Europäische Asset-Manager wollen das verwaltete Vermögen auf 100 Milliarden Euro schrauben
Börsengehandelte Indexfonds: Boom in der Baisse

Amerika gibt wieder einmal den Trend vor. Auch in Europa setzt sich das "Going Public" von Fonds durch. Die Anlagebranche ist optimistisch, ungeachtet der anhaltenden Talfahrt an den Aktienmärkten. Eine Konsolidierung bei den Produkten und unter den Anbietern scheint allerdings unausweichlich.

HB DÜSSELDORF/FRANKFURT. Auch die dramatische Baisse bringt das Geschäft mit börsengehandelten Indexfonds (Exchange Traded Funds, ETF) nicht ins Wanken. In Europa hatte die Deutsche Börse erst vor drei Jahren Pionierarbeit geleistet und ein eigenes Marktsegment für diese Produkte etabliert. Der Status quo: Inzwischen werden an elf europäischen Börsen 116 Produkte von 14 Asset-Managern gehandelt. Das Gesamtvermögen ist auf 11 Mrd. Euro angeschwollen.

Das soll noch nicht das Ende sein. "In fünf Jahren können wir es bis auf 100 Milliarden schaffen", sagt Andreas Fehrenbach, Vorstandssprecher von Indexchange, der zur Hypo-Vereinsbank gehörenden Kapitalanlagegesellschaft, die eigens für die Auflage von ETF gegründet wurde. Auch kurzfristig gibt Deborah Fuhr grünes Licht. "Auf Sicht von zwei Jahren kann sich das Volumen verdoppeln", schätzt die Morgan-Stanley-Analystin, die von London aus den weltweiten ETF-Markt analysiert und zu den angesehensten Experten auf diesem Gebiet zählt.

Die USA sind die Heimat der ETF

Wichtige Triebkraft des Wachstums ist die bisher geringe Durchdringung Kontinentaleuropas mit Indexprodukten. Experten zufolge werden nur rund fünf bis zehn Prozent der Gelder passiv gemanagt, das heißt, die Vermögensstruktur lehnt sich möglichst exakt an eine Benchmark-Zusammensetzung an, beispielsweise an den Dax. Die entsprechende Quote in den angelsächsischen Ländern liegt dagegen bei mindestens 30 %. Die USA ist auch die Heimat der ETF. Dort startete das Geschäft Anfang der neunziger Jahre. Inzwischen werden in über 100 Produkten über 100 Mrd. Dollar verwaltet.

Analog zum amerikanischen Markt dominieren auch in Europa wenige Produkte und Anbieter das Geschäft. Grundsätzlich ist der Markt auf Aktienindizes konzentriert. Größter Beliebtheit erfreuen sich der Dax, CAC 40, Dow Jones Stoxx 50 und Dow Jones Euro Stoxx 50 (Grafik). Sie bündeln den größeren Teil der ETF-Vermögen und ziehen auch den größten Teil des Handelsvolumens an den Börsen auf sich. Auf Anbieterseite zählen Indexchange, die zur Société Générale gehörende Lyxor Asset Management, Merrill Lynch, Barclays Global Investors und CSFB zu den größten Spielern.

Zukünftige Wachstumsimpulse dürfte nicht nur der Nachholbedarf bei passiv gemanagten Portfolios geben. Die Anlagebranche erschließt sich allmählich auch den Anleihesektor, so dass die Einsatzmöglichkeiten von ETF wesentlich erweitert werden. Im Februar lancierte Indexchange an der Deutschen Börse das erste Rentenprodukt in Europa, einen ETF auf einen deutschen Bundesanleiheindex. Weitere Produkte werden folgen. Barclays Global setzte im März mit einem Fonds für Euro-Unternehmensanleihen nach. Der Emittent versprüht Optimismus. "Bei den Renten-ETF stehen wir erst am Anfang - da wird noch viel kommen", glaubt Mark Roberts, der bei Barclays in London für die ETF-Produktstrategie verantwortlich ist.

ETF können ihre typischen Vorteile ausspielen

Mit dieser wichtigen Erweiterung der Produktpalette stehen bald hinreichend viele Aktien- und Anleihen-Bausteine für Vermögensverwaltungsangebote zur Verfügung. Darauf haben einige Experten lange gewartet. Sie nutzen ETF als Bausteine für eine aktive Vermögensverwaltung bzw. setzen sie in Dachfonds ein. In Deutschland zählt beispielsweise die SEB Bank zu den Anwendern. Auch mehr und mehr Publikumsfonds setzen die Produkte ein. Im Konzept "Aktives Management mit passiven Bausteinen" können ETF ihre typischen Vorteile ausspielen: Liquidität an der Börse, jederzeitige Handelbarkeit, Transparenz, geringe Gebühren.

Auf der Gebührenseite sind die Konkurrenten inzwischen in einen harten Wettbewerb eingetreten. Die durchschnittliche jährliche Managementgebühr liegt derzeit bei rund 0,50 %. In den vergangenen Monaten senkten allerdings einige Asset-Manager ihre Preise. Merrill Lynch beispielsweise reduzierte seinen Satz für die Stoxx-50- und Euro-Stoxx-50-Produkte von 0,50 auf 0,35 %. Wichtiger als diese jährlichen Sätze sind aus Anlegersicht allerdings die so genannten Spreads der Market Maker, die Differenzen zwischen den verbindlichen An- und Verkaufsgeboten der verpflichteten Marktmacher an der Börse. Die Spanne reicht von wenigen Basispunkten bei sehr liquiden Produkten bis zu mehreren Prozentpunkten für wenig liquide ETF.

Trotz aller Hoffnungen der Marktteilnehmer für das ETF-Geschäft wird vor Euphorie gewarnt - auch aus der Branche. Welche Produkte und Asset-Manager langfristig überleben werden, ist noch nicht sicher. So erwartet Fehrenbach eine starke Bereinigung auf beiden Ebenen. Auch im Heimatland USA hat sich das Geschäft auf wenige Mitspieler konzentriert: State Street, Bank of New York und Barclays Global Investors. Auf Produktseite gibt es ebenfalls drei dominante ETF: jene auf den S & P 500, den Dow Jones und den Nasdaq.

Ein Blick auf die verwalteten Vermögen und die Handelsvolumina bei den europäischen ETF stützt die Konsolidierungsthese. In den meisten Fällen ist beides minimal. Das gilt insbesondere für Branchen-ETF. Doch Größe ist in diesem margenschwachen Geschäft der entscheidende Faktor. Unico zog als erster Asset-Manager die Konsequenzen. Die Fondstochter von Union Investment stampfte vor kurzem eine Hand voll ihrer Produkte ein.

Das steckt hinter dem Begriff ETF

Exchange Traded Funds (ETF) sind Indexfonds mit Börsennotierung. Grundidee: Fonds schnell und komfortabel ordern wie Aktien, mit geringen jährlichen Gebühren und ohne Ausgabeaufschlag. So genannte Market Maker stellen Kauf- und Verkaufspreise während der gesamten Handelszeit. Bei traditionellen Investmentfonds bezieht der Anleger die Anteilsscheine von der Investmentgesellschaft; es wird nur einmal am Tag ein Anteilspreis festgestellt. Bisher nutzen überwiegend institutionelle Anleger ETF, beispielsweise im Rahmen von kombinierten Kassa- und Terminmarktgeschäften - ein besonderer Reiz dieser Produkte.

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