Europa-Routen nicht einmal zur Hälfte ausgelastet
Swiss korrigiert erneut ihren Kurs

Die Schweiz leistet sich mit der Swiss eine Fluggesellschaft, die in der Branche als deutlich überdimensioniert gilt. Die Geschäfte laufen schlecht, die Aussichten sind deprimierend. Jetzt soll abgespeckt werden.

ebe DÜSSELDORF. Es herrscht helle Aufregung am Schweizer Himmel - wieder einmal. Die junge nationale Fluggesellschaft Swiss, Nachfolgerin der bankrotten Swissair, steht vor Entlassungen und will der Öffentlichkeit heute ein neues Sparprogramm verkünden. Dass die Swiss laut Medienspekulationen bald 800 Arbeitsplätze abbauen und 15 Flugzeuge stilllegen will, hat das Unternehmen am Montag zwar dementiert. Die Gewerkschaften indes fürchten, dass alles noch viel schlimmer kommt. Die Pilotenvereinigung Swiss Pilots bezeichnete intern vorgestellte Szenarien für einen eventuellen Irak-Krieg als "kleine Vorbereitung auf einen großen Stellenabbau".

Dass die Swiss wegen deprimierend schwacher Buchungen auf vielen Europa-Routen ihr kontinentales Netzwerk deutlich zusammenstreichen wird, gilt in der Branche als sicher. Nach Firmenangaben sank die Auslastung im vierten Quartal 2002 von 50,7 % im Vorquartal noch einmal auf 46,1 %. Handelsblatt-Informationen zufolge sollen nun in erster Linie Routen nach Frankreich und Spanien auf der Streichliste stehen.

Sollten die Schweizer aber auch Kürzungen im Langstreckengeschäft vornehmen, erwarten die zerstrittenen Gewerkschaften die Entlassung von 2 000 und mehr Mitarbeitern. Branchenexperten halten einen derartigen Schritt sogar für unausweichlich: "Die Swiss wird in Kürze ihr interkontinentales Netz ausdünnen müssen", sagt Uwe Weinreich, Luftfahrtanalyst der Hypo-Vereinsbank. "Von den 26 Langstreckenjets haben vielleicht zwölf eine Existenzberechtigung."

An Mahnern hat es dem Swiss-Management von Beginn an nicht gefehlt: Die Operation sei deutlich überdimensioniert, monieren zahlreiche Konkurrenten seit dem Erstflug der Swiss im Vorjahr. Die Deutsche Lufthansa rechnet immer wieder vor, sie müsste ihren Langstreckenbetrieb etwa vervierfachen, um im Verhältnis zum eigenen Heimatmarkt auf eine vergleichbare Operation zu kommen.

Angesichts des widrigen Umfelds für Fluggesellschaften haben große Europa-Carrier wie Lufthansa oder Air France bereits in den Vorwochen einschneidende Sparmaßnahmen verkündet: Lufthansa zieht bis zum Sommer 31 Flugzeuge aus dem Verkehr, hinzu kommen 15 Maschinen von Regionalpartnern.

Swiss hatte im November 2002 ein erstes Kostensenkungsprogramm von 400 Mill. sfr und eine Flottenreduzierung um acht auf 124 Flugzeuge angekündigt. Bei einem Umsatz von 3,1 Mrd. sfr hat das Unternehmen 2002 nach drei Quartalen 582 Mill. sfr Anlaufverluste angehäuft. Für das vierte Quartal 2002 erwarten Branchenexperten eine deutliche Verschlechterung des Ergebnisses.

Die Gewerkschaft des Swiss-Bodenpersonals hat für den Fall eines Stellenabbaus einen akzeptablen Sozialplan gefordert.

Quelle: Handelsblatt

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