Europäische Biotech-Flaggschiff
Vorschusslorbeeren für Celltech

Knapp fünf Milliarden Euro Börsenwert, eigene Produkte auf dem Markt und interessante Wirkstoffe in der Forschung machen die britische Celltech-Gruppe zu einem Vorreiter der europäischen Biotech-Industrie. Zusätzlichen Rückenwind gab jüngst eine große Allianz mit dem US-Konzern Pharmacia.

FRANKFURT/M. Die britische Celltech Plc zeichnet sich durch ein in der Biotech-Welt (noch) seltenes Attribut aus: schwarze Zahlen. Im vergangenen Jahr verbuchte das Unternehmen einen Umsatz von umgerechnet rund 400 Mill. Euro und einen operativen Gewinn von 40 Mill. Euro. Den wohl noch wichtigeren Erfolg konnte Firmenchef Peter Fellner seinen Aktionären indes schon eine Woche vor Bilanzvorlage präsentieren: Einen Kooperationsvertrag im Volumen von bis zu 280 Mill. Dollar mit dem amerikanischen Pharmakonzern Pharmacia.

Der bisher größte Deal eines europäischen Biotech-Unternehmens bezieht sich auf den von Celltech entwickelten Antikörper CDP 870, ein potenzielles Medikament gegen Rheuma und andere Entzündungskrankheiten. Bei günstigem Verlauf der klinischen Tests könnte dieses Produkt ab 2003 auf den Markt gelangen und dann nach Schätzungen von Analysten Spitzenumsätze von mehr als 500 Mill. Dollar erreichen.

Der üppige Vertrag mit Pharmacia gilt in vielen Augen als Bestätigung für die Leistungsfähigkeit der Celltech-Forschung und für die Expertise des Unternehmens in der Antikörper-Entwicklung. Anfang des Jahres besiegelte Fellner bereits mit Johnson & Johnson eine Allianz. Zum Kreis der Partner gehören ferner Unternehmen wie Merck & Co, Bristol-Myers Squibb (BMS) und American Home. Zwei Medikamente aus der Forschung von Celltech sind bereits zugelassen, zwölf weitere Produkte, darunter CDP 870, befinden sich den verschiedenen Stadien der klinischen Erprobung.

Das britische Unternehmen qualifiziert sich damit nicht nur als ein Flaggschiff für die europäische Biotech-Industrie. Es liefert auch ein klassisches Beispiel für die Chancen und Herausforderungen der Branche. 1980 als erstes Biotech-Unternehmen in Großbritannien gegründet, benötigte Celltech immerhin rund zwei Jahrzehnte für den Weg in die Gewinnzone. Den Aufstieg ebnete das originäre Know-how in den Bereichen Protein- und Antikörper-Entwicklung und auch die aggressive Teilnahme am Konsolidierungsprozess in der Branche.

Der Börse gefällt die strategische Ausrichtung

Vor allem zwei wichtige Transaktionen haben der Gruppe ihren heutigen Zuschnitt verliehen: die Fusion mit dem Biotech-Unternehmen Chiroscience im Sommer 1999 und der Erwerb des Pharmaspezialisten Medeva Plc wenige Monate später. Chiroscience erweiterte vor allem das Spektrum und die "Pipeline" in der Forschung, während Medeva Vertriebs- und Marketingkapazitäten sowie eine Reihe von etablierten Produkten einbrachte. Celltech wurde durch diese Übernahmen zu einem durchintegrierten pharmazeutischen Unternehmen.

Der Börse hat die Strategie des ansonsten eher zurückhaltenden Celltech-Chefs gefallen. Nach anfänglichem Zaudern wurde die Celltech- Aktie mit dem Bio-Boom ab Ende 1999 steil nach oben getragen - und hat sich dort vergleichsweise gut gehalten. Gegenüber ihrem Hoch vom Frühjahr 2000 hat sie bisher nur rund ein Drittel eingebüßt, während die Branche insgesamt mehr als die Hälfte ihres Wertes verlor. Und allein fünf von 16 Analysten, die das Unternehmen verfolgen, haben laut IBES in den vergangenen vier Wochen ihre Gewinnschätzungen nach oben revidiert.

Andererseits darf dabei nicht übersehen werden, dass in dem aktuellen Kurs bereits einiges an Vertrauen in den künftigen Erfolg enthalten ist. Immerhin wird Celltech derzeit mit mehr als dem Zehnfachen des Umsatzes und dem Hundertfachen ihres Gewinns vor Sonderfaktoren bewertet. "Um erfolgreich zu sein, muss das Unternehmen seine Investoren überzeugen, dass seine Entwicklungsprodukte (Ergebnisse) liefern", urteilen selbst die Analysten von SG Cowen, die Celltech zurzeit mit "strong buy" bewerten.

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