Europäische Unternehmen gestärkt
Deutsche Fonds erwarten Börsenaufschwung

Portfoliomanager und Anlagestrategen deutscher Fondsgesellschaften erwarten für 2003 eine Konjunkturerholung in Europa und in den USA. An den Börsen gehen sie entsprechend von steigenden Kursen aus.

Reuters FRANKFURT. Wie die neu aufgelegte Monats-Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters zur "Asset Allocation" ergab, legen die befragten Fondsgesellschaften stärkeres Gewicht auf Aktien und favorisieren dabei vor allem Titel europäischer Unternehmen. Diese dürften zu den Gewinnern eines Aufschwungs gehören, hieß es zur Begründung.

"Wir rechnen mit einer stärkeren Erholung für Europa", sagte Esther Baumann, Sprecherin von Union Investment. Europäische Unternehmen dürften ihrer Einschätzung nach wegen der fortschreitenden Entschuldung und Bilanz-Bereinigungen gestärkt aus der Krise hervorgehen. Deshalb habe das zum genossenschaftlichen Sektor gehörende Investmenthaus die Gewichtung von Aktien in seinem Portfolio erhöht.

Die zur Commerzbank gehörende Cominvest rechnet nach eigenen Angaben auch an den US-Börsen mit steigenden Kursen. Die Aktienmärkte in der Eurozone dürften allerdings tendenziell eine bessere Performance aufweisen. Cominvest begründete ihre Anlagestrategie, mit ihren Adig-Publikumsfonds US-Aktien im Vergleich zu europäischen Dividendenpapieren unterzugewichten, mit einem höheren Anteil an zyklischen Sektoren in Europa.

Der Chefvolkswirt von Invesco, Jörg Krämer, prognostizierte einen Aufschwung für die zweite Hälfte des Jahres 2003. An den Börsen sollten die Vorboten allerdings bereits jetzt spürbar werden, sagte Krämer. Invesco setze auf eine Erholung der stark unterbewerteten Aktienmärkte in Europa.

Die zur Hypo-Vereinsbank gehörende Investmentgesellschaft Activest erwartet eine moderate konjunkturelle Erholung bereits im ersten Halbjahr 2003. Dabei sollten von der US-Börse die stärkeren Impulse ausgehen. "Von makroökonomischer Seite gibt es Anzeichen, dass sich die wirtschaftliche Entwicklung in den USA in den kommenden Quartalen beschleunigen wird", sagte Fondsmanager Harald Staudinger. Unterstützt werde dieser Effekt durch die expansive Geldpolitik durch Zinssenkungen der US-Notenbank FED. Zusätzlich habe der Erfolg der Republikaner bei den Kongresswahlen den Weg für weitere fiskalpolitische Maßnahmen geebnet.

Die niedrige Gewichtung des japanischen Marktes begründete Cominvest mit dem ihrer Einschätzung nach enttäuschend profilarm verlaufenden Antideflationsprogramm der japanischen Regierung. Es seien immer noch keine überzeugenden Ansätze zur Lösung der langjährig anhaltenden Bankenkrise erkennbar.

Bei den europäischen Aktien gewichtet Cominvest Telekommunikationsaktien stärker. "Die Umstrukturierung ist im Telekommunikationsbereich voll im Gang. Schwache Marktteilnehmer sind dabei, sich zurückzuziehen und machen Platz für die Gewinner von Marktanteilen. Dieser Sektor kann auch von der Konjunkturbelebung im nächsten Jahr profitieren", sagte der Cominvest-Stratege. Ebenfalls als "übergewichtet" stuft Cominvest den Bankensektor ein. "Banken haben bei der von uns erwarteten Konjunkturerholung in 2003 über dann niedrigere Rückstellungen für die Risikovorsorge und wegen der starken Abhängigkeit von Teilen des Geschäfts von der Tendenz an den Aktienmärkten einen ausgeprägt positiven Gewinnhebel. Außerdem haben Bankaktien eine hohe Volatilität, die der Performance in positiven Marktphasen eine besondere Dynamik verleihen kann".

Bei Anleihen favorisieren die Portfoliomanager von Activest langfristige europäische Papiere. Da keine inflationären Tendenzen absehbar seien, gebe es keine Gründe, von steigenden Zinsen auszugehen. "Ausgehend von einer möglichen Zinssenkung durch die Europäsche Zentralbank (EZB) gehen wir von einem weiterhin stabilen Zinsumfeld in Europa aus", sagte Staudinger.

Cominvest hingegen favorisiert eigenen Angaben zufolge festverzinsliche Papier mit kürzeren Laufzeiten von zwei bis vier Jahren.

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