Europa hängt am Tropf
Kommentar: Deutschland bleibt das Schlusslicht

Amerika, du hast es besser - zumindest ökonomisch. Wohl wahr: Der Konjunktureinbruch nach der großen New-Economy-Euphorie war für die USA nicht weniger dramatisch als für Europa. Die Terroranschläge vom 11. September trafen erst recht kein Land so hart und unmittelbar. Und doch scheint es schon wieder, als könne ein weiteres Mal die US-Wirtschaft die weltweit lahmende Konjunktur in Schwung bringen.

Jedenfalls kommt der Aufschwung in den Vereinigten Staaten offenbar früher als erwartet. Alles deutet darauf hin, dass der Tiefpunkt bereits Ende des vergangenen Jahres erreicht war. Die Ökonomen beginnen bereits, ihre zunächst noch skeptischen Wachstumsprognosen nach oben zu korrigieren; der Reigen der Abwärtsrevisionen ist vorbei. So weit sind die Europäer, erst recht die Deutschen, noch nicht. Und vor allem: Wo sich hier zu Lande günstige Konjunktursignale mehren, liegt das in erster Linie - eben - am Hoffnungsfaktor USA.

Noch bleibt allerhand Anlass zur Vorsicht. Diesseits wie jenseits des Atlantiks gründet sich der aufkeimende Konjunktur-Optimismus bisher auf positive Stimmungsindikatoren - Umfragen unter Einkaufsmanagern und Verbrauchern. Auch in den USA wird die reale Wirtschaft noch einlösen müssen, was die Indikatoren verheißen.

Dennoch bleibt ein bemerkenswerter Zeit- und Vertrauensvorsprung, den die US-Konjunktur für sich verbuchen kann. Eine zentrale Erklärung dafür liegt in der großen Flexibilität, welche die weltgrößte Volkswirtschaft ihren Unternehmen und Arbeitskräften bietet. In Deutschland gibt selbst das Plus an Aufträgen im Dezember keinen Anlass zu besonderem Optimismus. Solange hohe Sozialabgaben, ineffiziente Sozialsysteme und bedrohliche Lohnforderungen der Gewerkschaften die Lage am Standort prägen, werden sich die Deutschen mit einem Platz am Ende der europäischen Konjunkturskala abfinden müssen.

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