Europäer reagieren empört: US-Regierung will Airlines zur Hilfe eilen

Europäer reagieren empört
US-Regierung will Airlines zur Hilfe eilen

Die Situation in der US-Luftfahrt ist desaströs: Schon jetzt fliegen viele Carrier am Rande des Konkurses. Einen Irak-Krieg können die wenigsten überstehen - es sei denn, die Regierung eilt mit Subventionen zur Hilfe.

DÜSSELDORF/NEW YORK. Die USA sind nach den Worten von Verkehrsminister Norman Mineta erneut bereit, der schwer angeschlagenen US-Luftfahrtindustrie zur Hilfe zu eilen, wenn sich der Irak-Konflikt negativ auf die Fluggesellschaften auswirken sollte. Nach Informationen der New York Times sollen die Airlines im Rahmen eines Gesetzes zur Stabilisierung der Luftfahrt Zugang zu weiteren 3 Mrd. $ erhalten. "Wir werden bereit sein, sehr schnell zu handeln, wenn sich die Notwendigkeit ergibt", hatte Mineta am Dienstag bei einer Luftfahrtkonferenz in Washington angekündigt, ohne Details zu nennen.

Der europäische Airline-Verband AEA reagierte ungehalten. "Es geht nicht an, dass amerikanische Carrier undifferenziert Beihilfen erhalten", sagte dessen Hauptgeschäftsführer Ulrich Schulte-Strathaus dem Handelsblatt. Europäische Fluggesellschaften sind aus seiner Sicht erheblich stärker von einem Irak-Krieg betroffen als die US-Konkurrenz: "Dennoch erwarten wir nur eine Entschädigung für die unmittelbaren Kriegsfolgen. In den USA hingegen werden offenbar Überbrückungszahlungen erwogen, die die Sanierung der US-Carrier ermöglichen sollen", wetterte Schulte-Strathaus. Die Deutsche Lufthansa erneuerte ihre grundsätzliche Kritik an Staatshilfen: "Es kann nicht sein, dass bedrohte Fluggesellschaften durch wettbewerbsverzerrende Subventionen künstlich am Leben gehalten werden", sagte ein Sprecher des deutschen Konzerns.

Direkt nach den Terrorattacken des 11. September 2001 hatte Washington bereits 5 Mrd. $ an staatlichen Direkthilfen genehmigt. Schulte-Strathaus: "Bei derartigen Wettbewerbsverzerrungen sind wir chancenlos. Wir brauchen faire Wettbewerbsbedingungen und erwarten, dass die EU-Kommission dies umgehend bei der amerikanischen Regierung anspricht."

Laute Kritik kommt auch von Europas größter Fluggesellschaft British Airways: "Für europäische Airlines ist es schon feine Ironie, wenn wir daran denken, wie sehr sich die USA jahrelang über Staatshilfen beschwert haben", sagte deren Chairman Lord Marshall kürzlich in Brüssel. Eine unerlaubte Hilfe sei aus seiner Sicht auch Kapitel elf des US-Konkursrechts, das zahlungsunfähige Unternehmen wie United Airlines oder US Airways vor dem Zugriff ihrer Gläubiger schützt.

Kommt der Irak-Krieg tatsächlich, sehen sich viele Fluglinien vom Aus bedroht: Der Lufthansa-Partner United Airlines sprach gestern erstmals davon, dass eine Liquidation des Unternehmens im schlimmsten Fall nicht ausgeschlossen werden könne. Reiseagenturen und Airlines berichten seit Tagen von drastischen Buchungseinbrüchen in den USA. Nach Angaben von United sind die Buchungen für internationale Flüge allein in der vergangenen Woche um 40 % eingebrochen. Längst haben die Unternehmen ihre Flugpläne weiter reduziert und vor weiteren Entlassungen und Gehaltskürzungen gewarnt. Allein, es scheint nicht zu reichen. Vielen bleibt einzig die Hoffnung, dass die Regierung in Washington der Branche ein weiteres Mal unter die Flügel greift.

Der erste Golfkrieg 1991 bedeutete das Aus für drei US-Fluggesellschaften: Eastern, Midway und PanAm. "Die Fluggesellschaften sind eindeutig der am stärksten betroffene Sektor im Falle eines Krieges", bestätigt Michael Linenberg, Analyst der Investmentbank Merrill Lynch. Und die Ausgangslage ist - mitten im scharfen Konjunkturabschwung - bedeutend schlechter als 1991. Die US-Airlines haben kürzlich vorgerechnet, dass ein 90-tägiger Krieg zu weiteren Verlusten in Höhe von 10,7 Mrd. $ in diesem Jahr führen könnte. Insgesamt seien weitere 70 000 Jobs gefährdet. Sie betreiben derzeit intensive Lobby-Arbeit in Washington, um beim Staat weitere Gelder locker zu machen. Der demokratische Kongress-Abgeordnete James Oberstar wollte gestern einen Gesetzesvorschlag zu weiteren Hilfen der Airlines einbringen. Das Gesetz soll dem amerikanischen Verkehrsministerium unter anderem das Recht einräumen, für alle Verluste der Fluggesellschaften während des Kriegs aufzukommen.

Trotz allen Beistands: Sollte sich der Krieg länger hinziehen, rechnet Merrill Lynch-Analyst Linenberg mit weiteren Pleiten am Himmel der USA. Für am besten positioniert hält er im Krisenfall noch Delta Air Lines und Northwest Airlines. Doch auch sie werden in diesem Jahr erneut heftige Verluste einfliegen.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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