren, die unter seinem Vorgänger Wheat ausgeufert waren, und alle Führungskräfte in eine einheitliche Unternehmenskultur einzuordnen. Rund 3 000 Mitarbeiter sind in diesem Jahr bereits entlassen worden, weitere 2 000 sollen in den kommenden Wochen folgen. Doch nicht nur die Kostenseite ist alarmierend - auch auf der Einnahmenseite sieht es nicht gut aus: Im dritten Quartal dürfte CSFB nach Markterwartungen einen Verlust von rund 134 Mill. Euro gemacht haben.

Unter dem Kostendruck besinnt sich der neue Chef auf das Kerngeschäft. Der Online-Handel für Privatanleger gehört nicht dazu. Erst vor einem Jahr war CSFB in dieses Geschäft eingestiegen, und nun steht offenbar der Wiederausstieg bevor. Der erste Schnitt dürfte in Europa angesetzt werden, wo CSFB nach Informationen des Wall Street Journal die Online-Tochter DLJdirect verkaufen will. Hierfür könnte CSFB nach den Informationen 5 bis 10 Mill. $ erzielen. Drei Finanzhäuser sollen bereits Offerten abgegeben haben. Eine CSFB-Sprecherin wollte sich zu einem möglichen Verkauf nicht äußern.

Der Einstieg in den Onlinehandel war im November vergangenen Jahres mit der Übernahme des US-Investmenthauses Donaldson, Lufkin & Jenrette (DLJ) erfolgt. Dessen Online-Tochter DLJdirect wurde in CSFBdirect umbenannt, in Europa firmiert das Onlinegeschäft unter DLJdirect Ltd.

Die 13 Mrd. $ teure DLJ-Akquisition im November war von Anfang an auf Skepsis bei Analysten und Investoren gestoßen und wird inzwischen von vielen als Fehlinvestition betrachtet. Der Kaufpreis gilt als zu hoch - er kam zu einem Zeitpunkt zustande, als auf dem Aktienmarkt Höchstkurse regierten. Außerdem trieben die Treueprämien, die CSFB den DLJ-Bankern zahlte, die Kosten in die Höhe, was nicht zuletzt im Juli zu Wheats Entlassung führte. Befürworter der Fusion sagen allerdings, CSFB habe in wichtigen Anleihegeschäften Bedeutung gewonnen.

Der Online-Handel für Privatanleger aber war unbekanntes Territorium für CSFB und ist für die eigentliche Zielgruppe des Hauses - institutionelle und vermögende Investoren - uninteressant. CSFB investierte weitere 40 Mill. $ in die Onlinetochter und kaufte Anfang dieses Jahres auch die DLJdirect-Aktien zurück, die 1999 als Tracking Stocks emittiert worden waren - als der Online-Handel boomte und Anleger hungrig nach Investitionsmöglichkeiten in dieser Branche griffen.

Seitdem hat sich die Lage dramatisch verschlechtert. Kleinanleger haben das Interesse an Aktien verloren, der Onlinehandel ist eingebrochen. Nach Informationen des Wall Street Journal soll nach der europäischen DLJdirect auch die deutlich größere CSFBdirect verkauft werden. Ein CSFB-Sprecher wollte sich hierzu nicht äußern.

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