Europäische Fondsmärkte stehen vor einer Konzentrationswelle
Für die DWS ist Deutschland der Trendsetter

Deutschland gibt die Marschrichtung vor: Das Fondsgeschäft durchlebt hier zu Lande einen Konzentrationsprozess auf wenige große Anbieter.

ina FRANKFURT/M. Auch in anderen europäischen Ländern wird sich eine solche Entwicklung durchsetzen. Das glauben Investmentexperten wie Udo Behrenwaldt, Sprecher der Geschäftsführung von Deutschlands größter Publikumsfondsgesellschaft DWS.

Die größten fünf Anbieter in Deutschland verwalten satte 82,2 % des gesamten Publikumsfondsvermögens der deutschen Investmentgesellschaften. Das liegt weit über der vergleichbaren Quote in anderen europäischen Ländern. Am nächsten dran ist die Schweiz mit 80,5 %, am weitesten entfernt Großbritannien mit 27,4 %. Die teilweise sehr hohe Zahl an Fondsanbietern und-gruppen illustriert die Fragmentierung einiger Märkte. Frankreich ragt mit 283 Gruppen heraus.

"Wir sind in Deutschland nicht nur weiter, sondern geben den Trend in Europa vor", sagt Behrenwaldt. Nach Meinung des DWS-Chefs ist die Konzentrationswelle aber auch auf heimischem Boden noch nicht beendet. Die Deutsche-Bank-Gesellschaft trug in diesem Jahr durch die Aufkäufe der kleineren Konkurrenten Zürich Invest und Franken-Invest selbst dazu bei. Für eine weitere Konzentration spreche der verschärfte Wettbewerbs- und Kostendruck. Nur die zehn größten Anbieter verfügten über ein Fondsvermögen von mehr als 2 Mrd. Euro. Der weitaus größte Teil der heimischen Gesellschaften liege unterhalb dieser Schwelle. Behrenwaldt: "Es ist fraglich, ob man damit langfristig Fonds rentabel managen kann."

Die Konzentrationsthese ist allerdings nicht unumstritten. Im Londoner Haus der Research- und Consultingfirma Cerulli Associates wird genau die gegensätzliche Meinung vertreten. Für Thomas Marsh ist der Trend zum Fremdfondsverkauf das wichtigste Argument zur Anfechtung der Konzentrationsthese. Der Senior Analyst von Cerulli Associates rechnet in diesem Zuge sogar mit einer abnehmenden Konzentration. Bisher würden die deutschen Investmentgesellschaften ihre Produkte immer noch vorwiegend über die Filialen ihrer Banken-Mütter verkaufen. Diese spezielle deutsche Situation erkläre auch den hohen Konzentrationsgrad im Vergleich zu anderen europäischen Ländern.

"Der europäische Trend zum Verkauf von Produkten konzernfremder Gesellschaften ebnet die unterschiedlichen Verkaufschancen von großen und kleinen Anbietern allmählich ein", glaubt Marsh. Er erinnert an die sich durchsetzenden elektronischen Fonds-Plattformen, über die auch kleinere Gesellschaften gute Produkte einer breiteren Öffentlichkeit präsentieren könnten. Außerdem verbesserten derartige Plattformen die Wettbewerbschancen der Kleinen zusätzlich: "Diese können auch ihre ganze Administration und die Kontenverwaltung darüber laufen lassen, ihre Kräfte damit völlig auf das Asset-Management konzentrieren."

Quelle: Handelsblatt

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