Europäische Regierungen warnen vor Demontage Arafats
Weltweit Sorge über Lage in Nahost

Angesichts der Eskalation im Nahen Osten haben mehrere europäische Regierungen Israel eindringlich vor einer Demontage des palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat gewarnt. In arabischen Ländern kam es zu anti-israelischen Demonstrationen. Papst Johannes Paul II. sprach in seiner Osterbotschaft von einer großen Tragödie und sagte: "Niemand darf schweigen und untätig bleiben." Die Bundesregierung forderte Israel auf, die Unversehrtheit Arafats zu garantieren.

wiwo/ap KAIRO/BERLIN/ROM. Die palästinensische Autonomiebehörde müsse ihre Handlungsfähigkeit wieder erhalten, erklärte Bundesaußenminister Joschka Fischer am Sonntag. Die militärische Konfrontation gebe Anlass zu größter Besorgnis. Sie berge die Gefahr einer Destabilisierung der gesamten Region.

Der spanische Ministerpräsident und amtierende EU-Ratspräsident Jose Maria Aznar kritisierte, die Belagerung von Arafats Amtssitz in Ramallah erschwere die Lage nur zusätzlich. Der französische Präsident Jacques Chirac betonte, es wäre ein schwerer Fehler, zu glauben, die Ausschaltung Arafats könne irgendwelche positiven Effekte haben. Er begrüßte die in der Nacht zum Samstag verabschiedete Resolution des UN-Sicherheitsrats, die Israel zum Rückzug und die Konfliktparteien zur Zusammenarbeit aufforderte.

In einer Botschaft an Arafat äußerte der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi seine tiefe Sorge über die dramatische Entwicklung. Auch der britische Außenminister Jack Straw rief zur Zurückhaltung auf. Nur Verhandlungen könnten eine friedliche Zukunft bringen.

Griechenland warnte am Montag vor einer Kettenreaktion, die weitere Staaten der Region in den Konflikt hineinziehen könnte. Die Türkei verurteilte das israelische Vorgehen gegen Arafat als Verletzung der Menschenrechte. "Niemand hat das Recht zu solchen respektlosen Aktionen gegen ein Staatsoberhaupt oder das von ihm repräsentierte Volk", erklärte Außenminister Ismail Cem am Montag. Zugleich appellierte er an die Palästinenser, die Terroranschläge zu beenden.

Der russische Außenminister Igor Iwanow forderte die sofortige Umsetzung der jüngsten UN-Resolution. Der stellvertretende Präsident der Duma, Wladimir Lukin, schlug am Montag die Entsendung einer internationalen Friedenstruppe vor. Der russische Nahost-Gesandte Andrej Wdowin und Diplomaten der Europäischen Union trafen sich unterdessen mit dem israelischen Außenminister Schimon Peres.

In Kairo ging die Polizei am Montag mit Tränengas und Wasserwerfern gegen die Teilnehmer einer anti-israelischen Protestaktion vor. Mehrere hundert Demonstranten wollten von der Universität zur nahe gelegenen israelischen Botschaft ziehen und hatten versucht, die Reihen der Bereitschaftspolizisten zu durchbrechen. In der südägyptischen Stadt Sohag verbrannten tausende Studenten und Universitätsdozenten israelische Flaggen. In Alexandria versammelten sich rund 10 000 Menschen zu einer Demonstration.

Aus Jordanien wurden mindestens vier Demonstrationen gemeldet. In Amman hinderte die Polizei rund 500 Studenten mit Schlagstöcken am Verlassen des Campus. In Sarka skandierten etwa 3 000 Demonstranten "Tod für Israel" und riefen zum Heiligen Krieg auf. Ägypten und Jordanien sind die einzigen arabischen Staaten, die Friedensabkommen mit Israel geschlossen haben.

Der Papst betonte in seiner Ansprache anlässlich der Ostermesse auf dem Petersplatz am Sonntag: "Mit Repressalien und Vergeltung wird nichts gelöst." Es scheine, dass dem Frieden der Krieg erklärt worden sei.

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