Europäische Anleihemärkte profitieren erneut von den Verlusten an den Aktienmärkten
Die Zins-Bullen sehen sich zum Wochenanfang bestätigt

Die Woche an den europäischen Rentenmärkten begann besser als erwartet. Viele Analysten waren zwar ohnehin optimistisch für die Woche gestimmt gewesen, dass es aber so gut losgehen würde, hatte selbst unter den Zins-Bullen kaum jemand erwartet. Auslöser für die deutlichen Kursgewinne der Festverzinslichen waren wieder einmal die Verluste an den Aktienmärkten.

FRANKFURT/M. Dazu kam der von Reuters ermittelte Einkaufsmanager-Index für die Euro-Zone. Der lag mit 50,9 Punkten im Rahmen der Erwartungen und zeigte, dass sich die Wirtschaft weiter stabilisiert, aber eben nur sehr langsam wächst. "Entscheidender für die Entwicklung der Anleihen waren erneut die Aktienmärkte", erklärte Stefan Schilbe von HSBC Trinkaus & Burkhardt. Dabei waren die Umsätze auf Grund des US-Feiertags sehr gering. Deshalb dürfe man die Gewinne der Festverzinslichen nicht überbewerten, sagte Schilbe. Dennoch ist er "grundsätzlich optimistisch" für Staatsanleihen und Terminkontrakte. An den Aktienmärkten seien wegen der Ängste vor einem Krieg der USA gegen den Irak keine großen Gewinne zu erwarten. Bis zum 11. September - dem Jahrestag der Terroranschläge gegen die USA - sollten Bonds weiter von ihrem Ruf als sicherer Hafen profitieren.

Jetzt fiel die Rendite der für Europa richtungweisenden zehnjährigen Bundesanleihe bis zum späten Nachmittag auf 4,51 %. Das Jahrestief hatte am 14. August bei 4,14 % gelegen. Die Renditen von Anleihen fallen, wenn die Anleihekurse steigen. Der Kurs des Bund-Futures - dem Terminkontrakt auf zehnjährige Bundesanleihen - stieg um 39 Basispunkte auf 111,27 %. Das Jahreshoch lag ebenfalls am 14. August bei 111,53 %. Der Bund-Future, der als wichtiger Stimmungsindikator für die Rentenmärkte gilt, überwand schon im frühen Geschäft mühelos mehrere Widerstände. Eine wichtige Widerstandszone für den Bund-Future sieht Schilbe im Bereich zwischen 111,38 bis 111,43 %. Danach sei der Weg bis auf 111,72 % frei. Der mittelfristige Bobl-Future verbesserte sich um 29 Basispunkte auf 108,91 %, der kurzfristige Schatz-Future stieg um 11 Basispunkte auf 104,54 %. US-Staatsanleihen rentierten im japanischen und europäischen Handel kaum verändert.

Bei den Unternehmensanleihen verloren die Anleihen von France Télécom weiter deutlich. Am Donnerstag hatte der Konzern angekündigt, seine Halbjahreszahlen zu verschieben. Außerdem hatte die Ratingagentur Moody?s sich erneut besorgt darüber gezeigt, ob France Télécom seine im nächsten Jahr auslaufenden Verbindlichkeiten bedienen kann.

Am Markt für neue Anleihen vergab Hessen das Mandat für eine Benchmark-Anleihe an die Deutsche Bank, HSBC und Schroder Salomon Smith Barney. Der Iran plant einer iranischen Nachrichtenagentur zufolge die Emission eines neuen Eurobonds.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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