Europäische Mobilfunktechnologie dominiert
US-Standard für Handys floppt in China

Ein prestigeträchtiges Mobilfunkprojekt in China erweist sich bisher als Flop: Die Regierung führte den US-Mobilfunkstandard CDMA ein, um die Dominanz der Europäer und ihrer Technologie in China zu brechen. Doch Lieferengpässe bei Handys, hohe Kosten und eine riskante Marketingstrategie lassen das Projekt nicht aus den Startlöchern kommen.

HONGKONG. Seit dem Start im Januar hat China Unicom, der zweitgrößte Mobilfunkkonzern des Landes, 510 000 Kunden für CDMA gewonnen. Mehr als 400 000 davon sind aber Teilnehmer eines alten militärischen Versuchsnetzes, das Unicom übernommen hat. Bankanalysten glauben, dass das Unternehmen sein Ziel von sieben Millionen CDMA-Kunden bis Ende dieses Jahres abschreiben kann. "Der CDMA-Start war ein Desaster", urteilt Craig Watts, Analyst bei der Unternehmensberatungsfirma BDA China. "Die Schlappe schadet nicht nur Unicoms Markennamen, sondern auch dem Image von CDMA."

Chinas Entscheidung, ein CDMA-Netz aufzubauen, war als Durchbruch für den US-Standard gefeiert worden. Dieser ist nur in den USA, in Japan und Südkorea verbreitet und gegenüber dem weltweit dominanten europäischen GSM-Standard in der Defensive. Ein Durchbruch in China würde CDMA-Anbieter wie Qualcomm, Motorola oder Lucent begünstigen und GSM-Verfechtern wie Nokia oder Siemens schaden. Angesichts von 150 Millionen Handybesitzern und einem Marktwachstum von 75 % im vergangenen Jahr gilt China als sehr wichtiger Markt beim Ringen um weltweite Skalenvorteile. Die industriepolitische Bedeutung Chinas ist so groß, dass die USA dem Land den CDMA-Netzaufbau als Gegenleistung für die Zustimmung zur Aufnahme in die Welthandelsorganisation (WTO) aufzwangen.

Die chinesischen Mobilfunknetzbetreiber Mobile und Unicom sträubten sich zwar dagegen, parallel zu ihren GSM-Netzen Ressourcen in einen rivalisierenden Standard zu stecken. Doch Peking zwang Unicom, 3 Mrd. $ in ein CDMA-Netz zu investieren. Weil die Chinesen dieser Technologie die kalte Schulter zeigen, erwägt Unicom, die für dieses Jahr geplanten Investitionen in CDMA zu halbieren.

Unicom vermarktet CDMA als Premium-Angebot, das auf Chinas kaufkräftige Oberschicht zielt. Analysten gehen davon aus, dass diese Strategie erst im zweiten Halbjahr aufgehen wird. Dann wird das CDMA-Netz schrittweise aufgerüstet, um eine schnellere Datenübertragung zu ermöglichen. Bis dahin seien die Unterschiede zwischen den beiden Standards nicht groß genug, um eine Premium-Positionierung zu rechtfertigen, sagt Francis Cheung, Analyst bei Merrill Lynch.

Die Unicom-Konzernführung macht für die Startschwierigkeiten Lieferengpässe bei Mobiltelefonen verantwortlich. Auch die Modellauswahl ist gering, und mit 2000 bis 4000 Yuan (280 bis 370 Euro) liegen die Preise wesentlich höher als bei vergleichbaren GSM-Geräten.

Allerdings dürfte staatliche Rückendeckung dem Projekt einen Fehlschlag ersparen: "In jedem anderen Land würde dieses Netz eingehen, in China garantiert die Regierung den Erfolg", meint Watts. Er prognostiziert CDMA langfristig 20 bis 30 % Marktanteil. Branchenkenner rechnen damit, dass Peking Unicom Preissenkungen erlaubt und die Vergabe neuer Mobilfunklizenzen hinauszögert, bis das neue Mobilfunknetz profitabel ist.

Peking kann CDMA kaum ohne Gesichtsverlust scheitern lassen. Denn die Regierung hat versprochen, mit dem neuen Standard heimischen Handy-Herstellern im Wettbewerb mit Weltkonzernen wie Nokia oder Siemens zu helfen. Diese beherrschen 85 % des chinesischen Marktes. CDMA sollte das ändern: Außer Motorola hat die Regierung Produktions-Lizenzen für CDMA-Mobiltelefone nur an 18 chinesische Hersteller vergeben und Importe verboten. Doch inzwischen wird den Chinesen klar, dass der größte Gewinner bei CDMA ein Auslandskonzern ist: Qualcomm. Das Unternehmen ist der Monopollieferant für Handy-Chips und bekommt für jedes verkaufte Gerät 2,5% Kommission.

Quelle: Handelsblatt
Oliver Müller
Handelsblatt / Korrespondent
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