Europäische Finanzhäuser
Banken: Steigende Risiken sind noch kein Drama

Wenn die Banken ihre Quartalszahlen veröffentlichen, schrillen die Alarmglocken: Die Risikovorsorge steigt, das Damoklesschwert weiterer Firmenpleiten schwebt über der Branche. Zudem haben jetzt auch noch die Europäische Zentralbank und die Ratingagentur Moody?s vor den Risiken in der Bankenbranche gewarnt.

HB DÜSSELDORF. Doch der Anstieg der Risiken und der Risikovorsorge ist für sich genommen kein Anlass für Panik. Banken zeichnen sich gerade dadurch aus, dass sie Risiken erkennen, bewerten, handeln oder bewusst in die eigenen Bücher nehmen. Es ist ihr Kerngeschäft, Risiken einzugehen und mögliche Verluste zu kalkulieren. Die steigende Risikovorsorge der Banken - in Deutschland haben in den letzten Wochen bislang die Hypo-Vereinsbank, Deutsche Bank und gestern die Commerzbank einen deutlichen Anstieg vorgenommen - kann daher nicht pauschal als Gefahr dramatisiert werden. Was ist Folge des normalen Kreditzyklus, was ist Folge eines Kreditexzesses? Diese Frage stellen die Analysten der Ratingagentur Moody?s zu Recht. Ihre Antwort: Europäische Banken leiden nicht unter einem Kreditexzess.

Entscheidend ist, ob die Banken ihre in der Vergangenheit eingegangenen Risiken richtig bewertet haben, ob sich erwartete Verluste in den Kreditkonditionen widerspiegeln und sich Risiken nicht auf Branchen oder Regionen konzentrieren. Das trifft sicher nicht für alle Häuser zu, viele waren in ihrer Risikobewertung nicht präzise genug oder in der Umsetzung leichtfertig. Andere, wie die Deutsche Bank und die Landesbank Rheinland-Pfalz, haben sehr gute Risikomanagementsysteme entwickelt, loben Marktteilnehmer.

In der Krise ist nur, wer Risiken in großem Maßstab falsch bewertet, sie nicht hinreichend gestreut hat oder in der Weitergabe von Risikokosten zu nachlässig war. Es gibt Puffer, aber irgendwann reißen diese Fehler Löcher in die Kapitaldecke, das schränkt die Möglichkeit ein, lukrative Geschäfte einzugehen und eine Ertragsbasis für die Zukunft zu schaffen. Die Commerzbank, die gestern ihre Zahlen für das erste Halbjahr vorlegte, ist an diesem Punkt noch nicht angelangt, doch die Bewertung ihrer Beteiligungen offenbart beispielhaft, wie schnell Marktrisiken Reserven aufzehren können.

Doch so weit ist die überwiegende Mehrzahl der europäischen Banken offenbar noch nicht. Das stellen auch EZB und Moody?s fest. Die Banken sind einer Reihe von Risiken ausgesetzt, aber sie sind robust. Die EZB ist geradezu erstaunt über die solide Kapitalausstattung.

Reicht das, um sich beruhigt zurückzulehnen? Keineswegs. Erstens ist das gegenwärtige Tal im Kreditzyklus noch nicht durchschritten. Die Schlüsselkompetenz der Banken, gute Risikomanager zu sein, wird noch einigen Tests durch Pleiten von Unternehmen und Privatkunden ausgesetzt werden. Zweitens hat sich das Risikoprofil der Banken grundlegend geändert, und es wird sich weiter verändern. Wer in der Vergangenheit gut mit Risiken umgehen konnte und daran verdient hat, muss sich stetig weiterentwickeln, um den Erfolg zu halten. Der Markt wird spannender: Es gibt immer mehr Teilnehmer - zum Beispiel können Kreditrisiken an Versicherer und Fonds verkauft werden -, und die Instrumente für den Risikohandel werden besser. Doch der Preis ist die steigende Komplexität, die immer schwerer zu bewältigen ist.

Quelle: Handlesblatt

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