Europäische Studie sieht mangelhafte Rahmenbedingungen
Deutschland ist für Wagniskapital unattraktiv

Mit dem Niedergang der öffentlichen Finanzmärkte fällt außerbörslichem Beteiligungskapital als Wachstumsmotor eine immer wichtigere Rolle zu. Auch beim Verkauf von Konzernteilen kommen die Milliarden schweren Private-Equity-Fonds immer öfter zum Zug.

FRANKFURT/M. Leider bietet Deutschland aber ein extrem schlechtes Investitionsklima für die internationalen Finanzinvestoren. Das jedenfalls geht aus einer Studie der European Private Equity & Venture Capital Association (EVCA) hervor. Danach belegt Deutschland einen Abstiegsplatz in Europa. Schlechter sind die Bedingungen für Risikokapitalgeber nur noch in Dänemark und Österreich. Dagegen finden die Investoren in Großbritannien und Irland sehr günstige Verhältnisse vor.

Didier Guennoc, Research Director bei der EVCA, sagte, "ausländische Investoren zögern, ihr Geld in Deutschland zu investieren, vor allem wegen der steuerlichen Nachteile." Europa habe zwar die Einheitswährung Euro, bei den Steuern fehle aber die Harmonisierung. Die EVCA-Untersuchung, die zwischen Februar und November 2002 durchgeführt wurde, vergleicht unter anderem die Bedingungen für Investoren in Risikokapitalfonds, wettbewerbsrechtliche Fragen, Unternehmenssteuersätze sowie steuerliche Anreize für Gründer und Investoren.

So sei die Unternehmensbesteuerung in Deutschland zwischen 38 und 40 % anzusiedeln, europaweit liege sie bei nur 32,6 %. Ferner würden die Veräußerungsgewinne für Privatpersonen mit bis zu 25,5 % besteuert, im Mittel liege dieser Satz in Europa aber bei nur 18,6 %. Nachteilig sei auch die Mehrwertsteuerbelastung der Managementgebühren. "Wir wussten, dass die Rahmenbedingungen nicht zu den besten gehören. Uns überrascht aber, dass wir quasi ein Schlusslicht in Europa bilden", kommentierte Holger Frommann, Geschäftsführer des deutschen Branchenverbandes BVK. "Uns fehlt eine klare Rechtslage in Deutschland. Private-Equity-Fonds kann man derzeit kaum verlässlich auflegen, diese Zurückhaltung setzt sich auf der Ebene der Investoren fort", meint der Steuerexperte Götz Tobias Wiese von der Kanzlei Latham Schön Nolte. Und sein Kollege André Gloede von der Kanzlei SJ Berwin Knopf Tulloch Steininger ergänzt, dass es zwar Bewegung in der Finanzverwaltung gebe, der Ausgang der Überlegungen aber völlig offen sei. Beispielsweise sei die äußerst wichtige Frage der Beteuerung des "Carried Interest" weiter ungeklärt. Der "Carried Interest" ist ein wesentlicher Leistungsanreiz in der Branche und bezeichnet die Gewinnbeteiligung der Managementgesellschaft und deren Führungskräfte am Erfolg der verwalteten Fonds.

Deutschland läuft wegen der Rechtsunsicherheit nach Brancheneinschätzung Gefahr, zu wenig von den Investitionstöpfen der Finanzinvestoren abzubekommen. Zwar ist auch der europäische Beteiligungsmarkt angeschlagen - das Mittelaufkommen institutioneller Investoren für Wagniskapital brach 2002 auf 19,4 Mrd. von 38,2 Mrd. Euro ein. Allerdings nahmen die Investitionen vor allem für Buyouts auf 27,2 (24,3) Mrd. Euro zu.

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