Europäische Aktien hinken US-Rivalen hinterher
Uncle Sam hält Europa auf Distanz

Amerika ist längst kein Traumland für Investoren mehr. Dafür sorgten Bilanzskandale und die Rücknahme der US-Produktivitätsdaten. Doch Europa hat von der Ernüchterung in den Staaten bislang nicht profitiert. Die hiesigen Börsen entwickelten sich schlechter als die US-Märkte. Experten glauben jedoch, dass sich dies bald ändert.

tmo FRANKFURT/M. Amerika, du hast es - immer noch - besser. Zwar prophezeien die Bankexperten seit mehr als einem Jahr, dass Europas Börsen die neue Welt abhängen. Aber die erwartete Trendwende will einfach nicht stattfinden.

"Wir haben in Europa zuletzt auf schlechte Nachrichten aus den USA sogar überreagiert", sagt Chefstratege Martin Gilles von WestLB-Wertpapiersparte Panmure, "und jetzt leiden wir zusätzlich unter der abgeschwächten Konjunkturdynamik in Europa". Die New Yorker Aktienmärkte ignorierten hingegen in jüngster Zeit negative US-Konjunkturdaten.

Seit drei Monaten entwickelt sich der breit gefasste US-Aktienindex S & P 500 deutlich besser als sein europäischer Rivale, der DJ Stoxx 50. Das gilt selbst, wenn man beide Indizes auf Dollarbasis berechnet. Wegen des etwas stärkeren Euros fällt der Unterschied dann aber nicht so hoch aus.

Für die Zukunft gibt Gilles die Hoffnung nicht auf - ebenso wie seine Kollegen Peter Oppenheimer von HSBC und Abhijit Chakrabortti von JP Morgan: Alle drei Chefstrategen erwarten, dass die europäischen Kursbarometer die US-Indizes bis zum Jahresende abhängen. "Von der Bewertung her hat die Euro-Zone nach unseren Modellen 12 % Potenzial, die USA 7 %" argumentiert Morgan-Mann Chakrabortti in einer aktuellen Studie. In seinem Musterdepot hat er Nordamerika stark untergewichtet. Aktien der Euro-Zone stuft er mit "neutral" ein.

Konjunkturell unterscheiden sich die Regionen kaum - in beiden läuft ein mühsamer "Auf ohne Schwung", wie WestLB-Stratege Gilles formuliert. Ein Nachteil Europas liegt seiner Ansicht nach darin, dass eine Zinssenkung bei der Europäische Zentralbank weniger wahrscheinlich erscheint als bei der US-Notenbank. Zinssenkungen stützen in der Regel die Aktienmärkte.

Peter Oppenheimer, Managing Director beim britisch-asiatischen Bankriesen HSBC, vergibt für Europa sogar die Empfehlung "Übergewichten", während er die USA auf "Untergewichten" setzt. Allerdings erwartet er für keine der beiden Regionen große Kurssprünge: "Die Aktienmärkte haben weltweit ihre Tiefstände noch nicht erreicht", prophezeit Oppenheimer. Bei weiteren Kursrutschen dürfte Europa aber glimpflicher davon kommen.

Zwar seien die hiesigen in mancher Hinsicht günstiger bewertet als die US-Märkte, so der HSBC-Stratege. Aber der Teufel stecke im Detail. Betrachtet man zum Beispiel das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der tatsächlichen Unternehmensgewinne, dann liegt dieser Wert für europäische Aktien niedriger als für US-Titel. Europa erscheint somit unterbewertet im Vergleich zu Amerika.

Betrachtet man indes die Gewinnprognosen der Analysten für die nächsten zwölf Monate, dann ist kein Unterschied mehr zu erkennen. Offenbar erwarten die Bankexperten, dass die US-Firmen ihre Erträge schneller steigern als die Europäer. Dann würde der Bewertungsunterschied zwischen den beiden Märkten bald verschwinden - und an einer Wette pro Europa, contra USA könnten Investoren nichts verdienen.

Fragt sich nur, ob die Analysten richtig liegen. "Unserer Ansicht sind die Gewinnprognosen für US-Unternehmen im Schnitt noch etwas zu hoch", sagt WestLB-Stratege Gilles. Er erwartet, dass die Experten ihre Schätzungen in den nächsten Monaten nach unten korrigieren. "Das wird auch Europa treffen, aber in geringerem Maße", schätzt Gilles. Somit würde es für Investoren Sinn machen, ihr Geld verstärkt auf dem alten Kontinent anzulegen.

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