Europa- und Nahostreise
Obama verteidigt Werbetour

Nach der Rückkehr von seiner Europa- und Nahostreise ist der demokratische US-Präsidentschaftsbewerber Barack Obama von scharfer Kritik aus dem gegnerischen Lager empfangen worden. Während ein Sprecher von John McCain die Berlinrede als Inszenierung bei „kriecherischen Deutschen“ geißelte, verwies Obama auf die Notwendigkeit effektiver Beziehungen.

WASHINGTON. Statt bei seinem Deutschlandbesuch verwundete US-Soldaten zu besuchen, habe sich der schwarze Senator „an seine Planung gehalten und internationale Spitzenpolitiker und kriecherische Deutsche getroffen“, sagte Tucker Bounds, Sprecher des republikanischen Bewerbers John McCain, dem US-Magazin „The Nation“. Die abgesagte Visite im US-Militärkrankenhaus Landstuhl und auf dem US-Militärflugplatz Ramstein seien Zeichen für Obamas fehlende Erfahrung und mangelndes Urteilsvermögen.

Kritik, er habe seine Auslandsreise wie eine „vorzeitige Siegerrunde“ absolviert, wies Obama zurück. Die 200 000 Zuhörer in Berlin hätten gezeigt, dass Europa nach weltpolitischer Führung durch die USA „hungere“, sagte der Senator aus Illinois nach seiner Rückkehr in Chicago. Allerdings äußerte er vorsichtige Zweifel, ob er mit seiner Reise auch innenpolitisch Sympathiepunkte sammeln konnte: „Ich bin mir nicht sicher, dass das sofort eine politische Wirkung haben wird“, sagte er. „Ich wäre sogar nicht mal überrascht, wenn ein paar Umfragen niedriger ausfallen sollten. Immerhin waren wir eine ganze Woche nicht im Land.“

Genau in diese Kerbe schlug sein konservativer Rivale McCain: Bei all den Reden, die der demokratische Bewerber „an die Völker der Welt“ gerichtet habe, fühle er sich „ein bisschen außen vor gelassen“, sagte McCain in einer Rundfunkansprache. Und an die US-Bürger gewandt fügte er an: „Vielleicht geht es Ihnen genauso.“ McCain schaltete einen TV-Spot, in dem Obama kritisiert wurde, weil er in Berlin Zeit für den Besuch eines Fitnesscenters gehabt habe, nicht aber für verwundete Soldaten.

Obama hatte vergangene Woche neben Deutschland auch den Irak, Afghanistan, Israel, Jordanien, Frankreich und Großbritannien besucht. Er wies Vorwürfe zurück, er habe seine Tour zu stark für seinen Wahlkampf instrumentalisiert. Es sei Teil des von ihm angestrebten Jobs eines US-Präsidenten, „effektive Beziehungen mit unseren Verbündeten zu schaffen“, sagte er am Samstag in London nach einer Unterredung mit dem britischen Premier Gordon Brown. Im Übrigen habe ihm McCain ja selbst empfohlen, sich im Ausland umzuschauen: „Ich erachte diese Reise für wichtig, weil ich überzeugt bin, dass wir zu Hause mit Problemen konfrontiert sind, die wir ohne starke Partner im Ausland nicht effektiv genug lösen können.“

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