Europäer können NMD nicht verhindern
Powell erwartet trotz Kritik viele Interessenten für Raketenabwehr

Die umstrittene geplante US-Raketenabwehr National Missile Defense (NMD) wird nach Ansicht von US-Außenminister Colin Powell viele Interessenten finden, sobald die neue Regierung ihr strategisches Konzept erläutert hat. Das erklärte Powell nach einem Treffen mit seinem britischen Kollegen Robin Cook am Dienstag (Ortszeit) in Washington.

dpa WASHINGTON. Powell schwächte zugleich zuvor geäußerte Bedenken von US- Verteidigungsminister Donald Rumsfeld gegen eine eigene europäische Verteidigungspolitik ab. Sie bedeute keine Schwächung der NATO. "Es ist vielmehr unsere gemeinsame Überzeugung, dass sie die NATO stärken würde", sagte Powell.

Rumsfeld hatte am Samstag auf der Münchner Sicherheitskonferenz Befürchtungen geäußert, dass die geplante EU-Eingreiftruppe den Interessen der NATO schaden könnte. Powell betonte, eine europäische Eingreiftruppe müsse fest in die Allianz eingebunden werden.

Für die US-Raketenabwehr kündigte der Minister ein "sehr vernünftiges Konzept" an, das die strategischen Offensivstreitkräfte und die Bemühungen gegen eine Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen ergänzen werde.

Der US-Minister setzte damit seine Werbekampagne für NMD fort, das nach Überzeugung von Kritikern in Russland, China und Westeuropa das strategische Gleichgewicht gefährden wird. Er hatte das System vor dem außenpolitischen Beauftragten der Europäischen Union, Javier Solana, als "Notwendigkeit" verteidigt. Solana räumte ein, dass die Europäer trotz aller Bedenken den Aufbau eines solchen Schutzschildes nicht verhindern könnten, wenn die USA auf einem solchen Schritt beharrten. Die USA hätten ein Recht dazu.

"Wenn wir das beweisen können, dann wird jeder teilnehmen und eine Rolle bei der Raketenabwehr spielen wollen, ob nun bei der Abwehr auf dem Gefechtsfeld oder der nationalen Raketenabwehr", sagte Powell am Dienstag. Er versicherte, dass die USA ihre Verbündeten, Russland und China konsultieren würden. Cook - der als erster europäischer Außenminister mit Powell sprach - prophezeite einen "freimütigen, offenen Dialog in gegenseitigem Vertrauen".

Powell bekräftigte auch die US-Forderung, dass die geplanten europäischen Verteidigungsstreitkräfte "voll in der NATO verankert" sein müssten. Er versicherte außerdem, dass die neue US-Regierung keine Sofortpläne für einen Abzug ihrer Friedenstruppen aus Bosnien und dem Kosovo habe. "Wir sind beide dazu verpflichtet, die Arbeit zu beenden", ergänzte Cook.

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