Europäische Beteiligungen nicht ausgeschlossen
Die Post bleibt auf Einkaufstour

HANDELSBLATT BONN. Post-Chef Klaus Zumwinkel versprüht im Vorfeld des Börsengangs Optimismus. Die Liberalisierung der Postmärkte in Europa und der drohende Wegfall des Postmonopols in Deutschland kann ihn nicht schrecken. Im Gegenteil, die Privatisierung der Postgesellschaften sieht er als Chance. Dem Wettbewerb sieht er gelassen entgegen.

Post

-Chef Klaus Zumwinkel setzt weiter auf Expansion. Sollten in Zukunft - wie bei den Telekom-Unternehmen bereits geschehen - auch Postgesellschaften in Europa privatisiert werden, sei die Deutsche Post daran interessiert, dort als strategischer Partner einzusteigen. "Wir können uns durchaus vorstellen, dass sich die Deutsche Post eines schönen Tages an einer ausländischen Postgesellschaft beteiligt", sagte der Post-Chef im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Allerdings sei dies noch Zukunftsmusik, betonte Zumwinkel. Er glaubt nicht, dass "in den nächsten fünf Jahren" mit bedeutenden Liberalisierungsfortschritten auf den europäischen Postmärkten zu rechnen ist. Der deutsche Postmarkt sei bereits vergleichsweise weit geöffnet. Insbesondere die Franzosen mauerten in der EU beim Thema zügige Liberalisierung.

Zumwinkel: "Alle Experten in Brüssel sagen, dass der Vorschlag, das Briefmonopol 2003 auf 50 Gramm zu senken, nicht durchsetzbar ist." Der Post-Chef erwartet daher eine Kompromisslösung. Sie könnte bei 150 Gramm liegen. Deutschland werde dabei auf eine gleichmäßige Entwicklung in Europa achten und nicht im Alleingang das Briefmonopol abschaffen.

Dennoch rechnet der Post-Chef damit, dass Deutschland weiterhin eine Vorreiterrolle in Sachen Postliberalisierung spielen wird und wahrscheinlich die Gewichtsgrenze für Briefe im Monopolbereich von heute 220 Gramm auf 100 Gramm senken wird. Zumwinkel betonte, dass das Briefmonopol keine deutsche Erfindung sei, sondern der Aufrechterhaltung des Universaldienstes diene, also beispielsweise von Postfilialen auf dem platten Lande.

"Die Post bleibt auf Einkaufstour," sagte Zumwinkel, werde aber zunächst auf die Bremse drücken. Seit 1998 hat die Post für knapp 7 Mrd. Euro Firmen hinzu gekauft. In diesem Tempo werde die Post nicht weitermachen. Konsolidierung und Abrundung des internationalen Postnetzes stehe nun auf dem Programm. "Wir halten dabei an der Strategie fest, unseren Kunden zu folgen, beispielsweise nach Asien."

Kein Wunder: Integrationskosten "in dicker dreistelliger Millionenhöhe" belasten das Ergebnis der Post. Dies sei aber lediglich in den Bereichen Express und Logistik der Fall, stellte Zumwinkel klar. Er räumte ein, dass die Renditen in den Bereichen Express und Logistik "nicht so doll" ausfallen. "2001 und 2002 werden die Integrationskosten noch höher sein als die Synergien, die wir realisieren können."

Erklärtes Ziel sei es aber, bis 2005 die Hälfte des Konzernergebnisses außerhalb des Briefgeschäfts zu erzielen.Heute stammen noch 77 % aus dem Briefgeschäft. Zumwinkel betont, dass dies aber nicht zu Lasten des Briefgeschäfts gehen werde. "Das Ergebnis aus dem Briefgeschäft werde auch künftig in heutiger Größenordnung zum Konzernergebnis beitragen." Steigen soll die Rendite in den übrigen Bereichen, Finanzdienstleistungen sowie vor allem Express und Logistik.

Hinzu kommt: Ein starkes Absinken der Briefpreise nach Auslaufen des Briefmonopols sei nicht zu befürchten: "Auch bei einem vollen Wettbewerb im Briefgeschäft wird es nicht zu den Rückgängen kommen, wie etwa bei den Telefonpreisen." Im Gegensatz zur Telekombranche sei das Briefgeschäft kaum vom technischen Fortschritt abhängig. Rund 70 Prozent der Kosten seien hier reiner Personalaufwand.

"Wettbewerber müssen erst einmal beweisen, dass sie pfiffiger sind als wir." Niedrigere Porti seien nur dadurch zu erreichen, dass mehr Briefe pro Kopf ausgetragen werden oder pro Mitarbeiter weniger bezahlt werde. Den Hinweis auf den Produktivitätsvorsprung der niederländischen Post kontert Zumwinkel: "Wenn wir nur in Nordrhein-Westfalen Briefe austragen würden, wären wir auch billiger."

Zur aktuellen Geschäftsentwicklung des Konzerns wollte sich Zumwinkel nicht äußern. Im Börsenprospekt steht, dass sich Umsatz und Ergebnis in den ersten neun Monaten mit ähnlichen saisonalen Schwankungen wie im Vorjahr entwickelt haben. "Das erste Halbjahr ist traditionell umsatz- und ergebnisstärker als das zweite Halbjahr, wobei das vierte Quartal auf Grund des Weihnachtsgeschäfts stärker ist als das dritte Quartal." Daneben belasteten zusätzliche Aufwendungen das dritte Quartal, wie die Kosten des Börsengangs. Zumwinkel bestätigte, dass sich die reinen Kosten des Börsengangs um die 200 Mill. DM bewegen. Die Werbekampagne schlägt mit weiteren 100 Mill. DM zu Buche.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%