Europäische Expansion soll aus eigener Kraft bewältigt werden
Onvista stemmt sich gegen die Internetkrise

Bei Onvista in Köln herrscht keine Krisenstimmung. Der Anbieter von Finanzinformationen und Betreiber des reichweitenstärksten bankenunabhängigen Portals in Deutschland will vielmehr weiter zulegen und wagt den Sprung ins Ausland. Am Donnerstag startet die britische Seite. Spurlos geht die Börsenflaute im Wachstumssegment aber auch an Onvista nicht vorbei. Die Aktie ist weit vom Emissionspreis-Niveau entfernt, die Abrufzahlen beim Internetportal stagnieren, nicht nur Verlage kürzen ihre Budgets.

jgo DÜSSELDORF. Onvista verdient doppelt am Geschäft mit Finanzinformationen. Direktbanken wie Consors und die Deutsche Bank 24, aber auch Medienunternehmen wie n-tv oder N24 lassen sich von dem Unternehmen mit Finanzinformationen und Analyse-Instrumente beliefern. Neben dem Firmenkundengeschäft ist Onvista mit einem eigenen Finanzportal aktiv, das derzeit auf etwa 60 Millionen Page Impressions pro Monat kommt. Im abgelaufenen Geschäftsjahr war das Mischmodell erfolgreich. Nun soll sich die Strategie auch in anderen Ländern auszahlen. Am Donnerstag wird die britische Portalseite gestartet, ein französischer Ableger soll voraussichtlich im dritten Quartal online gehen.

Wachstum ohne Übernahmen

Die britischen Nutzer erhalten Informationen zu Aktien, Indices und Unternehmensnachrichten, Fonds sollen folgen, Optionsscheine-Systeme sind nicht geplant. In Frankreich will Onvista hingegen eine Gesetzesänderung nutzen und sich mit einem reichhaltigen Informationsangebot speziell zu Optionsscheinen profilieren. 8 Mitarbeiter in London und 5 in Paris kontrollieren Vertrieb, Marketing und die Konzeption der Angebote. Die Datenbank und Anbindung wird vom Rechenzentrum in Köln übernommen, was Onvista dabei helfen soll, die Kosten gering zu halten.

Vertriebs- und Marketingvorstand Fritz Oidtmann sagte im Gespräch mit Handelsblatt.com, das Unternehmen halte ungeachtet der Schwäche an den Börsen an seinem Plan fest, das Wachstum profitabel zu halten und ohne Akquisitionen auszukommen. "Wir wollen aus eigener Kraft wachsen; unsere Ziele sind ehrgeizig, aber realistisch."

Nach einem positiven Jahresüberschuss von 310 000 Euro im abgelaufenen Geschäftsjahr will Onvista 2001 einen Überschuss im "niedrigen einstelligen Millionenbereich" erzielen. Zumindest mittelfristig hofft das im Mai 1998 gegründete Unternehmen auch an der Börse wieder ein besseres Bild abzugeben. Derzeit rangiert der Titel am Neuen Markt weit unter dem Ausgabekurs von 22 Euro.

Hoffnungen setzt Oidtmann nach wie vor in das Lizenzgeschäft, das im vergangenen Jahr 53 Prozent der Erlöse ausmachte. In diesem Segment sieht sich Onvista nur von der nicht börsennotierten Innovative Software AG (Teledata) herausgefordert. Aber auch die Werbe-Einnahmen für das Portal sollen sich trotz der Flaute an den Aktienmärkten im laufenden Jahr wieder um 40 Prozent bewegen. Onvista werde in Zukunft den Nutzern auch kostenpflichtige Angebote zugänglich machen, kündigte Oidtmann an. Zurzeit werde beispielsweise die Einführung von Gebühren für Realtime-Kurse diskutiert.

Umwälzungen im Lizenzgeschäft

Die sich abzeichnende Konsolidierung bei den Direktbanken wird seiner Auffassung nach durch neue Anbieter, die sich stärker auf Einstiegskunden ausrichten, und durch die Auslandsexpansion etablierter Unternehmen mehr als wett gemacht. "Viele klassische Banken finden erst jetzt den Weg ins Internet", sagte Oidtmann. Die Marktlage sei momentan nicht rosig, aber die Direktbanken verfolgten nach wie vor das Ziel, ins Ausland zu gehen. Ausländische Unternehmen wiederum bereiteten sich auf den Markteintritt in Deutschland vor.

Oidtmann räumte ein, dass vor allem Medienunternehmen in den vergangenen Monaten ihre Planungen revidiert haben. "Das trifft uns auch, denn Expansionspläne wurden aufgeschoben, teilweise kommt es auch zu Kürzungen. Es ist aber nicht so, dass das unsere Planungen heftig durcheinanderwirft."

Internationalisierung hängt an Reuters

Für die Expansion ins Ausland hat sich Onvista mit Reuters verbündet. Seit Februar beziehen die Kölner bereits internationale Kursdaten und Nachrichten in verschiedenen Sprachen vom britischen Informationsspezialisten. In Deutschland haben die Untenehmen gemeinsam zu großen Teilen das Internetangebot neuermarkt.com der Deutschen Börse realisiert; nun sollen im Ausland weitere Projekte folgen. Reuters betrachte den Pakt als Einstiegshilfe in den Internetmarkt, glaubt Oidtmann.
"Reuters hat erkannt, dass man sich dieser Entwicklung nicht verschließen kann."

Die Zusammenarbeit findet bislang aber auf Aktienbasis noch keine Entsprechung. Daran wird sich Oidtmanns Worten nach so schnell auch nichts ändern können, denn die Gründer halten 57, 3 Prozent der Anteile. "Nur wenn Reuters uns ein unmoralisches Angebot unterbreiten sollte, müssten wir darüber nachdenken. Das steht zurzeit aber überhaupt nicht zur Debatte. Wir wollen das Unternehmen selbst weiter ausbauen."

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