Europäische Großkonzerne verdienen deutlich mehr
Ölkonzerne sind die Gewinner des Jahres 2000

Großverbraucher wie Speditionen und Fluggesellschaften stöhnen unter den hohen Spritpreisen. Den Ölgesellschaften dagegen beschert der teure Rohstoff riesige Zuwächse. Die Ölmultis entwickelten sich im Jahr 2000 deutlich dynamischer als der Rest der größten europäischen Unternehmen.

HB DÜSSELDORF. Die Ölkonzerne BP Amoco, Royal Dutch/Shell sowie Total Fina Elf und Eni haben sich im zu Ende gehenden Jahr wegen des hohen Ölpreises klar vom Rest der europäischen Top-Unternehmen abgesetzt. Zwar präsentierten Konzerne wie Volkswagen und Eon ebenfalls gute Zahlen. Deren Wachstum blieb hinter den Ölkonzernen allerdings klar zurück. In Europas führendem Unternehmen, der Daimler-Chrysler AG, brach der Gewinn sogar ein.

>>Tabelle der 15 größten Unternehmen Europas

Nach mageren Jahren, in denen die Investitionen zurück gefahren und die Fusionen beschleunigt wurden, können die Ölfirmen jetzt wieder aus dem Vollen schöpfen. BP Amoco erzielte fünf Quartale in Folge Rekordgewinne. "Diese Ergebnisse sind allerdings nicht nur durch ein starkes Handelsumfeld begründet, sondern auch durch eine ständige Verbesserung unserer Leistung", kommentierte BP-Amoco-Chef John Browne die guten Zahlen (siehe unten stehende Tabelle). Was Browne meint: Neben Einschnitten im eigenen Unternehmen fusionierte BP mit Amoco und übernahm weitere Wettbewerber wie Atlantic Richfield. Die Übernahmen zahlen sich aus: Allein durch den Kauf von Atlantic will BP nach eigenen Angaben 2 Mrd. $ sparen.

Wie BP konnte auch Royal Dutch Shell im abgelaufenen Jahr mit Rekorden aufwarten. Zwischen Juli und September kletterte der Gewinn im Vergleich zum Vorjahr um 80 % auf 3,25 Mrd. $. "Das sind außergewöhnliche Resultate angesichts eines außergewöhnlichen Ölpreises", kommentierte Chairman Mark Moody-Stuart die brillanten Zahlen. Zum Vergleich: In der für die Ölkonzerne deutlich schwächeren, mehrjährigen Periode bis Anfang des Jahres lag der Preis für ein Barrel (159 Liter) Nordsee-Öl der Marke Brent bei zeitweise 10 $. Im Lauf des Jahres 2000 kletterte die Notierung auf mehr als 30 $.

Von solch guten Zahlen kann Jürgen Schrempp, Chef von Europas größtem Unternehmen Daimler-Chrysler, derzeit nur träumen. Gewiss: Die Autofahrer orderten mehr Mercedes- und Smart-Modelle als im Vorjahr. Der Chrysler-Absatz ging jedoch kräftig zurück und brach im dritten Quartal um satte 14 % ein. Für das gesamte Jahr kündigte Schrempp deshalb einen "deutlichen Gewinneinbruch" an.

Die enttäuschende Entwicklung spiegelt sich im Aktienkurs wider: Binnen zweier Jahre stürzte der Daimler-Kurs von rund 90 Euro auf zuletzt unter 45 Euro. Ganz anders Volkswagen: Im Herbst hat der Aktienkurs der Wolfsburger erstmals den der Stuttgarter übertroffen. VW-Chef Ferdinand Piech hat sämtliche Konzernmarken gut positioniert und erntete in den ersten neun Monaten des Jahres die Früchte: Der Gewinn kletterte mehr als drei Mal so stark wie der Umsatz.

Mit Siemens sorgte ein weiteres deutsches Unternehmen im Kreis der größten Europäer für Aufmerksamkeit. Heinrich von Pierer, dem Chef des Münchener Technologie-Konzerns, gelang es, sämtliche Bereiche in die schwarzen Zahlen zu führen.

Während Heinrich von Pierer vor zwei Wochen einen äußerst positiven Ausblick für Siemens gab, halten sich die Öl-Manager mit ihren Vorhersagen zurück. Der Grund: In den vergangenen Wochen ging der Ölpreis markant zurück. So rechnet Royal Dutch/Shell für die kommenden Jahre lediglich mit einem durchschnittlichen Ölpreis von 14 $.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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