Europäische und amerikanische Gesellschaften profitieren von Ölpreiskrise
Ölmultis wollen im Gas- und Stromgeschäft expandieren

Hohe Rohölpreise haben den Großen der Branche vergangenes Jahr Rekordgewinne beschert. Nun suchen die Konzerne nach neuen Investitionsmöglichkeiten. Besonders groß ist das Interesse an der Förderung und dem Vertrieb von Erdgas, dem weltweit am stärksten wachsenden Energieträger.

HB DÜSSELDORF/PARIS. In der Ölbranche sprudeln die Gewinne, und davon profitieren auch die Aktionäre. Thierry Desmarest, Vorstandschef der Totalfina Elf, versprach den Anteilseignern des französischen Ölkonzerns am Mittwoch eine um 40 % auf 3,3 Euro je Aktie gesteigerte Dividende. Damit verteilt der Konzern allerdings nur 31 % seines Überschusses von immerhin 7,6 (3,4) Mrd. Euro.

Einen nicht bezifferten weiteren Teil des Reingewinns will Desmarest verwenden, um für schlechtere Zeiten eine attraktive Ausschüttung sicherzustellen. Außerdem sucht er noch nach lukrativen Investments. Wie schon sein Vorgänger bei der von Totalfina 1999 geschluckten Elf Aquitaine, Philippe Jaffré, hat Desmarest Interesse an einem Einstieg in Europas Strom- und Gasversorgung. Konkrete Projekte gibt es dafür offenbar nicht.

Auch die anderen führenden Ölkonzerne haben 2000 prächtig verdient. Große Kostenersparnisse und ein kräftiges Plus bei den Ölnotierungen ließen die Gewinne der großen Konzerne im letzten Jahr um 50 % bis 140 % hochschnellen. Und die Aussichten auf attraktive Renditen sehen weiter günstig aus. Totalfina-Elf-Chef Desmarest setzt für 2001 auf einen Ölpreis von durchschnittlich 17 $. Die meisten Prognosen für 2001 und 2002 liegen sogar zwischen 20 und 30 $ je Barrel (159 Liter).

Die Ölkonzerne disponieren vorsichtig

Überraschend hohe flüssige Mittel von zusammen genommen 20 Mrd. $ allein bei den großen Drei - Exxon Mobil, BP Amoco Arco, Royal Dutch/Shell -- bereiten den Finanzmanagern dieser Unternehmen allerdings mehr Kopfschmerzen als Freude, wie der "Erdöl Informationsdienst" berichtet. Grund dafür ist, dass Kapitalanlagen eine schlechtere Verzinsung bringen als Investitionen in die verschiedenen Geschäftsfelder der Unternehmen.

Darum planen die Ölmultis vorsichtig. Sie wollen nicht die Fehler wiederholen, die sie vor 25 Jahren gemacht haben. Damals, nach der ersten Ölpreiskrise 1973/74, waren gleichfalls die Gewinne explodiert. Die Mineralölkonzerne kauften sich daraufhin in alle möglichen Branchen ein, Mobil erwarb eine Warenhauskette, Exxon stieg ins Hotelgeschäft ein. mit dem gleichen Ergebnis: Schiffbruch. Darum sollen heute Investitionen nur noch in Geschäftsfelder fließen, in denen die Ölkonzerne Know-how-Vorteile besitzen.

Phase der Megafusionen geht zu Ende

Momentan zeichnen sich für die Spitzengruppe der Weltölindustrie drei Trends ab: Erstens scheint die Phase der Megafusionen, die 1998 einsetzte und bis 2000 ging, vorbei zu sein. Jetzt stehen kleinere bis mittlere Akquisitionen an. Zweitens halten die Konzerne trotz der Gewinnexplosion im Upstream-Geschäft (Erschließung und Förderung) Maß mit Investitionen - obwohl dort 2000 über 70 % der Profite angefallen sind. So wird die Produktion der Kohlenwasserstoffe eher behutsam ausgebaut. Drittens wollen die führenden Anbieter ihr Engagement beim weltweit am stärksten wachsenden Energieträger Erdgas nachhaltig ausbauen. Bei BP Amoco Arco und Royal Dutch/Shell soll Erdgas schon bald an die Bedeutung des Öls herankommen. Ende dieser Dekade könnte das Gas sogar am Öl vorbeiziehen.

Gleichzeitig loten Europas Branchengrößen ihre Position im Energiegeschäft völlig neu aus. Beispielsweise prüfen sie, ob sich der Gas-Vertrieb direkt an die Verbraucher und ein Einstieg ins Stromgeschäft lohnen könnte. Deutschlands führende Energiekonzerne Eon und RWE sorgen sich angesichts ihrer nach wie vor geringen Börsenkapitalisierung, dass sie Opfer feindlicher Übernahmen werden könnten. Derweil bereitet Shell in den USA einen Übernahmeangriff auf den Erdgasproduzenten Barret Resources vor.

Die großen Player aus Europa und den USA lassen sich in ihren strategischen Ausrichtungen keineswegs über einen Kamm scheren. Während BP und Shell auch erneuerbaren Energieträgern langfristig eine Chance geben, konzentrieren sich Italiens Eni und Frankreichs Totalfina Elf bei Energie auf Öl und Gas. Die Franzosen wollen indes bei der Neuordnung der Energieversorgungsmärkte in Europa nicht abseits stehen. So kann sich Desmarest eine Beteiligung an Gaz de France vorstellen, falls deren Kapital geöffnet wird -- aber nur bei industrieller Mitsprache.

Die beiden US-Energiegiganten Exxon Mobil und Chevron Texaco sind noch dabei, ihre Fusionen abzuwickeln und streben erst einmal mit Vorrang Kostenführerschaft im Öl- und Gasgeschäft an.

Allerdings könnten die akuten Schwierigkeiten in der US-Strom- und Gasversorgung noch Überraschungen bergen: So könnten beide Multis sich eigene Stromtöchter zulegen oder direkte Absatzwege bis zu den Gaskunden kaufen.

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