Europachef von Hewlett-Packard
Kasper Rorsted: Der Handlungsreisende

Er ist erst 40 Jahre alt und hat einen der aufregendsten Jobs in der IT-Industrie. Rorsted soll die umstrittene Fusion von Compaq und Hewlett-Packard in Europa vorantreiben.

BÖBLINGEN. Wieder kommt er aus einer Präsentation. Wieder hat er Mitarbeitern erzählt, was der Zusammenschluss der beiden Computerkonzerne Hewlett-Packard (HP) und Compaq für sie bedeutet. Die Deutschland-Zentrale von HP in Böblingen bei Stuttgart ist nur eine Station von vielen auf der Europa-Tournee des Kasper Rorsted. Der Däne mit der sportlichen Figur ist momentan eine Art Handlungsreisender. Er ist nur in Taxis, Flugzeugen, Hotels und Konferenzräumen unterwegs - 14 Länder in 14 Tagen lautet seine stolze Bilanz.

Rorsted hat seit diesem Mai einen der anstrengendsten Jobs in der IT-Industrie. Er soll die Teams der frisch fusionierten Computerkonzerne in den Regionen Europa, Mittlerer Osten und Afrika auf einen Nenner bringen. Gegenüber der Konzernchefin Carly Fiorina verantwortet er mehr als ein Drittel des Umsatzes des zweitgrößten IT-Konzerns der Welt - in Zahlen: 27 Milliarden Dollar und 45 000 Mitarbeiter.

Das sind ein paar Hausnummern mehr als in seinem vorherigen Job als Europachef des texanischen Computerbauers Compaq. Doch der Däne gibt sich gelassen. "Normalerweise schlafe ich sehr gut", sagt der gerade einmal 40 Jahre alte Rorsted im Böblinger Konferenzraum und lächelt. Der Mann, der Dänisch, Schwedisch, Englisch und Deutsch spricht, macht sich aber im Hinblick auf die nächsten Monate nichts vor. Wenn es zu Fehlentscheidungen kommt, "müssen wir den Mut aufbringen, Fehler zu korrigieren", sagt er und wählt seine Worte wie immer ruhig und sehr überlegt.

Ohnehin kommt ihm auffällig oft das Wörtchen "wir" über die Lippen. "Unternehmen dieser Größe" sind seiner Überzeugung nach "heute nur noch in Teamarbeit zu führen". So hat er einen Managementstab von 17 Mitarbeitern um sich geschart, mit denen er die Geschicke der "neuen HP" in seiner Region lenken will.

"Eine meiner Hauptaufgaben ist es zurzeit, den Menschen im Unternehmen und außerhalb zu erklären, wofür der neue Konzern steht", erläutert Rorsted. Der Klärungsbedarf ist groß. Die Kunden wollen Klarheit über die Produkte und die Sicherheit, dass ihre bisherigen IT-Investitionen nicht wertlos werden. Partnerfirmen wollen wissen, auf welche Technologien HP setzen wird, um sich darauf einzustellen.

Den Mitarbeitern muss er erklären, wie sicher ihr Arbeitsplatz ist. Jede zehnte Stelle, so lautet die Ansage aus der Konzernzentrale in den USA, wird bis Ende nächsten Jahres abgebaut. Noch sei überhaupt nicht klar, wo und in welchem Umfang es Europa treffen werde, versichert Rorsted zwar. Doch er lässt keinen Zweifel daran aufkommen, dass es ebenso zu seinen Aufgaben gehört, "solche Maßnahmen umzusetzen. Das ist eben die Kehrseite meines Jobs", merkt er nüchtern an. Außerdem muss er sich erst einmal selbst verkaufen. Das dürfte dem erfahrenen Marketing- und Vertriebsprofi sicherlich leicht fallen. Aber er hat ein Handikap. Rorsted kommt von Compaq, dem kleineren der beiden Fusionspartner. So ist er bei den meisten Mitarbeitern, die von HP kommen, noch wenig bekannt. Eventuelle Vorbehalte will er mit seinem Reisemarathon entkräften.

Da bleibt für sein Privatleben kaum Zeit. Zumindest die Wochenenden versucht er möglichst für seine Frau und seine drei Kinder frei zu halten, mit denen er in München lebt, obwohl sein Schreibtisch in der Compaq-Europazentrale in Zürich steht. "Ich bestreite keine Sekunde, dass es für meine Familie besser wäre, wenn ich öfter nach Hause kommen könnte", räumt er ein. Aber", fügt er hinzu, "ich habe mich bewusst für diesen Weg entschieden" - und macht sich auf zum Flughafen.

Quelle: Handelsblatt

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