Europäische Union gewährte der Ukraine ein Darlehen in Höhe von 585 Mill. $
Tschernobyl-Reaktor vor der Abschaltung

Zwei Tage vor der endgültigen Abschaltung der Atomanlage Tschernobyl in der Ukraine haben Ingenieure am Mittwoch abschließende Tests am letzten noch aktiven Reaktor durchgeführt.

dpa KIEW/BRÜSSEL. Dazu sei der pannenanfällige Atommeiler auf eine Minimalleistung hochgefahren worden, teilte die Betreiberbehörde Energoatom nach Angaben der Nachrichtenagentur Interfax mit. Die Behörden hatten aber aus Sicherheitsgründen eine letzte Produktion von Atomstrom vor der Abschaltung an diesem Freitag untersagt.

Unmittelbar vor der endgültigen Abschaltung des Katastrophen- Kraftwerks Tschernobyl hat die Europäische Union der Ukraine ein Darlehen in Höhe von 585 Mill. $ gewährt. Mit diesem Geld sollen zwei Ersatzkraftwerke für das AKW Tschernobyl vollendet werden. Dabei handelt es sich um Block 2 des Chmelnizki- Kernkraftwerks und des Blocks 4 des Rowno-Kernkraftwerks. Beide sollen auf einen Sicherheitsstandard gebracht werden, der der westlichen Genehmigungspraxis entspricht.

Ein Sprecher des ukrainischen Präsidenten Leonid Kutschma sagte in Kiew, die Stilllegung Tschernobyls sei eine der bedeutendsten Ereignisse des Jahrhunderts. Die Ukraine hatte über Jahre trotz westlicher Proteste mit Tschernobyl weiterhin Strom produziert. Der letzte aktive Reaktor ist ein baugleicher Nachbarblock des 1986 explodierten vierten Tschernobyl-Reaktors.

Die Ukraine werde auch in Zukunft Atomstrom produzieren, bekräftigte der stellvertretende Parlamentssprecher Stepan Gawrisch in Kiew. Dagegen kritisierte die Umweltschutzorganisation Greenpeace den Fertigbau von zwei unvollendeten Atomreaktoren sowjetischer Bauart in der Westukraine mit ausländischen Krediten als Ersatz für Tschernobyl.

"Das ist für die Energiewirtschaft der Ukraine insgesamt der falsche Weg", sagte der deutsche Greenpeace-Mitarbeiter Veit Bürger. Die Ersatzreaktoren seien technisch nicht sicher, energiepolitisch überflüssig und zudem keine wirtschaftliche Lösung. Die bevorstehende Abschaltung Tschernobyls erregt weltweites Aufsehen. Auch Papst Johannes Paul II. habe die bevorstehende Stilllegung "im Jahr 2000 nach Christi Geburt" begrüßt. "Die Ukraine hat einen wichtigen Schritt getan", schrieb er an Präsident Leonid Kutschma.

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