Europachef will Marktanteil deutlich ausbauen
Modemarke Esprit wächst gegen den Trend

Für das Bekleidungsunternehmen Esprit scheint es die Krise in der Modebranche nicht zu geben. Das Unternehmen will auch auf dem deutschen Markt jährlich um 20 Prozent wachsen, zu Lasten der kleinen Hersteller und Einzelhändler. Europachef Krogner erwartet fallende Preise - und zahlreiche Insolvenzen unter den Mittelständlern.

DÜSSELDORF. Der Bekleidungskonzern Esprit entwickelt sich gegen den Abwärtstrend in der Textilbranche. Im abgelaufenen Geschäftsjahr (30.6.) habe das Modeunternehmen sein "bestes Jahr seit Bestehen der Firma" gehabt, sagte Heinz Krogner, Vorstandsvorsitzender der Esprit Europe GmbH, dem Handelsblatt. Die genauen Zahlen veröffentlicht der Konzern, der seinen Hauptsitz in Hongkong hat, Anfang September. Bereits im vergangenen Jahr erzielte Esprit bei einem Umsatz von 8,1 Mrd. HK-Dollar (1,06 Mrd. Euro) ein Plus von 11 %. Das Betriebsergebnis (4 Mrd. HK-$ bzw. 153 Mill. Euro) legte um 29 % zu.

Selbst das deutsche Geschäft läuft nach Aussagen von Krogner prächtig. Während die Branche im ersten Halbjahr 5 % weniger Umsatz gemacht hat, peilt der Unternehmenschef ein jährliches Plus von 20 % an. "Diesen Plan verfolge ich weiter", sagte Krogner. Esprit verkauft in erster Linie Mode für junge Frauen und Männer. In den vergangenen Jahren kamen Produkte wie Schuhe, Uhren, Sonnenbrillen, Porzellan und Kosmetik hinzu.

Experten halten die Wachstumspläne des Unternehmens durchaus für realistisch. "Esprit hat wenig Schwankungen in seinen Kollektionen. Sie haben in den letzten Saisons eine gute Gewichtung zwischen Basisartikeln und modischen Spitzen hinbekommen", sagt Gudrun Allstädt von der Fachzeitschrift Textilwirtschaft. Hinzu komme, dass der Hersteller über seine eigenen Stores und Kooperationen mit Einzelhändlern zahlreiche gesicherte Vertriebsstellen habe. Alleine in Deutschland verkauft Esprit seine Ware in 73 eigenen Geschäften und arbeitet mit 1 050 Vertriebspartnern zusammen. Europaweit sind es 1 320 Geschäfte, die 44 % des Umsatzes ausmachen.

Der Europa-Chef will den Marktanteil von 2 % in Deutschland, dem wichtigsten Geschäft des Konzerns, deutlich steigern. Von der gegenwärtigen Krise in der Textilwirtschaft erwartet er den notwendigen Rückenwind. "Die aktuellen Insolvenzen beschleunigen den Veränderungsprozess", sagt Krogner. Es gebe noch gut und gerne 1 500 - meist kleinere - Hersteller, die vor der Pleite stünden. Im laufenden Monat hatten beispielsweise die Ipuri GmbH sowie die Vertriebsgesellschaft der Marke Cinque Insolvenz angemeldet.

Um sich weiter zu behaupten, will Esprit die Preise einzelner Sortimente deutlich senken. "Die Preise werden in der gesamten Branche fallen", prophezeit der Vorstandschef. Nur auf diese Weise sei das Überangebot an Kleidung in Deutschland zu reduzieren. Krogner erwartet daher auch für die unabhängigen Einzelhändler der Branche eine Massenpleite. "Wenn ein Geschäft mit bis zu 40 Lieferanten verhandeln muss, ist es doch ganz klar, dass er sich verzettelt." Der Branchenverband BTE geht davon aus, dass jährlich 1 600 Geschäfte mit Bekleidungssortimenten schließen müssen.

Nach Krogners Ansicht liegt die Chance für kleine Händler darin, sich auf eine Marke zu spezialisieren. Die erfolgreiche Zusammenarbeit mit rund 150 Esprit-Franchisenehmern habe gezeigt, dass sich die Spezialisierung auf eine Mono-Marke auszahle.

Um die gesteckten Wachstumsziele zu erreichen, arbeitet das Modehaus, das seinen Europasitz in Düsseldorf hat, an der Verbesserung seiner Logistik. Vom Entwurf bis zur Auslieferung benötige man für einzelne Sortimente nur noch drei Monate. Ziel sei, diesen Zeitraum auf zwei Monate zu verkürzen, sagte Krogner. Viele traditionelle Hersteller können im Wettlauf um kürzere Produktionszyklen nicht mehr mithalten. Im Branchenschnitt liegt der Zeitraum bei einem halben Jahr. Experten führen den Erfolg der Konkurrenten Zara und H & M unter anderem darauf zurück, dass ihr Produktionszyklus im Idealfall bei nur sechs Wochen liegt.

Quelle: Handelsblatt

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