Europa-Währung soll Konjunktur beflügeln: Euro weckt neuen Optimismus

Europa-Währung soll Konjunktur beflügeln
Euro weckt neuen Optimismus

Pannen blieben die Ausnahme: Banken und Sparkassen, Bahn und Tankstellen haben in der Silvesternacht erfolgreich von DM auf Euro umgestellt. Viele Bürger standen Schlange, um das neue Geld zu bekommen.

ebo/hjk/jh/dpa FRANKFURT/M. Die Einführung des Euro-Bargelds kann für die schwächelnde europäische Wirtschaft wie ein Konjunkturprogramm wirken. Darauf haben führende Politiker wie Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) und EU-Kommissionspräsident Romano Prodi sowie der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Wim Duisenberg, anläßlich der gestrigen Währungsumstellung hingewiesen. Europaweit hoben Politiker die historische Dimension der Euro-Einführung hervor.

Eichel sagte in Berlin, "mit dem Euro gehen Deregulierung und Liberalisierung einher". Das neue Geld werde den Wettbewerbsdruck erhöhen, vor allem durch die jetzt in ganz Europa herrschende Preistransparenz. Duisenberg sagte in Fankfurt für 2002 ein Anziehen der Euroland-Konjunktur voraus. Ob der Euro einen Wachstumsschub von einem Prozentpunkt bringe, wie dies Wissenschaftler prognostizierten, könne er zwar nicht sagen, meinte Duisenberg: "Aber selbst wenn es nur die Hälfte wäre, dann wäre das schon ein beachtlicher Betrag."

Auch Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) gab sich in seiner Neujahrsansprache optimistisch. Mit dem Euro beginne eine Zeit, sagte Schröder, von der die Menschen in Europa Jahrhunderte lang geträumt hätten. Mit der DM sei die Erinnerung an gute Zeiten der Bundesrepublik verbunden. "Aber Sie können sicher sein: noch bessere stehen bevor."

EU-Kommissionschef Romano Prodi bezeichnete die Euro-Einführung als "radikalen Wandel in der europäischen Geschichte". Europa werde mit der Gemeinschaftswährung "sehr viel stärker und wichtiger" werden. Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac betonte: "Der Euro ist kein Selbstzweck. Er bedeutet für uns mehr Wachstum, mehr Beschäftigung, mehr Kaufkraft und mehr Austausch." In Telefongesprächen mit Schröder und seinem Vorgänger Helmut Kohl bezeichnete Chirac die neue Währung zudem als Fortschritt für Europa und einen Erfolg der deutsch-französischen Zusammenarbeit.

Nach Angaben von EZB, EU-Kommission sowie Banken und Sparkassen ist der Start des Euro-Bargelds gestern weitgehend störungsfrei verlaufen. Für über 300 Mill. Menschen in zwölf EU-Ländern ist der Euro jetzt gesetzliches Zahlungsmittel. Millionen Bürger von Sizilien bis Lappland feierten auf rauschenden Partys und mit prächtigen Feuerwerken den Aufbruch in das neue Währungszeitalter.

In Deutschland gaben viele Geldautomaten bereits kurz nach Mitternacht Euro-Scheine aus. Vor allem in Großstädten bildeten sich noch in der Nacht Schlangen vor den Geldautomaten. Hunderte Bankfilialen öffneten am Neujahrstag ihre Schalter. Der Andrang der Bürger, die das neue Geld in Händen halten wollten, war etwa bei den rund 300 geöffneten Sparkassen groß, erklärte der Sparkassenverband DSGV. Die EZB erklärte, gestern sollten 90 Prozent der deutschen Geldautomaten nur noch Euro-Noten ausgeben.

Der Sprecher des Hauptverbands des Deutschen Einzelhandels (HDE), Hubertus Pellengahr, sagte, "die gute Vorbereitung des Handels hat sich ausgezahlt". Der HDE sei sich sicher, "dass das am Mittwoch im gesamten Einzelhandel genauso unproblematisch laufen wird wie heute".

Der Euro setzte auch bereits Akzente im Straßenbild. Die neuen Tankstellenpreise mit einer Null vor dem Komma erinnern an die achtziger Jahre, als Benzin noch weniger als eine DM gekostet habe. Doch die jetzt verlangten Euro-Preise liegen im Trend der letzten D-Mark-Beträge: So kostete ein Liter Benzin an einer Hamburger Esso-Tankstelle beispielsweise 0,87 Euro oder zurückgerechnet 1,70 DM, inklusive 3,6 Cent (sieben Pfennig) aus der weiteren Stufe der Öko-Steuer. Sie wurde in der Silvesternacht draufgesattelt, als tausende Stationen auf Euro-fähige Computersysteme umgestellt werden mussten.

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