Europäische Rating-Agentur: Anhörung im Finanzausschuss des Bundestags

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Europäische Rating-Agentur: Anhörung im Finanzausschuss des Bundestags

Um die Eigenständigkeit des europäischen Kapitalmarktes zu stärken, sollte über die Etablierung ...

Um die Eigenständigkeit des europäischen Kapitalmarktes zu stärken, sollte über die Etablierung einer europäischen Rating-Agentur nachgedacht werden. Dies empfiehlt der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) in einer schriftlichen Stellungnahme zur nichtöffentlichen Anhörung des Finanzausschusses zum Thema "Rating-Agenturen" am 3. 3. 2004.
Zwar verfügten die etablierten Rating-Agenturen wie Standard & Poor's, Moody's und Fitch über ausreichendes europäisches Know-how, Prüfansatz und-methodik dürften aber nicht unwesentlich von der Philosophie des amerikanischen Mutterhauses bestimmt werden, so der BDI. Eine europäische Rating-Agentur, die in dieser Hinsicht "Mehrwert" leiste, werde bei Investoren und Emittenten entsprechende Anerkennung finden können. Um den aus der Sicht des BDI wünschenswerten Wettbewerb im Rating-Markt zu stärken, wäre die Zulassung weiterer Agenturen durch die US-Regulierungsbehörden ein erster wichtiger Schritt.
Die Rating-Agenturen sehen sich in der Öffentlichkeit gelegentlich mit dem Vorwurf konfrontiert, amerikalastig zu sein. In der Stellungnahme von Moody's heißt es dazu, die eigenen Ratings hätten im Hinblick auf die Rangfolge des Ausfallrisikos in Europa besser zugetroffen als in Nordamerika.
Wichtig sei, dass die Anbieter unabhängig voneinander sind. Sie sollten ihre eigenen Ansätze und Methoden entwickeln. Die Menge der am Markt verfügbaren Informationen würde abnehmen, so die Agentur, wenn die Rahmenbedingungen sie zu ähnlichen methodischen Ansätzen ermunterten. Sie würden damit in geringerem Maß auf die Dynamik der Kapitalmärkte oder auf künftige, für die Bonität erhebliche Ereignisse reagieren können. Auch Standard & Poor's betont, dass ihre lokalen Analysen europäische Emittenten keineswegs benachteiligen würden.
Ratings würden durch Komitees erteilt, die ihre Entscheidungen stets im Konsens treffen. Die Identität der Komitee-Mitglieder werde nicht veröffentlicht. Dies schütze sie gegen unzulässigen Druck von außen. Allerdings sei man sich bewußt, dass eine Rating-Entscheidung in manchen Fällen auch zu Liquiditätsschwierigkeiten für Unternehmen führen kann. Fitch wendet sich in seiner Stellungnahme gegen ein Registrierungssystem. Für kleine Agenturen wäre es extrem schwierig, unter diesen Voraussetzungen eine solide Marktposition zu erreichen.
Sollten sich die europäischen Behörden jedoch dafür entscheiden, so würde ein formalisiertes Anerkennungsverfahren befürwortet. Zu den Kriterien für eine Anerkennung sollten eine Bewertung der Ressourcen des Unternehmens und seiner Politik zur Vermeidung von Interessenkonflikten, eine Analyse der Verwendung der Ratings dieses Unternehmens im Markt sowie Studien zum langfristigen Erfolg dieser Ratings gehören.
Der Geschäftsinhaber der Everling Advisory Services, Dr. Oliver Everling, spricht sich für eine Kontrolle der Rating-Agenturen aus. Er vertritt auch die Auffassung, dass ab einem Gesamtkreditvolumen von etwa 10 Millionen Euro dem bankinternen Rating das unabhängige Rating einer neutralen Agentur gegenüber gestellt werden müsste.
Der Zentrale Kreditausschuss der deutschen Banken verlangt die Offenlegung der angewandten Rating-Verfahren und-Methoden, um Interessenkonflikte zu vermeiden oder offenzulegen. Die Gefahr, dass das Rating-Urteil besser als die tatsächliche Risikosituation ausfällt, habe sich bislang nicht bestätigt.
Gesetzgeberischen Handlungsbedarf gegen wettbewerbswidrige, missbräuchliche und unfaire Praktiken von Rating-Agenturen sehen die Bankenvertreter nicht.

Quelle: FINANZ BETRIEB, 03.03.2004

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