"Europäische Linie"
Chirac fordert von den Neuen die richtige Gesinnung

Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac sieht bei den künftigen Mitgliedern der Europäischen Union (EU) offenbar noch einen gewissen Nachholbedarf an europäischer Gesinnung.

rtr ATHEN. Auf dem EU-Gipfel in Athen, bei dem am Mittwoch die Aufnahme der zehn neuen Mitglieder besiegelt wurde, erklärte Chirac im Blick auf das kontroverse Verhalten einiger osteuropäischer Länder zum Irak-Krieg der USA, das "neue Europa" tue gut daran, über seine politischen Ambitionen mehr Klarheit zu schaffen, damit Spaltungen in der Union, wie sie in Zusammenhang mit dem Krieg entstanden seien, künftig vermieden würden.

Das neue Europa werde nicht in der Lage sein, den Erwartungen seiner Bürger gerecht zu werden, solange diese Klärung der europäischen Linie nicht vorgenommen und ein entsprechendes Umdenken erkennbar sei, warnte Chirac. Die EU sei eben "weit mehr als nur ein großer Markt, gemeinsame Politik, eine einzige Währung und Bewegungsfreiheit", erklärte Chirac auf der Athener Agora, dem Ursprungsort der Demokratie.

Chirac spielte mit seinem Appell indirekt erneut auf die Verstimmung an, die er mit seiner scharfen Kritik am Verhalten einiger osteuropäischer Staaten wegen deren Unterstützung der US-Position im Vorfeld des Krieges ausgelöst hatte. Damals hatte Chirac gesagt, diese ehemals kommunistisch regierten Länder hätten eine "großartige Gelegenheit verpasst, den Mund zu halten".

Während die EU-Mitglieder Frankreich, Belgien und Deutschland sich von Anfang an entschieden und klar gegen den Krieg ausgesprochen hatten, hatten unter anderem Polen, Tschechien und Ungarn sich auf die Seite der EU-Länder geschlagen, die das Vorgehen der USA gegen den Irak unter Präsident George W. Bush offen propagierten. Die Osteuropäer hatten im Februar einen entsprechenden, von Großbritannien und Spanien initiierten Brief unterzeichnet und damit die Kontroverse mit den Kriegsgegnern vertieft.

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